Login
Reportage

Wenn koreanischer Ginseng in Niedersachsen aufwächst

Ginseng-Walsrode-Rodemeier
Christiane Hüneke-Thielemann
am
02.11.2018

Koreanischer Ginseng aus niedersächsischer Erde: Auf dem Helkenhof in Walsrode-Bockhorn bauen die Familien Wischmann und Rodemeier die Arzeneiwurzeln an.

Koreanischer Ginseng aus niedersächsischer Erde: Das gibt es auf dem Helkenhof in Walsrode-Bockhorn, Europas größter Plantage dieser Art. Ende Oktober werden die Arzneiwurzeln aus dem Boden geholt.

Vorsichtig zieht der Schlepper den umgebauten  Kartoffelroder über das Feld, denn es ist eine wertvolle Fracht, die da nach oben befördert wird: „Unser Ginseng wird sechs Jahre lang gehegt und gepflegt, bevor er geerntet werden kann“, sagt Henrike Rodemeier.

Ihr Vater Heinrich Wischmann hat auf dem traditionellen Hof vor rund 35 Jahren mit dem Anbau der „Menschenwurzel“ begonnen. Heute führen die beiden Töchter sein Werk weiter: Henrike (50) kümmert sich als ausgebildete Landwirtin auf dem Hof „um alles, was wächst“. Ihre Schwester Gesine Wischmann (54) ist als Geschäftsführerin der Florafarm GmbH für Verkauf und Marketing zuständig.

Ginseng aufsammeln per Hand

Zur Ernte Ende Oktober packt jedoch die komplette Familie – auch Henrike Rodemeiers drei Kinder - auf dem Feld mit an. Die weißen Wurzeln der Heilpflanze werden nach dem Roden behutsam und in purer Handarbeit in Körbe gesammelt. Dabei zeigt sich auch, woher der Beiname „Menschenwurzel“ rührt: Die Verzweigungen erinnern erstaunlich oft an eine menschliche Figur.

Wie kommt es, dass Panax ginseng, so der lateinische Name des echten Koreanischen Ginsengs, fernab der ostasiatischen Heimat am Rande der Lüneburger Heide wächst? „Unser Vater suchte in den 80er Jahren ein rentables Standbein für den landwirtschaftlichen Betrieb, und da ist er durch einen Artikel auf den Ginseng-Anbau gekommen“, erzählt Gesine Wischmann, die heute als Ginsengexpertin in Deutschland gilt.

Leicht war es allerdings nicht für den Landwirtschaftsmeister, die neue Pflanze nach Europa zu holen, denn die Ausfuhr der Samen war streng überwacht. „Bis in die 50er Jahre stand darauf sogar die Todesstrafe“, wissen seine Töchter.

Wischmann schaffte es jedoch irgendwie über einen koreanischen Kontakt in den USA, an einen kleinen Grundstock von Samen zu kommen und startete erste Anbauversuche. Ein Novum auf dem Hof, auf dem damals neben dem Ackerbau auch noch Schweinemast betrieben wurde.

Ein weiteres neues Standbein war da etwas weniger exotisch: Vor gut 40 Jahren Jahren stieg Familie Wischmann auch in den Heidelbeeranbau ein.

Mehr über die niedersächsische Ginsengplantage lesen Sie in der LAND & Forst 45/18

LAND&Forst

Top Themen:

  • Kommentar: Ein Jahr GroKo
  • Videokontrolle im Schlachthof?
  • Rübenmieten richtig abdecken
  • Mehr Roggen in den Schweinetrog
  • Wiederaufforstung gut geplant
  • Shooting eines Kuhstall-Models
Kostenfreies Probeheft
Alle Aboangebote
Auch interessant