Login
Hof- und Dorfleben

Die Orgel weiter in der Kirche lassen

von , am
11.12.2013

Orgel und Kirche, das sind untrennbare Begriffe. Irgendwann kommt jedoch auch eine Orgel "in die Jahre" und es fallen Restaurierungsarbeiten an. Georg Schloetmann aus Hiddestorf bei Hemmingen weiß wie es geht.

Die Orgelpfeifen werden Georg Schloetmann roh geliefert. Er stimmt sie dann in der Werkstatt. © Linck
Schloetmann betreut rund 250 Orgeln. Bei ihm sind vier Mitarbeiter in der Werkstatt beschäftigt. Hier wird auch ausgebildet: Wer Orgelbauer werden will, sollte einen Realschulabschluss, Interesse an Orgelmusik und handwerkliches Geschick mitbringen.

Orgelbau seit 175 Jahren

Seit 175 Jahren gibt es den Emil Hammer Orgelbau, in dessen Nachfolge seit 2011 das Ehepaar Georg und Malgorzata Schloetmann steht. Im Jahr 1838 gründete Phillipp Furtwängler die Orgelwerkstatt als Vorgänger des heutigen Familienbetriebes. Die Unternehmensgeschichte ist bewegt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die zuvor mechanischen Instrumente durch pneumatische Kegelladen ersetzt, ein gravierender Abschnitt im Orgelbau. Das damals imposanteste Werk der Firma wurde in der Stadthalle Hannover gebaut. Damit zählte E. Hammer zu den großen deutschen Werkstätten des spätromantischen Orgelbaues.

Heute kommt es dem Ehepaar Schloetmann darauf an, die Orgelwerke so zu erhalten, wie sie geschaffen wurden. "Würde Johann Sebastian Bach sich jetzt an eine Orgel aus unserer Zeit setzen, könnte er problemlos in althergebrachter Weise das Instrument spielen", sagt Georg Schloetmann dazu. Nach 1945 setzten sich traditionsbewusste Orgelbauer und Freunde dieser Instrumente für die konsequente Rückwendung zur Wiedergewinnung des barocken Orgelklanges ein. Dazu gehören die Sanierung, aber auch der Bau neuer Instrumente mit alten Pfeifen der Vorgängerorgeln und die klangliche Umstimmung vorhandener Instrumente.

Georg Schloetmann liegt viel daran, die historischen Gehäuse der Instrumente zu erhalten Auch das alte Innenleben wird bewahrt oder zeitgemäss mit bewährten Werkstoffen erneuert. Furtwängler und Hammer-Orgeln sind weltweit bekannt. Hier im niedersächsischen Raum haben sie besondere Bedeutung und werden von Kirchenbehörden, wie auch von Privatbesitzern dauerhaft bewahrt. Das ist mühevoll und zeitintensiv. Daher betragen die Kosten für eine Instrumentensanierung nicht selten mehr als 200.000 Euro. Der Arbeitslohn beträgt davon rund 80 Prozent, der Rest sind Materialkosten. Die Kirchen schließen Wartungsverträge mit dem Orgelbaumeister ab. Im Werksverzeichnis Furtwängler/Hammer-Orgeln sind mehr als 2.000 Instrumente aufgelistet. Sie alle sind ausnahmslos ein Stück wertvolles Kulturgut unseres Landes.

Dauerhaft erhalten

Es interessiert viele Bürger, aus welcher Epoche die Orgel in ihrem Ort stammt, wie sie dauerhaft erhalten bleiben kann und was dafür zu tun ist. Daher bietet Georg Schloetmann mit seinen Mitarbeitern entsprechende Führungen an. Dabei taucht er tief in die Geschichte ein und erklärt den Wandel im Orgelbau seit dem späten Mittelalter. Eine Lehrstunde über den Instrumentenbau, so wie er zu früherer Zeit gemacht wurde und heute wieder praktiziert wird.

In der Orgelbauwerkstatt in der Hauptstraße 71 in Hiddestorf sind Besucher nach Voranmeldung willkommen. Eine Anmeldung ist telefonisch unter der Rufnummer 05101- 2774 oder per E-Mail unter orgelbau@emil-hammer.de möglich. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.emil-hammer.de. In der Werkstatt erleben Besucher ein Stück grundsoliden Instrumentenbaues, Und sie erfahren, wie wichtig es doch gerade in unserer hektischen Zeit sein kann, genau die Kirchenmusik weiter zu hören, wie sie schon seit vielen Jahrzehnten und in vielen Gottesdiensten gespielt wird. Nicht nur die Kirche, sondern auch die Orgel darin muss im Dorf bleiben, fordern Orgelfreunde, die sich dafür auch auf Vereinsebene engagieren.
Auch interessant