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Hof- und Dorfleben

Hofreport aus Niedersachsen: Gelbrost im Griff

von , am
14.05.2014

Salzdahlum - Ackerbau auf gut 400 Hektar, Legehennen im Mobilstall, Erdbeeren, ein Hofladen und jetzt die Hofreporter vor Ort: LAND & Forst-Videoredakteurin Birgit Greuner stellt die Domäne Salzdahlum vor.

 
Johannes Weber kommt mir entgegen, als ich auf dem Parkplatz vor seinem Hofladen warte, mit Filmkamera und Stativ in der Hand. Heute ist unser erster gemeinsamer Filmtermin in Sachen Hofreport. Alle vier bis sechs Wochen berichte ich in den kommenden Monaten nun per Video von seinem Hof, einem Verbundbetrieb gut 12 km südöstlich von Braunschweig. Heute wollen wir einen Weizen- und einen Maisschlag anschauen sowie den Legehennen einen Besuch abstatten.

Die Domäne Salzdahlum wird bereits seit drei Generationen von der Familie Weber bewirtschaftet. Eigentümer der betriebseigenen Flächen ist das Land Niedersachsen, die Webers haben die Flächen gepachtet. Johannes Weber hat sein Agrarwirtschaftsstudium 2008 beendet. Danach arbeitete der heute 32-Jährige zwei Jahre als Verwalter in Thüringen - die Voraussetzung dafür, dass er jetzt als Betriebsleiter die Domäneflächen pachten darf.
 
Insgesamt gehören sechs Arbeitskräfte zum Betrieb. Neben Johannes Weber (1,5 Ak), seiner Frau und mitarbeitenden Familienmitgliedern (1,4 Ak) sind das ein staatlich geprüfter Landwirt (1 Ak), der 60 Prozent der Feldarbeit erledigt, ein fester Mitarbeiter für die Legehennen (1 Ak), eine feste Mitarbeiterin für den Hofladen (0,5 Ak) sowie Aushilfen (0,6 Ak). Hinzu kommen etwa 50 Saisonarbeitskräfte im Erdbeergeschäft.

Kurze Wege
 
Zur Fahrt auf den Acker nehmen wir das Auto. Die Betriebsflächen liegen durchschnittlich 1,8 Kilometer vom Hofgebäude entfernt. Während wir fahren, schildert Johannes Weber die Betriebsstruktur: "Die Domäne ist breit aufgestellt: Wir bauen Weizen, Gerste, Mais, Zuckerrüben, Raps, Erdbeeren und Frühkartoffeln an. Wir betreiben einen Hofladen und halten Legehennen." In vielen Betriebsvergleichen würden die Verbundbetriebe weniger gut abschneiden. "Bei uns ist es aber so, dass wir durch die vielen Standbeine relativ stabil dastehen." Das sei für die Domäne Salzdahlum besonders wichtig, weil es sich um einen fast reinen Pachtbetrieb handele. "Die Betriebsstabilität ist für uns eigentlich noch wichtiger als die Gewinnmaximierung", findet Weber.
 
Mais: Phosphor unter Fuß
 
Zuerst sehen wir uns den Mais an. Gut 20 Hektar baut Familie Weber davon an - für eine Biogasanlage im Ort und eine weitere in der Nachbargemeinde. Mitte April wurde der Mais gedrillt: "Dafür haben wir den Boden 15 cm tief gegrubbert und mit der Saatbettkombination überarbeitet. Phosphor wurde als Unterfußdüngung verabreicht." Die Stickstoffdüngung steht in den nächsten Tagen an. Insgesamt wird Johannes Weber 180 kg N pro Hektar abzüglich des Nmin-Wertes ausbringen. Die Verkrautung auf dem Schlag ist derzeit noch gering, eine Herbizidspritzung deshalb nicht notwendig.
 
Winterweizen: Meist Mulchsaat
 
Nebenan steht der Winterweizen - eine Marktfrucht, die Weber auf knapp der Hälfte seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche anbaut (Betriebsspiegel s.u.). Der Weizen wird auf der Domäne meist zu 80 Prozent per Mulchsaat in den Boden gebracht. Abweichungen gibt es, wenn Problemunkräuter auftreten wie z. B. der Ackerfuchsschwanz. "Dann kann es in einem trockenen Jahr vorkommen, dass wir auch mal pflügen", betont Weber. Zur Mulchsaat reißen sie den Boden etwa 20 cm tief auf: "Vorher setzen wir zweimal die Kurzscheibenegge ein. Gedrillt werden die wesentlichen Flächen dann mit einer Direktsaatmaschine." Zum Betrieb gehören zu 50 Prozent Lehmböden mit 70 bis 95 Bodenpunkten, Ton- und lehmige Tonböden mit 40 bis 60 Bodenpunkten sind auf 35 Prozent der Flächen verbreitet.
 
Schon früh gegen Gelbrost gespritzt
 
In diesem Jahr tritt der Gelbrost in der Region relativ häufig auf. Dank der vorangegangenen Warnungen durch die Landwirtschaftskammer und seine Berater hat Johannes Weber bereits Mitte April ein breitenwirksames Fungizid ausgebracht, und zwar bei EC 32: "Ist der Gelbrost erst einmal etabliert, bekommt man ihn nur schwer wieder in den Griff. Die Pusteln außen auf der Pflanze kann man dann zwar bekämpfen, aber der Pilz ist auch in den Pflanzen noch aktiv." So hat sich das frühe Eingreifen in diesem Frühjahr gelohnt. Die Weizenpreise seien derzeit auf einem guten Niveau: "So konnten wir das Ertragspotenzial absichern." Die nächste Spritzung nimmt er in diesen Tagen vor.

Legehennen im Mobilstall
 
Schließlich fahren wir noch zu den Legehennen. Seit 2010 gehören insgesamt 4.800 Tiere zum Betrieb. Die Eier verkauft Johannes Weber zu einem Teil in seinem Hofladen, etwa 60 Prozent setzt er über den Einzelhandel in der Region ab. Drei Autominuten vom Hof stehen drei Mobilställe auf einer drei Hektar großen Fläche. Die Ställe sind jeweils 220 m² groß, Familie Weber nutzt ein einetagiges Kotgrubensystem: "Ein großer Vorteil des System ist die geringe Staubbelastung", hält der Landwirt fest. Außerdem ist der Stall sehr übersichtlich. Wenn ich einmal hindurchgehe, habe ich alle Hühner gesehen." Die tägliche Kontrolle ist wichtig. Wenn es kranke Tiere gibt, werden diese sofort in der Krankenstation separiert.
 
Stallumzug viermal im Jahr
 
Nachteilig sind die Baukosten pro Hennenplatz. "Bei einem Volierensystem könnte man die doppelte Anzahl an Tieren unterbringen", weiß Weber. Außerdem können beim Kotgrubensystem schnell Probleme mit Ammoniak und Fliegen auftreten: "Das versuchen wir zu verhindern, indem wir den Stall viermal im Jahr umziehen. So haben wir das Fliegenproblem ganz gut im Griff."
 
Mehr über die Legehennenhaltung auf der Domäne Salzdahlum erfahren Sie in der nächsten Folge von unserem Hofreport. Dann werden wir uns auch in die Erdbeerfelder begeben und schauen, wie die Saison dort gelaufen ist.
 
 

Betriebsspiegel Domäne Salzdahlum


Der Verbundbetrieb liegt gut 12 km südöstlich von Braunschweig im östlichen Niedersachsen. Naturräumlich sind die Betriebsflächen dem Ostbraunschweiger Hügelland zuzuordnen, bei einer Höhenlage von 90 bis 110 Metern über NN und 550 mm Jahresniederschlag.


 
Betrieb
 
Eigentümer: Land Niedersachsen
Pächter: Familie Weber
Braunschweiger Str. 26
38302 Wolfenbüttel/Salzdahlum
 
 
Flächenverteilung:
231,0 ha Domäne Salzdahlum
194,7 ha sonstige Flächen
------
 425,7 ha Gesamtfläche
 - 10,0 ha Feuchtbiotope/Anpflanzungen
 ------
415,7 ha landw. Nutzfläche, davon gepachtet: 98 %

Durchschnittl. Feldentfernung: 1,8 km
Durchschnittl. Feldgröße: 11,5 ha

Bodenverhältnisse:
15% sL bei 30 bis 55 Bodenpunkten
50% L bei 70 bis 95 Bodenpunkten
35%  T und LT bei 40 bis 60 Bodenpunkten
 
Anbauverhältnis (2013/14):
202,3 ha W-Weizen bei einem Ertrag von 9,1 t/ha (80% Mulchsaat)
64,4 ha W-Gerste bei einem Ertrag von 8,5 ha
 
65,8 ha Zuckerrüben bei einem Ertrag von 60,5 t/ha (100% Mulchsaat)
25,0 ha Nawaro Raps bei einem Ertrag von 4,2 t/ha (100% Mulchsaat)
0,7 ha Kartoffeln (Verfrühung unter Vlies)
10,8 ha Erdbeeren (Verfrühung unter Vlies auf 1 ha)
20,6 ha Mais für Biogas (100% Mulchsaat)
3,2 ha Blühstreifen (NAU A5)
5,9 ha Wiese
17,0 ha Sonstiges
 
Arbeitskräfte:
1,5 Ak Betriebsleiter
1,4 Ak Ehefrau und mitarbeitende Familienmitglieder
1,0 Ak staatl. geprüfter Landwirt
1,0 Ak fester Mitarbeiter Legehennen
0,5 Ak feste Mitarbeiterin Hofladen
0,6 Ak Aushilfen
in der Saison 50 Erdbeerhelfer (25 Pflücker, 20 Verkäufer, 5 Personen auf Feld, für Versorgung und Service)
 
Maschinen:
1 Schlepper 176 kW
1 Schlepper 150 kW
1 Schlepper 80 kW
1 Mähdrescher (10,5 t) 400 kW
1 5-Schar-Pflug
1 Kurzscheibenegge 6 m 
1 Grubber 3 m
1 Drillkombination 3 m
1 Drille 3 m
1 Zuckerrübendrille 12-reihig
1 Düngerstreuer 27 m
1 Pflanzenschutzspritze 27 m
1 Pflanzenschutzspritze 15 m
1 Pflanzmaschine 4-reihig
1 Strohstreuer 2-reihig
1 Saatbettkombination 5 m
4 Wagen 18 t
4 Wagen 8 t
div. Kleingeräte
 
diverse Maschinengemeinschaften
 
Getreidelagerung:
Lager 1 mit 700 t (2 t/h Trockner)
Lager 2 mit 800 t
Lager 3 mit 300 t (1,5 t/h)
 
Gebäude und erneuerbare Energien:
Gebäudefläche 5.120 m²
Hoffläche 21.135 m²
Photovoltaik 66,67 Kwp
 
Legehennenhaltung:
3 Mobilställe mit 4.800 Tieren insgesamt, 3 ha Freilaufgelände, durchschnittl. Legeleistung: 85 %

Hofladen
 
 
 
 
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