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Hof- und Dorfleben

"Ohne Scheren halte ich es nicht aus"

von , am
17.09.2013

Als proffessionelle Schafschererin in Neuseeland und Australien - Stefanie Kauschus aus Harsleben in Sachsen-Anhalt hat ihren Traum verwirklicht. Wie es dazu kam, lesen Sie hier.

Eine der wenigen Frauen unter den Schafscherern ist Stefanie Kauschuss. Sie schert bewusst mit Köpfchen. © Lüders
Seit 2006 lebt Stefanie Kauschus in Neuseeland und Australien. Zuvor arbeitete sie einige Jahre in der Steiermark (Österreich) auf einem Milchschafbetrieb mit ostfriesischen Milchschafen und einer Hofkäserei. In Wien hatte die studierte Landwirtin ein Aufbaustudium an der Universität für Bodenkultur (BOKU) absolviert.

Als sie vor sieben Jahren auswanderte, dachte Kauschus noch nicht an eine Schafschererkarriere. "Ich bin dorthin gefahren, um die Arbeit auf den großen Schaffarmen kennenzulernen, weil die Neuseeländer so ausgeklügelte Haltungsmethoden haben", erklärt sie ihre ursprüngliche Motivation. Seitdem kehrt sie einmal jährlich nach Deutschland zurück, um Familie und Freunde wiederzusehen.

Ferien zum Üben

Selbst ihre Sommerferien verbrachte Stefanie Kausschuss mit einer Schafschur: In Herzlake/Dohren (Emsland) befreite sie die 1.000 Merino- und Schwarzkopfschafe sowie Heidschnucken von Schäfer Anton Tietze von ihrer Wolle. Und Mitte August meisterte sie als beste Frau die Deutsche Schafscherer-Meisterschaft in Deining (bei Nürnberg) in der Oberpfalz mit Bravour und belegte den sechsten Platz in der Gesamtwertung.

"Dieses Jahr hatten wir ein internationales Feld mit Teilnehmern aus fünf verschiedenen Nationen. Der Wettbewerb wird immer größer und besser. Da musste ich gegen eine große männliche Konkurrenz antreten. Das bin ich aber von internationalen Meisterschaften schon gewöhnt", lacht Stefanie Kauschus. Sie sei eigentlich gar kein Wettbewerbstyp. "Es geht mir um die Verbesserung der eigenen Leistung. Das bringt Routine und härtet ab." Außerdem sind ihr die Kontakte zu deutschen Scherern wichtig. "Und ich freue mich auf den gemeinsamen Spaß", erklärt Kauschus ihre Vorliebe für die Mischung aus Kommunikation und Herausforderung.

Bei dem Scherwettbewerb ging es um Zeit, System und Qualität, die von mehreren Richtern bewertet wurden. "Wir Frauen müssen mehr Kopf einsetzen, um die fehlende Kraft auszugleichen und zum gleichen Ziel zu kommen", unterstreicht Kauschus. Sie hält sich mit Yoga, Streching, Schwimmen und Joggen fit. "Mein Körper will gefordert werden, sonst werde ich kribbelig", verrät sie.

Wenn in Neuseeland und Australien Mitte September die Winterzeit vorbei ist, kehrt sie in ihre neue Heimat zurück. "In Australien gibt es Merinoschafe. Sie sind wegen der vielen Hautfalten schwer zu scheren. Da schaffe ich im Schnitt 100 bis 200 Schafe pro Tag". In Neuseeland seien dagegen 250 Schafe am Tag das Minimum. Dort gebe es Farmen mit 5.000 bis 6.000 Tieren. Australische Farmen halten durchschnittlich 20.000 Schafe im Outback. "Das ist hier in Deutschland nicht vorstellbar. In diesen Ländern arbeiten wir unter ganz anderen Bedingungen. Wir bereisen die Farmen mit Handstück, Kämmen und Messer und können acht Stunden durcharbeiten", erzählt Stefanie Kauschus begeistert.

Eigener Hof als Ziel

Dort wird sie von Schafbauern und Kollegen akzeptiert und gelobt. In Deutschland bekomme sie für ihren Beruf neben Überraschung auch Skepsis und Kritik zu spüren. "Doch ich genieße dieses vogelfreie Leben und möchte immer mein eigener Chef sein. Ein eigener Hof wäre eines Tages auch eine gute Perspektive", blickt die Landwirtin positiv in die Zukunft.
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