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Familie

Lieschen zeigt wie es geht

von , am
14.05.2013

Lieschen Frohne vom Ferienhof Frohne in Merzen im Artland weiß, dass man Männern immer was beibringen kann. Deshalb bietet sie Putz-Kurse für Männer an.

Das bisschen Haushalt - Lieschen Frohne bietet auf ihrem Hof Putz, Hauswirtschafts- und Kochkurse an. Zielgruppe: vor allem Männer. © Bischof

Von außen betrachtet unterscheidet sich der Ferienhof Frohne in Merzen im Artland nicht von anderen Ferienhöfen: Heuhotel, Ferienwohnungen, Ponys, Ziegen, Kaninchen und die Landwirtschaft mit der Mutterkuhhaltung. Doch im Haus geschieht Seltenes. Dafür sorgt Lieschen Frohne, die Frau, die von sich sagt: "Ich glaube, ich bin in Deutschland die einzige, die Putz-Kurse für Männer anbietet."
 
Aufgerichtet, die Lesebrille locker ins Haar geschoben, fixiert sie mit selbstbewusstem Blick ihr Gegenüber. Man merkt ihr an: Im Umgang mit Medien ist sie geübt. Schließlich war sie schon bei Günter Jauch, Frank Elstner und Steffen Hallaschka.
Und man fragt noch einmal nach, wenn sie sagt: "40 mal war ich schon im Fernsehen."

Sie weiß, sie ist die richtige für diesen Job. Immerhin verfügt sie über eine einzigartige Stimme: gut hörbar, ein wenig an den Klang einer E-Gitarre erinnernd. "Ich habe ein ganz gutes Organ", betont sie, "damit kann ich mich in der Gruppe durchsetzten." Was sie noch auszeichne sei ihre lustig lockere Art. Und: "Man braucht eine Qualifikation." Über die sie als Hauswirtschaftsmeisterin selbstverständlich verfügt.

Woher der Erfolg kommt, weiß sie schon lange. "Das habe ich meiner Mutter zu verdanken." Sie ist in einer Kneipe groß geworden, mit acht Geschwistern. Im Haushalt, bei der Wäsche und im Garten habe sie geholfen, erzählt sie. Was sie da gelernt hat, setzt sie ein. Sie sieht sich sozusagen in einer reinlichen Mission. Ihr Motto lautet: "Männern kann man immer was beibringen."

Auf zum Putzdiplom

So geht es gleich an die Arbeit, wenn die Herren mit einem Gutschein in der Hand vor der Tür stehen. Meist ein Geschenk von ihren Ehefrauen zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zum Vatertag. Damit richtig Schwung in die Truppe kommt, schenkt Lieschen einen "Nolifroh" (Norbert und Lieschen Frohne) ein, den hofeigenen Kräuterschnaps.

So eingestimmt gehen die Teilnehmer aus ganz Deutschland - manchmal sind es sieben bis acht - in die Ferienwohnungen. Sie bekommen einen Staubsauger in die Hand gedrückt und ein Tuch, um die Gläser zu putzen. Auch vor der Toilette wird nicht Halt gemacht. "Sie ist die Visitenkarte des Hauses", sagt Lieschen. "Sich drücken gibt es bei mir nicht." Sie ist die ganze Zeit dabei und erklärt, wie man es richtig macht. Denn: "Es gibt Männer, die haben noch nie irgendetwas geputzt." Denen zeigt sie, wie man die Fensterscheiben säubert: "Immer den Druckbuchstaben "L" putzen, dann hat man nie eine Rundung." Wer bei Lieschen einen Kurs belegt hat, kann was. "Putzen ist zwar eine lockere Sache", sagt sie. "Aber es wird ernsthaft was gelernt." Am Schluss gibt es ein Putzdiplom.

"Man(n) kann‘ auch"

Mit den Kochkenntnissen hapert es auch bei dem einen oder anderen. Deshalb hat Lieschen Kochkurse mit im Programm: "Man(n) kann‘s auch!" Gebucht werden kann ein Tageskurs, mit einer Übernachtung oder für eine Woche. Die Männer können sicher sein, bei Lieschen lernen sie was: "Es gibt keine Rezepte", verrät sie. "Die Männer müssen zuhören. Deshalb sind sie auch alle so bei der Sache. Weil es ihnen zu dumm ist, dreimal nachzufragen."

Gerade wurde das Angebot ausgeweitet. Es gibt jetzt Hauswirtschaftskurse für Schulklassen ab erstem Schuljahr: "Die etwas andere Bildungsreise". Denn man kann nicht früh genug anfangen. Aber Lieschen hat auch ein Herz für Kinder. Sie hat Koch- und Backbücher geschrieben. Und ein Teil des Erlöses geht an die Deutsche Kinder-Krebs-Stiftung.
Es gibt noch viel zu tun. Gerade bei den Putzkursen für die Männer: "Weil es ja sonst niemanden gibt, der das macht."
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