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Familie

Oma, erzähl doch mal!

von , am
13.05.2014

Wenn Oma und Opa von früher erzählen, lernen Kinder ihre eigenen Wurzeln kennen. Doch es ist nicht nur das. Warum es so wichtig ist, auch mal die Gedanken an die eigene Vergangenheit zu teilen, erklärt Karin Vorländer.

Auf dem Buchmarkt gibt es eine Reihe von "Erzähl mal"-Büchern zum Ausfüllen, die an Großeltern verschenkt werden können. © Vorländer

Mit der Frage "Wie bist du eigentlich früher ins Internet gekommen als es noch keinen Computer gab?" sorgte Lena (8) beim 70. Geburtstag ihrer Oma kürzlich für ausgesprochene Heiterkeit. Aufwachsen ohne Computer, Internet oder Telefon - das ist für viele Kinder und Jugendliche heute kaum denkbar.

Wenn Großeltern aus ihrem Leben erzählen, erfahren Kinder und Jugendliche nicht nur, wie was „damals“ funktioniert hat, welche (politische) Entwicklungen das Leben tiefgreifend verändert haben, wie sich Einstellungen und Moral gewandelt haben. Auch etwas über Familienmitglieder aus früheren Generationen und deren Leben zu erfahren, kann ihnen das Gefühl vermitteln, Glied einer langen Kette zu sein. Und die Enkel erkennen: Es gibt mehr als eine Art zu leben, glücklich zu sein oder mit Schwierigkeiten oder Problemen umzugehen. Das macht Mut, die Herausforderungen, die das eigene Leben mit sich bringt, anzunehmen. Oft haben Großeltern jedoch das Gefühl, dass sich die Enkel nicht recht für das interessieren, was sie von früher erzählen. Weil sie glauben, nur das Außergewöhnliche oder besondere Leistungen seien erzählenswert. Dabei bietet gerade der ganz normale Alltag jede Menge spannenden Stoff.  

Mit Humor und Toleranz

Großeltern, die signalisieren, dass sie sich Zeit nehmen zum Erzählen, werden staunen, wie aufmerksam und fasziniert selbst ältere Enkel zuhören. Wichtig ist, ohne moralischen, belehrenden Unterton zu erzählen und mit Humor und Toleranz für das, was im Leben der Enkel heute normal ist. Und wer weiß, vielleicht bietet solches Erzählen auch die Möglichkeit, die Enkel nach deren Alltag zu fragen und danach, wie sie mit diesem Alltag zurecht kommen.
Es ist eine Frage der Vertrautheit, ob und in welcher Form Großeltern und Eltern auch über schweren Zeiten, Fehler und Krisen sprechen. Oft lernen Kinder und Enkel jedoch mehr aus Fehlern, Unvollkommenheiten und Umwegen der Eltern und Großeltern als aus deren Erfolgen und vermeintlichen Großtaten.
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