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Gesundheit & Ernährung

Notwendig oder überflüssig?

von , am
03.04.2013

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, mit Jodsalz angereicherte Lebensmittel zu essen. Das kritisiert die "Deutsche Selbsthilfegruppe der Jodallergiker, Morbus".

Jodsalz
Die Gefahren von Jodsalz und jodierten Lebensmitteln werden sehr kontrovers diskutiert. © fotolia

Die "Deutsche Selbsthilfegruppe der Jodallergiker, Morbus" hält den Rat, jodierte Produkte zu nutzen, für "eher riskant". Seit Beginn der Lebens- und Futtermitteljodierung sei u.a. die Autoimmunerkrankung Morbus Hashimoto auf über zwölf Prozent angestiegen. Einige Lebensmittelproduzenten würden Jodsalz in ihren Produkten wieder durch normales Kochsalz ersetzen. Grund: Häufige Zuschriften von Menschen, die auf ärztlichen Rat hin keine Jodzusätze zu sich nehmen dürfen. Das sei eine sinnvolle Maßnahme, um die weitere Ausbreitung jodinduzierter Erkrankungen zu verlangsamen.

Eine Einschätzung dazu gibt Prof. Dr. Andreas Hahn von der Leibniz Universität Hannover, Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung:

1. Das Anreichern von Lebensmitteln und Trinkwasser wird kontrovers diskutiert und stellt ein Politikum dar. Es finden sich wie bei Jod, Fluor, Folsäure Befürworter und Gegner. Das betrifft auch andere Bereiche wie Impfungen.

2. Grundsätzlich bestehen in Deutschland und anderen Industrieländern trotz umfangreichen Lebensmittelangebots Defizite an sogenannten kritischen Nährstoffen. In Deutschland trifft das vor allem Folsäure, Vitamin D und Jod.

3. Die gesundheitspolitische Frage ist die nach Strategien zur Verbesserung der Versorgungssituation. Es gibt mehrere Standpunkte:
a) Man belässt alles wie es ist - das bedingt aber eine verschlechterte  Gesundheitssituation und Folgekosten im Krankheitswesen. Das gilt gerade im Hinblick auf Schilddrüsenoperationen.
b) Man reichert bestimmte Lebensmittel grundsätzlich mit diesen Nährstoffen an. Diese Maßnahme kann aber für einen kleinen Anteil der Bevölkerung nachteilig sein, weil diese aus verschiedenen Gründen die Zufuhr beschränken sollte. In der ehemaligen DDR gab es eine Zwangsjodierung, die Schweiz hat eine Zwangsfluoridierung von Trinkwasser. Ergebnis: Insgesamt verbessert sich die Situation deutlich.
c) Man lässt die Anreicherung bestimmter Lebensmittel zu, die dann ggf. verwendet werden können. So ist es beim Jodsalz; früher verboten, später zulässig, aber deklarationspflichtig, heute auch so verwendbar.

4. Tatsächlich ist es so, dass für einen - gemessen an der Gesamtbevölkerung kleinen - Personenkreis eine hohe Jodaufnahme von Nachteil ist. Im Wesentlichen sind dies Patienten mit Morbus Basedow und anderen Formen der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion).
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