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Hof- und Dorfleben

"Landschulen unbedingt erhalten"

von , am
29.01.2013

Schule damals auf dem Land, das war die Dorf- oder Zwergschule. In manchen Orten gibt es sie noch heute. "Das muss unbedingt erhalten werden", meint Professor Rudolf W. Keck, Leiter des Schulmuseums bei Hildesheim.

Prof. Rudolf Keck (Bildmitte) zeigt den Besuchern im historischen Klassenzimmer, wie der Unterricht in der Kaiserzeit ablief. © Linck

Die Stiftung Schulmuseum der Universität Hildesheim wurde 2003 gegründet. Auf dem Domänengelände befindet sich eine mehrere tausend Bände umfassende Sammlung alter Schulbücher und die Bilddatenbank Pictura Paedagogica Online. Hier finden Studierende alles, was die Schule zur Kaiserzeit, aber auch bis zum Beginn der Gebiets- und Verwaltungsreform 1973 ausmachte. Längst aber sind es aber auch Schulklassen und viele Privatpersonen, die hier einen Besuch machen und im nostalgischen Klassenzimmer einen Eindruck davon bekommen, wie damals gelehrt und gelernt wurde.

Stickrahmen und Stock

Professor Rudolf Keck ist mit Freuden und fundiertem Wissen dabei. Er zwängt sich in die damals übliche Lehrerkleidung und hat als wichtigstes Utensil immer den Rohrstock dabei. Der Klassenraum ist genauso eingerichtet, wie es früher, besonders auf dem Land, üblich war. Für die evangelischen Schüler hängt das Bild von Martin Luther an der Wand, für die katholischen Schüler das Kreuz. Und für die Mädchen eine Besonderheit: Sie mussten das Alphabet in verschiedenen Schriften sticken, sauber und penibel mit Verzierungen am Rand. Das hier befindliche Exponat wurde 1848 gefertigt. Wer das damals nicht vorlegen konnte, lief Gefahr, auch nicht konfirmiert zu werden. "Diese Handarbeit war auch Beweis dafür, dass das Mädchen fleissig war und für die Aussteuer etwas sammelte. Es war die Bestätigung für die Heiratsfähigkeit", meint schmunzelnd der Professor.

Die Besucher nehmen Platz in der engen Schulbank - übrigens ein wertvolles Sammlerobjekt, weil die meisten Schulbänke ab 1970 ersetzt und geschreddert worden sind.  In der Broschüre "Warum und wie kommt Schule ins Museum" erfahren die Besucher alles, was damals mit dieser Bildungseinrichtung zu tun hatte: Welchen Stellenwert die Schule zur Kaiserzeit hatte und wie sich alles bis heute entwickelt hat. Prof. Rudolf Keck und Dr. Sabine Kirk beschreiben detailliert alles, was man über Landschulen wissen sollte. Neben dem Klassenraum und der Bibliothek gibt es eine Sammlung von technischen Gerätschaften, Schulchroniken und vielen historischen Exponaten, zu denen auch die alten Wandkarten gehören.

Mit Sonderausstellungen wird das Angebot ausgeweitet. Interessierte können hier eine Zeitreise machen. Schule war früher der Ort, in dem Wert auf Rituale, Disziplin, Gottesfurcht und Patriotismus gelegt wurden. 1962 gab es im Landkreis Hildesheim 187 Schulen, Anfang 1987 waren es noch 52. "Die pädagogische Atmosphäre", so Professor Keck, "ist in den Brunnen gefallen." Seit 1600 gab es die kirchliche Schulpflicht und damit die Dorfschulen, die staatliche Schulpflicht wurde 1810 eingeführt. Heute ist nach Aussagen des Professors das Kapitel "400 Jahre Schulerfahrung" weg. Deshalb sei es wichtig, die Bedeutung der damaligen Dorfschule zu vermitteln, die ja doch die wichtigste Bildungseinrichtung im seinerzeitigen Kulturangebot war.

Ehrenamtliche gesucht

Im Schulmuseum sind ständig etwa 30 Ehrenamtliche tätig, im Förderverein 60 Personen aktiv. "Dringend", so der Museumsleiter, "suchen wir pensionierte Lehrer, die Freude daran haben, hier mitzuwirken. Welchen Stellenwert das Schulmuseum hat, wird auch daran deutlich, dass neben den Studenten viele ausländische Besucher und Repräsentanten anderer Universitäten hierher kommen." Für seine Verdienste um die historische Bildungsforschung erhielt Rudolf Keck die Ehrendoktorwürde der Universität Nowgorod, der Patenstadt von Hildesheim.

Das Museum ist interessiert an Leihgaben von allem, was mit der Schule früher zu tun hatte. Ganz besonders aber werden Schulchroniken aus dem dörflich-ländlichen Bereich gesucht. Kontaktaufnahme zum Schulmuseum in der Domänenstraße in Hildesheim-Itzum ist unter der Rufnummer 05121 - 883430, oder per E-Mail unter ssm@uni-hildesheim.de möglich. Geöffnet ist das Museum Öffnungszeiten dienstags von 9 bis 12, mittwochs von 15 bis 18 Uhr und von Mai bis Oktober auch jeweils am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Gruppenführungen sind ebenfalls möglich, wie auch Sondertermine für Geburtstage, die man im historischen Klassenzimmer, abschließend dann beim Kaffeetrinken im Domänencafé feiern kann.
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