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Wi snackt platt

Muttersprache? Plattdeutsch!

Christian Hüneke-Thielemann
am
22.12.2016

Dorit und Detlef Hüneke aus Wietzen im Landkreis Nienburg ziehen ihre Kinder Jonas, Felix und Niklas „zweisprachig“ groß – auf Hochdeutsch und „up Platt“.

Familie Hüneke aus Wietzen

„Mit Mama hochdeutschreden? Geht nicht. Selbst wenn wir’s wollten. Und das ist auch gut so“, sind sich Felix (14), Niklas (12) und Jonas (16) einig. Platt ist ihre Muttersprache – im wahrsten Wortsinn. Mit Mama schnacken alle drei Platt – drehen sie sich zu Papa um, wird nahtlos ins Hochdeutsche gewechselt.

Plattdeutsch gehört in unseren Familien dazu

Dorit (47) und Detlef Hüneke (44) haben ihre Kinder „zweisprachig“ erzogen. „Plattdeutsch gehört in unseren Familien einfach dazu – das sollte nicht aussterben“, erzählt die gelernte Rechtsanwaltsgehilfin – in reinstem Hochdeutsch. „Natürlich muss man hochdeutsch sprechen können. Wer nur mit Platt aufwächst, kriegt in der Schule Probleme, das habe ich in meiner Familie früher auch erlebt.“

Einer plattdeutsch, der andere hochdeutsch

Darum beschlossen die beiden am Tag nach der Geburt des Ältesten, dass Dorit Hüneke plattdeutsch und ihr Mann hochdeutsch übernehmen würden. „Ich war durch die Arbeit bei der Warengenossenschaft sowieso weniger zu Hause, deshalb war es so herum besser“, sagt Detlef Hüneke. Und das wird bis heute auf dem idyllisch gelegenen Nebenerwerbshof so gehalten.

Warum sprichst du so komisch?

Da müssen alle Besucher der Hünekes durch. „Weest noch Felix, as wi ton iersten Mol dien Geburtsdach mit annere Kinner fiert hebt? Dor stünn eene Deern vör mi und seggt ‚Warum sprichst du denn so komisch?‘“, erinnert sich Dorit Hüneke. „Aber die meisten Leute fanden es toll, dass schon dreijährige Zwerge Platt sprechen konnten.“

Per WhatsApp "geiht dat uk up platt"

Jonas, der eine Lehre zum Landmaschinenmechatroniker macht, kann mit seiner „Zweisprachigkeit“ sogar im Job punkten. Und wie sprechen die Geschwister untereinander? Hochdeutsch, das hat sich so ergeben. Die Flexibilität in der Kommunikation allerdings setzt sich beim zwölfjährigen Niklas auch digital fort: Eine WhatsApp-Nachricht an Mama – dat geiht uk up platt!

Diese Reportage ist Teil des Spezials "Wi snackt platt" in der Januar/Februar 2017-Ausgabe von ECHT.Niedersachsen (www.echt-niedersachsen.de). Hier unter landundforst.de bringen wir in den nächsten Wochen regelmäßig Beiträge aus diesem Spezial, in dem niedersächsische Plattdeutsch-Experten vorgestellt werden.

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