Login
Familie

Nicht immer ein Honigschlecken

von , am
28.08.2013

Das Frühjahr war zu verregnet und zu kalt. Es gibt immer weniger Rapsflächen und somit zu wenig Blüten. Wie gehen Imker mit diesen Schwierigkeiten um? Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Landwirten?

Horst Eggert bei der Arbeit: "In diesem Frühjahr war es schwierig für die Bienen."
Rauch breitet sich aus. Die Bienen reagieren sofort: Rasch sammeln sie Futter zusammen, nehmen so viele Vorräte wie möglich in ihre Honigmägen auf, um sie mit auf die vermeintlich notwendige Flucht zu nehmen. Horst Eggert, Hobbyimker aus Wietzenbruch bei Celle, hat in seinem Smoker, einer kleinen Brennkammer aus Metall,  eine Mischung aus Rainfarn und Tabak entzündet. Geschützt hinter einem Imkerschleier, macht er sich die Ablenkung der Bienen zunutze und entnimmt ungestört der Beute, in der die Bienen leben, eine Holzscheibe mit unzähligen Waben, zum Teil gelb-braun verkleistert.

Immer weniger Rapsfelder

"In diesem Jahr ist es ein bisschen schwierig", so der 72-jährige Pensionär, der 1969 einen Lehrgang am Bieneninstitut in Celle absolviert hatte und aus Naturverbundenheit zum Hobbyimker wurde. "Das Frühjahr war zu verregnet und zu kalt." Doch auch die Jahre davor waren kein Honigschlecken. "Viele Bauern haben wegen der Biogasanlagen auf Maisanbau umgestellt. Es gibt hier immer weniger Rapsfelder." Und damit zu wenig Blüten. Außerdem mache die Varroamilbe seinen Bienen zu schaffen.

Auch sonst geht nicht immer alles glatt. Etwa, wenn sich ein Volk teilt, ausschwärmt und sich die brummende Traube ausgerechnet im Gebüsch des Nachbarn niederlässt. Dann muss der Hobbyimker mit dem Eimer hinterher eilen und das Volk sachte zum Umzug bewegen. "In einem hohen Baum ist das besonders schön", schmunzelt Eggert. Wenn erforderlich, sei es einem Imker erlaubt,  ohne vorherige Erlaubnis ein Grundstück zu betreten, um sein Volk zurückzuholen, erklärt er. Die Nachbarn seien aber tolerant und gehören auch zu den Abnehmern des Honigs: Das Vermarkten läuft oft über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Ganz ohne Imkerei geht es nicht

In guten Jahren seien es etwa 30 bis 40 kg pro Volk und Saison, doch gäbe es immer öfter Einbrüche bei der Honigernte, wie der 32-jährige Christoph Sach aus Altencelle bedauert. Der ehemalige selbstständige Berufsimker betreut heute nur noch zwei Völker - als Freizeitvergnügen. Seine ehemals 55 Bienenvölker produzierten 1.500 kg pro Jahr, die an den Großhandel gingen. 2007 starb ein Großteil seiner Bienen. "Warum so etwas passiert, weiß niemand genau."  Mittlerweile arbeitet der gelernte Tierwirt, Fachrichtung Bienenkunde, als Hausmeister in einem Celler Betrieb. Dennoch - ganz ohne die Imkerei möchte er nicht sein. "Das ist eine ganz besondere Art der Beziehung zur Natur, durch die man auch ihre Zusammenhänge sieht und besser versteht." Verluste gebe es immer mal,  in der Heide zum Beispiel durch die Spinnen. "Aber das sind natürliche Ursachen, mit denen der Imker rechnet." Das Wetter sei ebenfalls ein wichtiger Faktor, so der Bienenbiologe Dr. Jacob van Praagh, Vorsitzender des Imkervereins Celle-Stadt e. V., zu dem rund 70 Hobbyimker zählen. Probleme bereite aber das fehlende "blühende Band".  Van Praagh sieht Landwirte und Imker als Solidargemeinschaft: "Der Landwirt ist abhängig von der Bestäubung durch die Bienen, der Imker vom Vorhandensein von genügend Versorgungsflächen für seine Völker."  

Landwirte können Imker unterstützen

Jeder einzelne Obstbaum, jeder Randstreifen mit Löwenzahn, jedes Rapsfeld, mahnt auch Horst Eggert,  seien überlebenswichtig für die Bienenvölker. Und Christoph Sach wünscht sich: "Wenn jeder in seinem Garten eine Nische hätte, wäre das schon eine Hilfe." Landwirte könnten die Imker unterstützen, indem sie mehr Blühflächen schaffen und die dazu bestehenden Initiativen und Fördergelder nutzen, so der Leiter des Instituts für Bienenkunde in Celle, Dr. Werner von der Ohe.

Er fordert zudem, "dass sich die Landwirte konsequent an die Bienenschutzverordnung halten. Wir haben bedauerlicherweise immer wieder Jahre, in denen dies nicht geschieht, was zu erheblichen Bienenverlusten führt."

Weitere Infos
Leitfaden des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) "Kompensations- und Grünflächen zum Wohle der Honig- und Wildbienen" unter www.laves.niedersachsen.de, Rubrik "Informationsmaterial".

Landesverband Hannoverscher Imker e.V., Tel. 0511/32 4339, www.imkerlvhannover.de.
Landesverband der Imker Weser-Ems e.V., Tel. 0441/8016 26. www.imker-weser-ems.de
Auch interessant