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Hof- und Dorfleben

Ein Luchs streift durch den Bramwald

von , am
22.05.2013

Der Luchs, Europas größte Wildkatze, ist in der Region Südniedersachsen offenbar wieder heimisch. In der Vergangenheit streifte er immer wieder durch die Region und hinterließ seine Spuren in Matsch und Schnee.

Der Luchs ist eine Raubkatze. Für Wanderer und Anwohner besteht jedoch kein Grund zur Panik. © Mühlhausen/landpixel

Jagdpächter Peter Helm wurde verständigt, dass am Waldrand ein toter Rehbock liege. "Der Luchs war ganz nah, vielleicht zehn Meter von uns entfernt", sagt er. Am Hals des Luchses glaubte Helm ein Halsband ausmachen zu können - ein Hinweis auf die im Harz ausgewilderten Luchse, die mit speziellen Halsbandsendern ausgestattet wurden. Das Tier vor ihm war ein Luchs, das sei ihm sofort klar gewesen. Als Holzhändler sei er viel im Harz unterwegs, dort sehe er immer wieder mal einen Luchs.

Bereits im vergangenen Jahr habe er zudem Fährten eines Luchses in seinem Bührener Jagdrevier entdeckt. Da Helm in den vergangenen Jahren immer wieder einen Luchs gefährtet hatte, sei eine Sichtung des Tieres nur eine Frage der Zeit gewesen: "Der Bramwald mit seinen schwer zugänglichen, zur Weser abfallenden Hängen ist ein ideales Biotop für den Luchs."

Ein Problem mit seinem neuen "Mitjäger" hat er als Jagdpächter nicht, auch wenn dieser sich mal ein Reh oder einen Frischling hole. Anders beurteilt er die Situation aus Sicht der Jagdverpächter: "Dort, wo der Luchs im Harz lebt, gibt es kein Muffelwild mehr, auch die Rehe werden weniger." Jäger würden deshalb weniger Jagdpacht zahlen - auf das Geld seien die Verpächter aber angewiesen, weil damit beispielsweise Wege und Wassergräben instand gehalten werden.

Ole Anders ist Luchsexperte beim Nationalpark Harz. Dort ist der Luchs nach Auswilderungen seit 13 Jahren wieder heimisch und erobert nach und nach die angrenzenden Lebensräume zurück. Anders beurteilt die Meldung von Peter Helm als "sehr glaubwürdig", es gebe an der Echtheit keinen Zweifel. Nach seinen Angaben gebe es seit 2001 Hinweise, dass der Luchs die Autobahn 7, die zwischen Harz und Bramwald-Solling liegt, überquert habe.

Außerdem sei der besenderte Luchs "M2" vor ein paar Jahren aus dem Harz abgewandert. Er fand sich südöstlich von Kassel (Söhrewald/Helsa) ein und war dort mit einem Luchsweibchen unterwegs. Vielleicht sei er sogar der Vater der Luchsjungen, die bei Söhrewald gesehen wurden. Das sei aber nur eine Vermutung. Fest stehe aber, dass "M2" Nordhessen verlassen habe.

Weiterhin seien jüngst Fotos sowie Videos von einem Luchs auf der niedersächsischen Seite des Kaufunger Waldes gemacht worden. Ob dieser Luchs auch der ist, der jetzt im Bramwald lebt, bleibt offen. Luchse gehen weite Wege, das Streifgebiet sei viele Quadratkilometer groß. Insofern müsse man Bramwald und Solling als einen gemeinsamen Lebensraum sehen, erklärt Anders. An eindeutigen Belegen aus diesem Gebiet habe es bislang gefehlt.

Eine Gefahr für den Menschen gehe vom Luchs nicht aus, gleichwohl handele es sich um eine Raubkatze. Hundehalter sollten daher den Hund an die Leine nehmen. Ein Rehbock beispielsweise stelle für einen Luchs "einen großen Futterwert" dar - der Luchs werde also gegenüber einem Hund entsprechend reagieren, um seine Beute zu verteidigen.

Grundsätzlich rät Luchsexperte Anders zur Gelassenheit, auch wenn der Luchs eine große Raubkatze sei. "Vorm Luchs muss man keine Angst haben." Seit nunmehr 13 Jahren leben ausgewilderte Luchse im Harz, ohne Angriffe auf Menschen. Waldbesucher sollten sich einfach so verhalten wie immer.

Wohl aber reiße der Luchs auch mal ein Schaf. Rund fünf Fälle gebe es pro Jahr im Harz, jedoch bei einer deutlich höheren Luchsdichte. Ole Anders fordert die Schafhalter zu Gelassenheit und Ruhe auf sowie dazu, vermeintliche Schafrisse an ihn zu melden. Wenn tatsächlich ein Luchs dafür verantwortlich war, werde der Schaden zum Marktwert entschädigt

Auch weitere Luchsbeobachtungen sollten an Ole Anders gemeldet werden. Ole Anders, 0170 2061123, anders@nationalpark-harz.de.
 
Weitere Infos: www.luchsprojekt-harz.de.
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