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Leidenschaft

Oldtimer-Traktor: Mit roten Eisenpuschen ab ins Moor

Moorschlepper-Oldtimer-Oldtimertraktor
Werner Preugschat
am
16.11.2017

Christoph Gohde aus Langwedel (Kreis Verden) fährt einen Lanz-Bulldog. Um den Oldtimer als Moorschlepper nutzen zu können, braucht er seine roten Eisenpuschen.

Eigens für den Fototermin mit der LAND & Forst tauscht Christoph Gohde ein letztes Mal für dieses Jahr die Gummibereifung seines blauen Oldtimers Lanz D 3506 Allzweck gegen die breiten, roten Eisenpuschen aus. Kein leichtes Unterfangen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Ein Hinterreifen dürfte rund 200 kg auf die Waage bringen.

Der 31-Jährige aus Langwedel im Landkreis Verden ist stark an Landtechnik interessiert. Vor allem Trecker-Oldtimer haben es ihm angetan. Über einen Freund kam er 2004 zum Lanz-Bulldog-Club Oyten-Backsberg (LBCO), dem ältesten Club weltweit.Tagsüber arbeitet der Schlosser in Bremen in der Mercedes-Karosseriefertigung, abends widmet er sich gelegentlich dem 20-PS-Trecker. Von denen läuteten vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg viele die Technisierung auf niedersächsischen Höfen ein.

Oldtimer selten zur Reparatur

Gohde putzt, repariert oder baut Ersatzteile ein, die von spezialisierten Teilehändlern bezogen werden. „Reparaturen fallen selten an“, meint der Hobby-Treckerfahrer. Seine Zugmaschine befindet sich in einem Top-Zustand, bestätigen die TÜV-Prüfer. Sie haben kaum etwas zu mäkeln, sondern bewundern den Oldtimer eher.

Der blaue Schlepper mit 1-Zylinder-Motor schafft es höchstens auf 760 Umdrehungen pro Minute. „Dadurch entsteht dieser einmalige Sound, der den Lanz von allen anderen Oldies unterscheidet. Das ist Musik für meine Ohren“, schwärmt der junge Mann von der Weser.Der Lanz D 3506 Allzweck hat viele Jahre im Teufelsmoor seine Zugkraft unter Beweis gestellt. Nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Gartenbau. Da der Original-KfZ-Brief nicht mehr vorhanden ist, liegt sein Werdegang im Dunkeln.

Oldtimer-Trecker mit 2-Takt-Glühkopfmotor

In den 1980er Jahren kam er in den LBCO. 2007 hat Gohde den für seine Robustheit bekannten Ackerschlepper von einem Vereinskameraden übernommen. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen. „Man sollte auch nicht so viel über Geld reden. Sonst verkommen die Oldies zu Spekulationsobjekten. Für wahre Sammler, die die alte Landtechnik der Öffentlichkeit zeigen und somit Heimatgeschichte bewahren, wird es dann immer schwerer, sie zu erwerben“, sagt der Oldie-Fan.

Der Trecker mit dem 2-Takt-Glühkopfmotor muss immer mit einer Heizlampe vorgeglüht werden. Vergleichbare Bulldogs aus den 1950er Jahren lassen sich mit Benzin starten und werden, nachdem sie warmgelaufen sind, auf Diesel umgestellt.

Im Zylinderkopf dieser Schlepper befindet sich zusätzlich zur Einspritzdüse eine Zündkerze. „Das war in meinem Bulldog auch so, doch sind Zündspule und Zündkerze zurückgebaut worden. Daher das Prozedere mit der Lampe“, erklärt Gohde. Bei Veranstaltungen des Lanz-Bulldog-Clubs gilt der Heizlampen-Start als besonderes Highlight. Angesichts der entstehenden Stichflammen zücken viele Besucher ihre Kameras.

Oldtimer-Traktor mit breiten Eisenrädern

Selbiges passiert auch, wenn das 2.400 kg schwere Vehikel zum Moorschlepper umgerüstet wird. Dann ist auch Kraft vonnöten, denn es muss die schmale Gummibereifung (hinten 9.5 R36, vorn 5.50 16) gegen breite Eisenräder getauscht werden. Das Aufstecken der Reifen bei aufgebocktem Schlepper ist Millimeter-Arbeit, denn das Schraubengewinde soll möglichst nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wieviel genau die Eisenreifen wiegen, die einem anderen Club-Mitglied gehören, weiß Gohde nicht. Bei 125 cm Durchmesser und 80 cm Breite dürfte ein Hinterreifen aber rund 200 kg auf die Waage bringen. Der Trecker erreicht dann seine Höchstbreite von 2,50 Metern. Straßenfahrten sind nun nicht mehr möglich.

Mit der Moorbereifung fuhren die Bauern früher zum Transport des Brennmaterials sogar auf ihre Torfparzellen. Hauptsächlich zogen die Trecker jedoch auf den feuchten Weiden im Frühjahr die Wiesenwalzen. Auch bei der Urbarmachung der Moorflächen wurden sie eingesetzt.

Mehr über die große Oldtimerliebe lesen Sie in der LAND & Forst 46/17. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

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