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Hof- und Dorfleben

Kostbarer Baustoff aus der Tiefe

von , am
16.04.2013

Der Thüster Kalkstein ist ein in Deutschland einzigartiger Baustoff, der nur noch 40 Jahre abgebaut wird.
Seit über 100 Jahren macht das der Steinbruchbetrieb Stichweh & Söhne in Thüste.

Seniorchef Alfred Stichweh zeigt Steinbrocken, die im Winter bearbeitet werden. Der Abbau erfolgt nur an frostfreien Tagen. © Linck

Alfred Stichweh leitet das Unternehmen in der dritten Generation. In seine Fußstapfen tritt Sohn Markus, der bereits seit einigen Jahren in dem Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern arbeitet. 1900 gründete Steinmetz August Gödecke den Betrieb im Landkreis Hameln-Pyrmont.
 
Das Rohmaterial wurde damals nur in der Region verwendet. Schon kurze Zeit später wurden Maschinen angeschafft, mit denen klassische Bauteile für neue Gebäude, aber auch Steine für Grabmale und zur Restaurierung alter Bausubstanz hergestellt werden konnten. 1936 trat der Maschinenbauingenieuer und Steinmetz Alfred Stichweh als Mitinhaber in das Unternehmen ein. 1960 kamen die Söhne Alfred und Werner hinzu. Alfred Stichweh erinnert sich: "Es gab früher hier in der Umgebung sechs Betriebe, die den Thüster Kalkstein abbauten. Übrig geblieben sind einzig wir." Doch irgendwann wird das Material in so geringer Menge vorhanden sein, dass sich der Abbau nicht mehr lohnt.

Wertvoller Grundstoff

Der Thüster Kalkstein ist ein wertvolles Produkt. Kirchen sind damit gebaut worden, Herrenhäuser, Mauern und früher, in der Umgebung des Unternehmens, auch Bauernhöfe. Derzeit wird er in Braunschweig stark nachgefragt, wo viel alte Bausubstanz restauriert werden muss. 60 Euro kostet der Quadratmeterr des baufertigen Materials, für die Maurerarbeiten müssen nochmals 60 Euro gerechnet werden. Nicht gerade billig.

Aber diese Steine halten allen Witterungseinflüssen Stand, und das über mehrere 100 Jahre. Das offenporige Material wird auch für Treppen, Fensterbänke, Arbeitsplatten und Kunstobjekte verwendet, es ist jedoch nicht polierfähig. Beeindruckende Steinmetzarbeiten kann man auf dem Friedhof in Stöcken sehen. Auch der Landtag in Kiel, und der Erker des Marktamtes in Hannover sind repräsentative Objekte, die aus dem Material gebaut worden sind. Dazu gehören aber auch Brücken und Mauerverkleidungen wie sie bei den Stützwänden an den Autobahnen zu sehen sind.

Da das Material ohne Sprengung und nur in der frostfreien Zeit abgebaut wird, wird die Landschaft nur geringfügig und ohne jeglichen Schaden verändert. "Wir brauchen im Grunde keine Renaturierung zu machen. Denn wenn wir abgebaut haben, kommt der nicht zu nutzende Abraum wieder dorthin zurück", erklärt Alfred Stichweh. Schon zwei Jahre später haben sich Bäume und viele andere Pflanzen angesiedelt. Es ist zugleich ein neuer Lebensraum für viele Tierarten entstanden. Dennoch müssen strenge behördliche Auflagen eingehalten werden.

Gut zu bearbeiten

Heute wie früher greifen Steinmetzbetriebe gerne zu diesen Steinen, weil sie sich leicht bearbeiten lassen und von der Struktur für vielerlei Objekte geeignet sind. "Derzeit", so Alfred Stichweh, "laufen Verhandlungen in Hildesheim. Dort wird der Dom restauriert, natürlich bevorzugt mit Material aus dem Umland. Da sind wir gefragt." Der Thüster Kalkstein ist ein Werkstoff der Heimat und unverzichtbar in der Denkmalpflege. Er ist genauso haltbar wie der weithin bekannte Sandstein. Der schonende Abbau mit dem Bagger sowie die Handarbeit danach zeigen, dass dieses Material nur wenig in der industriellen Verarbeitung genutzt wird. Im ländlichen Bereich ist dieser Stein sehr gefragt und es werden immer noch sogenannte "Bruchsteinmauern" gebaut, heute vor allem in Neubaugebieten.
 
Immer wieder aber gibt es auch Anfragen von Landwirten, die ihre alten Hofmauern restaurieren und erhalten möchten. "Das freut uns, denn die alten Mauern sind auch ein Stück erhaltenswertes Kulturgut. So kann bei uns jeder Steine erwerben, auch im privaten Bereich", sagt Albert Stichweh.

Wer sich über diese Steine, die Verwendungsmöglichkeiten  und den Betrieb informieren möchte, kann im Internet die Seite www.thuesterkalkstein.de anklicken.
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