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Platt

Nele Sinning gibt Plattdeutsch für Anfänger

Nele Sinnig am Wasser tanzend
Maria Berentzen
am
09.01.2017

Neele Sinning aus Pogum im Landkreis Leer gibt Plattdeutsch-Kurse auf ihrem Youtube-Kanal. Ihre Platt-Videos werden zum Teil bis zu 100.000 Mal angeklickt.

Nele Sinnig am Wasser tanzend

Bevor sie ihre Plattdeutsch-Kurse als Video auf Youtube einstellte, war Neele Sinning (23) aus Pogum im Landkreis Leer eigentlich furchtbar schüchtern. Aber dann kam auch die Langeweile. So saß Neele Sinnig an einem Sommertag in ihrem Heimatort Pogum (mit etwas mehr als 200 Einwohnern) im Garten – und wusste nichts mit sich anzufangen.

Sie erinnert sich: „Ich habe gern Videos bei Youtube geschaut. Und da kam mir die Idee, doch einfach mal selbst eins zu machen. Ich quatschte einfach drauflos. Auf Hochdeutsch.“ Sie lud das Video hoch, erzählte aber niemandem davon.Durch einen Zufall stieß ihr Bruder auf ihren Video-Kanal. Er zeigte ihn seinen Freunden. Manche machten sich über Neele lustig. „Eigentlich wollte ich aufhören“, erinnert sie sich. „Aber dann habe ich gedacht, dass ich denen, die über mich lachen, damit nur einen Gefallen tue.“ Also machte sie weiter.

Durchbruch auf Platt

Der Durchbruch kam auf Plattdeutsch. „Meine Mutter hat mich auf die Idee gebracht, dass ich doch einmal ein Video auf Platt machen könnte“, sagt sie. Seitdem werden ihre Videokurse „Plattdeutsch für Anfänger“ bis zu 100 000-mal angeklickt.

Sie erklärt zum Beispiel so wunderbare Wörter wie Grööntüüg (Obst und Gemüse). Wer ihr zuschaut, lernt, dass Tuffels Kartoffeln sind und es sich bei Ziepels um Zwiebeln handelt. Ganz nebenbei bringt sie ihren Zuschauern auch nahe, wie man auf Plattdeutsch rumkökelt, also flirtet.

Für Leute ohne Ahnung von Plattdeutsch

Woher nimmt die Landwirtschafts-Helferin ihre Ideen? „Das war gar nicht so einfach“, sagt Neele Sinning. „Ich wusste anfangs nicht, wie ich das den Menschen beibringen sollte, die keine Ahnung von Plattdeutsch haben.“ Also suchte sie im Internet nach Material für den Englischunterricht. „Daran habe ich mich langgehangelt.“ Deshalb lernen wir zum Beispiel Uhrzeiten und Farben auf Platt kennen.

Den Kanal betreibt die 23-Jährige als „MissLawlHey“. Auf Englisch steht „lawl“ für „laughing a whole lot“ – „richtig viel zu lachen“. Auf Platt gehe das aber auch: „Lachen, anners wordt langwielig“.Dass sie sich einmal so intensiv mit Plattdeutsch beschäftigen würde, hätte Neele Sinning nicht gedacht. „Früher haben wir das zu Hause zwar gesprochen“, sagt sie, „aber dann ist das bei mir untergegangen.“

Erst als Jugendliche kam das Interesse zurück. Mit Plattdeutsch ließen sich viele Dinge einfacher erklären, und man könne auch Gefühle besser ausdrücken. Fluchen könne man auf Platt ebenfalls prima. „Ein ‚Düvelsatanblixem‘ tut einfach gut, wenn man sich richtig heftig gestoßen hat.“

Mehrere Platt-Varianten im Einsatz

Neele Sinning zeigt in ihren Videos auch die unterschiedlichen Platt-Varianten. Je nach Region unterscheiden sich die Wörter und werden anders ausgesprochen. Auch in ihrer Heimat, im Rheiderland. „Wir bauen in viele Wörter ein ‚iau‘ ein. So wie in Kiauk (Kuchen). Das Rheiderländer Platt klingt, als würde man auf eine Katze treten, die immer ‚iau‘ macht. Eben auf eine komische Katze.“

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