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Hof- und Dorfleben

Leben wie in früheren Jahrhunderten

von , am
29.07.2015

Die Mitglieder des Vereins "Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf e.V." (BHBeV) aus dem Landkreis Stade haben in den vergangenen 15 Jahren fünf alte Fachwerkhäuser ab- und wieder aufgebaut.

Mit viel Mühe zum Detail wurde der Bauerngarten vor dem Backhaus gestaltet. An Schautagen lodert die Flamme in der kleinen Dorfschmiede (links hinten). © Preugschat

Hier tuckert ein Lanzbulldog-Oldtimer über das Gelände, dort vor dem alten Schafstall scharen sich die Gäste um ein in die Jahre gekommenes mobiles Sägewerk. In der alten Schmiede lodern die Flammen in der Esse. Und im Hallenhaus, dem Haupthaus, duftet es nach Kaffee und Kuchen. Heute ist mächtig was los im Bauernhausmuseum bei Horneburg. An diesem Wochenende Ende Juni treffen sich Oldtimer-Traktoren-Freunde aus ganz Norddeutschland.

Verein gegründet
 
Mitten drin Rainer Kröger, Vorsitzender des BHBeV. Er hält die Fäden fest in der Hand und ist daher ständig gefragt. Der 73-jährige gebürtige Wilhelmshavener, der in Bliedersdorf in einem restaurierten, denkmalgeschützten Bauernhaus seinen eher unruhigen Lebensabend genießt, gründete mit 13 Freunden im Jahr 2000 den Verein. Ziel: Alte historische Häuser vor dem Verfall retten, die seit Jahrhunderten die einzigartige Kulturlandschaft des Kreises Stade prägen. Unterstützung kam von der Samtgemeinde Harsefeld, die ein 5.500 m² großes Grundstück, den Hochzeitswald, zur Verfügung stellte. Von der Kirchengemeinde Bliederstorf erwarb der Verein ein 3.500 m² großes Grundstück. "Mittlerweile konnten wir fünf Gebäude kaufen oder abbauen und wieder so aufbauen, wie sie mal ursprünglich ausgesehen haben", berichtet Kröger stolz. Im Fachjargon wird die Gebäudeversetzung als Translozieren bezeichnet.

Fleißige Handwerker

Der Vorsitzende kann sich glücklich schätzen, dass dem mittlerweile auf 223 Mitglieder angewachsenen Verein viele fleißige Handwerker angehören. Mit dem Architekten Jens Wilke, der zu den Museumsgründern zählt und auch Vorstandsmitglied ist, steht ein kompetenter Baufachmann zur Verfügung.

14 von den Aktiven sind mit der Niedersächsischen Ehrenamtskarte ausgezeichnet worden, haben also mehr als 250 Stunden pro Jahr gearbeitet. Unentgeltlich versteht sich. "Drei Leute kommen sogar auf 800 bis 1.000 Stunden", berichtet Kröger. Der ehemalige Vertriebsleiter, der in jungen Jahren als Seeoffizier über die Weltmeere schipperte, gehört auch dazu.

Hallenhaus 1635 erbaut

Mittelpunkt des Museums ist das im 30-jährigen Krieg (1635) erbaute, mit Reet gedeckte niederdeutsche Hallenhaus aus Hagen-Börsten, Landkreis Cuxhaven, das 1747 und 1779 erweitert wurde. Das Kleinbauernhaus (21 m lang und 9,10 m breit), das der Verein erwerben konnte, war über Jahre eingelagert.

Mit der Fachwerk-Restauration wurde 2010 begonnen. Der Aufbau des Prunkstückes, gefördert mit EU-Mitteln, Zuschüssen von Samtgemeinde und Gemeinde sowie private Spenden, erfolgte 2014. In dem Gebäude mit Diele, Flett und Kammerfach finden auch Veranstaltungen wie Konzerte und Gottesdienste statt.Etwa 125 Jahre alt ist die aus Rahmstorf im Landkreis Harburg stammende ehemalige Backstube, die 2009 als "Kleine Dorfschmiede" wieder aufgebaut wurde. Für das 5 m x 6 m große Gebäude sind zahlreiche Werkzeuge gesammelt worden, von denen Amboss, Esse und Blasebalg eine zentrale Bedeutung einnehmen. Auch das Backhaus aus dem Jahr 1860 aus Dollern im Landkreis Stade, das bei Museumsveranstaltungen Butterkuchen und Brot liefert, ist bis ins Detail wiederaufgebaut worden. Gleiches gilt für den Schafstall aus Helmste, Landkreis Stade, erbaut in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und die Scheune, die von 1760 bis 2009 in Freetz bei Sittensen im Landkreis Rotenburg, ihre Dienste versah. Mit viel Liebe zum Detail, hier speziell der geflochtene Zaun aus Weidenholz, wurde der Bauerngarten vor dem Backhaus gestaltet.

Kleines Kiekeberg

Den Verantwortlichen um den BHBeV-Vereinsvorsitzenden ist bewusst, dass das Museum mit den großen Traditionshäusern in Cloppenburg oder Hösseringen nicht mithalten kann. "Aber wir freuen uns, dass wir gelegentlich schon als das kleine Kiekeberg bezeichnet werden", lacht Kröger und entschwindet. Er muss wieder irgendwo einspringen.
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