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Garten

Kleine Paradiese erhalten

von , am
28.05.2013

Die Sonne strahlt, ein lauer Wind weht über das Land und trägt den unverwechselbaren Apfelblütenduft heran. Obstwiesen bieten ein Bild der Idylle von Dorf und Landleben. Doch wie lange noch?

Hellrosa Blütentraum: Doch die Sortenvielfalt geht bei Apfelbäumen leider verloren. © Reßmeyer

Die noch vorhandenen Obstwiesen am Dorfrand und in den Dörfern fallen in der Frühlingszeit besonders auf. Wir erliegen ihrem Charme und bewundern großkronige, überreich blühende Apfelbäume, schmale Birnen und mächtige Süßkirschbäume. Doch leider verschwinden sie zunehmend. Sie müssen Neubaugebieten weichen - oft mit ungeahnten Auswirkungen.

Früher dienten diese Flächen als Jungviehweiden und zur Obstgewinnung, heute fallen die Flächen häufig durch die geänderten Betriebsstrukturen brach. Mit dem Verlust dieses einzigartigen Ökosystems verlieren unsere Dörfer aber auch eine typische Tier- und Pflanzenwelt.

So finden in Obstgehölzen über 90 Insektenarten eine Heimat und Nahrung. Vögel wie Baumläufer, Meisen und Käuze haben hier ihre Jagd- und Brutplätze. Schmetterlinge stillen im Herbst an dem gärenden Obst ihren Hunger. Auch typische Pflanzenwelt reduziert sich sonst auf ein Minimum. Wo sind Wiesenschaumkraut, Löwenzahn, wilder Strochschnabel und Frauenmantel in unseren Dörfern noch in größerer Menge zu finden?

Ganz zu schweigen vom Verlust alter, oft regionaler Obstsorten wie Klarapfel, Celler Dickstiel, Jakob Lebel, Danziger Kantapfel, Griesbirne, Bergamotte oder Borsumer Hauszwetsche. Die meisten dieser Sorten zeichnen sich durch besondere Robustheit aus.
Der Rückgang der Sortenvielfalt zeigt sich auch in den umliegenden, oft kleinen Gärten mit geringem Obstanteil. Nur wenn Pollen bestimmter Apfelsorten aufeinandertreffen, ist aber eine Ernte möglich. Dieses gilt ebenso bei Süßkirschen, Birnen und Pflaumen, sie alle sind Fremdbestäuber und benötigen verschiedene Sorten, um zu tragen.

Doch nicht nur der ökologische Aspekt spricht für den Erhalt dieser Gehölze. Sie geben den Orten ihren unverwechselbaren Charakter. Mit ihrem Kronenschleier verbinden sie Wirtschafts- und Wohngebäude, Gärten, Hof- und Dorfräume. Durch ihre ausladenden Kronen bilden sie behütete, harmonische Bereiche und bieten Schutz vor Sonne und Wind. Diese Eigenschaften bieten alle hochstämmigen Obstgehölze. Durch den Kronenbeginn in 1,80 m bis 2,00 m Höhe kann man bequem darunter gehen und sitzen.

Hochstammformen haben eine lange Lebensdauer, so finden wir in alten Obstwiesen und der angegliederten Landschaft Exemplare, die mehrere Jahrzehnte "auf der Rinde" haben. Zum Erhalt dieses Lebensbereiches ist es notwendig, abgängige Bäume zu ersetzen und vorhandene zu pflegen und gesund zu erhalten.
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