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Familie

Lernen fürs Leben

von , am
22.10.2014

Für junge Menschen mit Behinderung ist das Erreichen eines Berufsabschlusses ohne fremde Hilfe oft unmöglich. Das Christophorus-Werk in Lingen hilft ihnen, den Sprung in den Beruf und in ein eigenständiges Leben zu schaffen.

Hat ihr Berufsziel fest im Blick: Jenny Mahlo will Landwirtin werden. © Landvolk Emsland

Bereits seit über 30 Jahren unterstützt das Christophorus-Werk Lingen junge Menschen mit Lernbehinderungen oder psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen auf ihrem Weg in den Beruf.

Im Berufsbildungswerk absolvieren derzeit 230 Jugendliche aus ganz Deutschland eine der 39 angebotenen Ausbildungen, beispielsweise die zum Werker in der Landwirtschaft. Ludger Kamphus ist Ausbilder im Bereich Landwirtschaft. Dazu hat der gelernte Landwirtschaftsmeister eine rehapädagogische Zusatzausbildung absolviert. Für ihn ist die Landwirtschaft ein ideales Betätigungsfeld für Menschen mit Beeinträchtigungen: "In diesem Beruf kann man eigenständig arbeiten. Außerdem sieht man am Ende des Tages, was man geschafft hat. Das macht die Jugendlichen stolz", berichtet Kamphus. Dennoch weiß er, wie wichtig eine intensive Betreuung ist: "Unsere Auszubildenden benötigen umfassende psychologische und sozialpädagogische Begleitung, um mit den Anforderungen des Berufslebens klar zu kommen. Viele sind in ihrem Leben bereits oft ungewollt gescheitert."

Stärken fördern

Die Ausbildung dauert genau wie die Vollausbildung drei Jahre und findet nicht nur im Berufsbildungswerk und in der Berufsschule, sondern auch auf einem Kooperationsbetrieb statt. Wie auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Klaus Bockmeyer. Für ihn ist es besonders wichtig, die Stärken seiner Azubis zu erkennen und zu fördern: "Wer gerne was mit Technik macht, der darf viel mit Maschinen arbeiten. Wer Tiere mag, wird vor allem im Stall eingesetzt. So kann jeder seine Interessen umsetzen."

Die aus Husum stammende Jenny Mahlo befindet sich im ersten Lehrjahr und weiß schon lange, dass sie in der Landwirtschaft eine Ausbildung machen will. "Ich arbeite gern mit Tieren und habe schon vorher auf einem Milchkuhbetrieb mitgeholfen", so die Sechzehnjährige. Auf dem Pferdepensionsbetrieb lernt sie nun neben dem Umgang mit Pferden auch das Reparieren und Pflegen von Maschinen.

Fit fürs Berufsleben

Bevor die Schützlinge von Klaus Bockmeyer richtig mitarbeiten dürfen, müssen sie oft erst einfache Dinge wie Pünktlichkeit erlernen. Für einen reibungslosen Betriebsablauf muss sich Bockmeyer auf die jungen Leute verlassen können. Zu lernen, jeden Tag um halb acht auf der Arbeit zu sein, sei für viele bereits die erste Herausforderung. Andererseits erkennen die Jugendlichen bald, dass sie auf dem Hof gebraucht werden und Verantwortung tragen. Zudem werden diese Tugenden im späteren Berufsleben erwartet, weiß der Betriebsleiter. Und das ist das Ziel der Ausbildung im Christophorus-Werk: "Wir wollen unsere Azubis fit fürs Berufsleben machen", betont Ludger Kamphus. Und das klappt: Immer mehr Betriebe nehmen die Berufseinsteiger auf. Insgesamt schaffen 60 bis 70 Prozent aller Auszubildenden den Sprung in ein festes Arbeitsverhältnis.

Kontakt: Vereinigung des Emsländischen Landvolkes e.V.; An der Feuerwache 12, 49716 Meppen, Tel. 05931-9332120, E-Mail: info@landvolk-emsland.de
Weitere Infos gibt es unter www.christophorus-werk.de  
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