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Traditionen

Osterbräuche in Niedersachsen: Rollendes Feuer und fliegende Eier

Osterraeder-Luegde-Osterbrauch
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Hilke Lehmann, LAND & Forst
am
27.03.2018

Ob mit einem der vielen Osterfeuer, beim Lauf von Osterrädern oder beim Eiertrüllen: Rund ums Osterfest gibt es in Niedersachsen jede Menge uralter Bräuche.

Die Tradition, Osterfeuer anzuzünden, stammt in Norddeutschland ursprünglich aus der vorchristlichen Zeit. Aus kirchlicher Sicht symbolisiert das Feuer die Freude über die Auferstehung Jesu. Der Brauch diente auch dazu, den Winter zu „verbrennen“ und die Saat vor bösen Geistern zu schützen.

Am häufigsten brennt das Feuer in der Nacht von Karsamstag auf Karsonntag, seltener am Ostersonntag oder -montag. Auch dieses Jahr gibt es sie an vielen Orten in Niedersachsen. Osterfeuer müssen heutzutage vorab genehmigt werden.

Brennende Wagenräder zu Ostern

Zu einer der größten Osterfeuerveranstaltungen Deutschlands lädt alljährlich das Dorf Lügde ein, das bei Bad Pyrmont drirekt an der Grenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen liegt: Hier rollen die Mitglieder des „Dechenvereins“ am Ostersonntag brennende Wagenräder mit 1,70 Meter Durchmesser, ausgestopft mit Stroh und Zweigen, auf den Osterberg.

Nach Einbruch der Dunkelheit werden die Räder angezündet und rollen dann vom Osterberg ins Tal des Flüsschens Emmer herunter. Bis zu 40.000 Zuschauer lockt dieses in Deutschland einmalige Spektakel an, das seine Wurzeln im heidnisch-germanischem Brauchtum hat: das Feuerrad als Sinnbild der Sonnenscheibe.

Eiertrüllen in Ostfriesland

In Ostfriesland lassen Kinder und Jugendliche am Ostersonntag ihre bunten Eier von Deichen, Hügeln, Wällen oder Dünen herunterrollen – ostfriesisch: „trüllen“. Gewinner ist derjenige, dessen Ei am längsten heil bleibt.

Schokoladeneier sind natürlich tabu! Doch irgendwann ist selbst das Ei mit der härtesten Schale kaputt. Die Eier werden entweder sofort ausgepellt und verspeist oder es gibt am Abend des Ostermontag einen „Trülleier“-Salat.

Hicken-Bicken-Sönndag

Hicken-Bicken Der Ostersonntag wird bei älteren Ostfriesen auch als „Hicken-Bicken-Sönndag“ bezeichnet. Beim „Hicken-Bicken“ – auf Hochdeutsch „Eierpicken“ – stoßen zwei „Kontrahenten“ ihre bunten Ostereier mit den Spitzen gegeneinander. Gewonnen hat der, dessen Ei unversehrt bleibt. In jedem Ei ist eine Luftblase, wo die Schale besonders brüchig ist. Wer die Stelle findet, ist natürlich klar im Vorteil.

Luftig wird es beim Eiersmieten in Ostfriesland. „Smieten“ ist das plattdeutsche Wort für werfen. Sieger ist, wer sein gefärbtes Ei am weitesten wirft, ohne dass die Schale bricht. Die kaputten Eier werden zumeist noch an Ort und Stelle ganz ausgepellt und aufgegessen.

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