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Kieferprobleme

Wenn die Kiefermuskulatur krank macht

Johanna Wolken
am
14.01.2016

Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel und Zähneknirschen - dahinter kann eine Fehlfunktion der Kiefermuskulatur stecken. In der LAND & Forst Ausgabe 02 schildert Physiotherapeutin Johanna Wolken, wie Betroffene zur Entlastung beitragen können.

Sandra Conrads-Kull hatte, so lange sie zurückdenkt, Nacken- und Kopfschmerzen. Hausarzt und Orthopäden fanden aber keine direkte Ursache. Massagen brachten nur vorübergehend Erleicherung. „Ich bin lange Zeit gar nicht darauf gekommen, das beim Zahnarzt anzusprechen. Doch irgendwann wurde mir bewusst, dass ich - besonders in stressigen Zeiten - im Schlaf die Zähne sehr fest zusammenbeiße. Da kam mir der Verdacht, dass die Ursache in meiner Kiefermuskulatur liegen könnte“, berichtet die Oldenburgerin.

Kiefermuskulatur entlasten

Ihre Zahnärztin bestätigte die Vermutung. Vom starken Beißen waren schon Zähne beschädigt. Endlich war die Ursache ihre Beschwerden erkannt, und bekam einen Namen: CMD. Der Ausdruck steht für Craniomandibuläre Dysfunktion (Cranium = Schädel; Mandibula = Unterkiefer; Dysfunktion = Fehlfunktion).

Sandra Conrads-Kull bekam eine Aufbeißschiene für die Nacht, um die Zähne zu schonen. „Ich empfinde sie allerdings als unangenehm und nutze sie nicht konsequent. Zumal ich das Gefühl habe, dass mir Entspannungsübungen mehr helfen.“ Die 39-Jährige geht regelmäßig zur Physiotherapie. Therapeutin Johanna Wolken vermittelt ihr Übungen zur Entlastung der Kiefermuskulatur, die sie bei der Arbeit und zu Hause macht, denn sie weiß inzwischen, dass die Übungen neben dem Stressabbau sehr wichtig sind.

Unterkieferknochen umfassen

Johanna Wolken untersucht und behandelt CMD-Patienten zudem mit einem speziellen Handgriff: Die eine Hand umfasst von außen den Unterkieferknochen mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger. Der Daumen liegt auf der unteren Zahnreihe. Der Zeigefinger und Mittelfinger der anderen Hand liegen von außen auf dem Gelenkspalt vom Kiefergelenk. „Für die Patienten ist das zunächst sehr ungewohnt, weil ich in die Mundhöhle fasse. Aber sie merken, dass ihnen dieser Griff auch guttut.“ Zudem hat Johanna Wolken ihrer Patientin vermittelt, die Wangenmuskeln zu massieren, denn „seit einigen Monaten schläft mir immer mal eine Gesichtshälfte ein. Das ist sehr unangenehm. Massieren sowie das An- und Entspannen der Muskeln hilft mir, wieder Leben reinzukriegen,“ so Sandra Conrads-Kull.

Kiefer falsch belastet

CMD war auch Ursache unerträglicher Schmerzen im Ohr, die Maria Schneider (62) aus Holzminden plagten. Bis ein Zahnarzt erkannte, dass eine vor Jahren eingesetzte Brücke nicht richtig angepasst und so der Kiefer lange Zeit falsch belastet worden war. Erst als sie eine Schiene trug, die den Biss ausgleicht, gingen die Schmerzen zurück. Unterstützend erhält sie Physiotherapie in einer auf CMD spezialisierten Praxis.

Probleme mit Kaumuskulatur beeinflussen Kopf und Nacken

Der Kiefer ist das stärkste Gelenk im Körper, durch Nerven und Muskeln mit Nacken und Ohr verbunden. Passt der Biss nicht richtig, gibt es Probleme mit der Kaumuskulatur und Schmerzen, die in Kopf und Nacken ausstrahlen. Experten schätzen, dass in Deutschland rund acht Millionen Menschen unter CMD leiden. Da sich das Krankheitsbild hinter vielen Ursachen und Symptomen von Kopf bis Fuß versteckt, wird der Zusammenhang mit dem Kiefergelenk häufig übersehen - von Patient und Arzt.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 02/2016 ab Seite 60. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Zusätzliche Tipps zur selbstständigen Behandlung von Kaumuskulatur und Kiefergelenken finden Sie hier: CMD Anleitung zur Selbstbehandlung

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