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Interview

Plattdeutsch ist ein Teil unserer Identität

Uwe Janssen
am
16.12.2016

Entertainer und Plattsprecher Yared Dibaba sagt: Plattdeutsch ist Teil unserer Identität. Er ist 1979 aus Äthiopien nach Norddeutschland geflohen. Ein Interview.

Yared Dibaba am Strand

„Plattdeutsch ist auch ein Teil unserer Identität“, sagt Yared Dibaba, Entertainer und Plattsprecher im Interview mit dem Magazin ECHT.Niedersachsen. Der heute 46-jährige Dibaba ist 1979 mit seiner Familie aus Äthiopien nach Deutschland geflohen, ging in der Gemeinde Ganderkesee zur Schule. Er lernte nicht nur Deutsch, sondern auch Plattdeutsch sprechen.

Yared Dibaba studierte Musik und arbeitete später als Schauspieler, Sänger und schließlich als Moderator. Beim NDR hat er seine berufliche Heimat gefunden. Unter anderem bereiste er viele Länder auf der Suche nach Plattsprechern.

Wi snackt platt

Das folgende Interview ist Teil des Spezials "Wi snackt platt" in der Januar/Februar 2017-Ausgabe von ECHT.Niedersachsen (www.echt-niedersachsen.de). Hier unter landundforst.de bringen wir in den nächsten Wochen regelmäßig Beiträge aus diesem Spezial, in dem niedersächsische Plattdeutsch-Experten vorgestellt werden.

Herr Dibaba, „Platt ist cool!“ heißt eine niedersächsische Initiative. Klingt fast ein wenig trotzig. Gilt es, verlorenes Land zurückzuerobern? Muss man Plattdeutsch rekultivieren?

Man kann es nennen, wie man will. Wichtig ist, dass dieses wichtige Kulturgut uns im Norden erhalten bleibt. Diejenigen, die Platt schnacken, leben die Sprache sowieso, diejenigen, die einen passiven Wortschatz  haben, sollten ihn aktivieren und für diejenigen, die noch nicht in den Genuss von Plattdeutsch gekommen sind, wird es allerhöchste Zeit. Wichtig ist, dass die Sprache lebt und das geht nur, wenn sie im Alltag stattfindet. Denn Platt ist nicht nur eine Sprache, sondern ein Teil des Nordens, ein Teil der Menschen, das Identität stiftet. Auch für Menschen, die ihre Wurzeln nicht im Norden haben.

Was ist an Platt denn cool?

Alles - eine Sprache kann gar nicht uncool sein. Und je mehr man kann, desto cooler. Ich finde aber auch, seitdem ich mit der Sprache in Berührung gekommen bin, dass sie einfach einmalig klingt. Egal, aus welcher Region Plattdütsch kommt. Ausserdem kann man vielen op Platt sagen, was man auf Hochdeutsch nicht sagen kann. Weil im Plattdeutschen oft etwas Verbindendes mitschwingt.

Geschriebenes Platt spielt kaum eine Rolle. Wäre die Neubelebung einfacher, wenn Platt auch in der Whatsapp-Welt funktionieren würde?

Platt funktioniert in jeder Welt. Auch digital. Deswegen habe ich auch einen plattdeutschen Youtube Kanal für Anfänger auf Yared.TV - kurz und knackig und nicht zu kompliziert, so dass man die kleinen Portionen auch gut verdauen kann. Plattdeutsche Schnacks oder auch „Snacks“, also Häppchen für den kleinen Hunger zwischendurch.

Trotzdem: Ist Plattdeutsch sprechen für junge Leute Überwindungssache?

Es gibt einige junge Leute, die wissen nicht, was Platt ist, aber wenn sie einmal damit in Berührung gekommen, haben sie oft Lust auf mehr. Coole Wörter auf Platt finden viele junge Leute gut. Die Hip-Hopper von „De Fofftig Penns“ sind da großartige Voreiter, und ich versuche, mich da auch zu engagieren.

Ist Musik wie der Wettbewerb Plattsounds ein Weg, junge Leute zu erreichen?

Auf jeden Fall. Platt muss im Alltag stattfinden. In Clubs, in Restaurants, im Radio und im TV, in den Zeitungen. Nur so bekommt es eine Selbstverständlichkeit. In Bayern leben die Menschen ihre Tradition, ihre Folklore und ihren Dialekt. So dass das Bayerische mittlerweile im Ausland schon für das Deutsche steht. Plattdeutsch hat da eine Menge aufzuholen. Wir Norddeutschen müssen unsere Kultur viel mehr leben.

Sie setzen Ihre Popularität ein, um Plattdeutsch ins Rampenlicht zu rücken. Im Sinne von: „Wenn der das spricht, dann will ich das auch“ - funktioniert das so?

Ja, auf jeden Fall, viele Menschen in meinem Umfeld versuchen, immer mal wieder ein paar plattdeutsche Schnacks mit einzubauen. Kollegen haben schon angefangen, PlattdeutschKurse in der VHS zu nehmen. Also, es wirkt!

Sie sind ja schon viele Jahre in Sachen Plattdeutsch auf Werbetour. Können Sie eine positive Entwicklung erkennen? Oder zögert man nur den Untergang hinaus?

Ich bin kein Statistiker, aber ich glaube, im Norden gibt es eine große Akzeptanz und Plattdeutsch bekommt immer mehr Liebhaber.

Wo haben Sie den natürlichsten Umgang mit Plattdeutsch erlebt?

Dort, wo auch Platt im Alltag gesprochen wird. Meistens auf dem Land und auf den Inseln.

Und was war Ihre skurrilste Erfahrung?

Die skurrilste Erfahrung war ein plattdeutscher Schnack mit einem Ureinwohner Paraguays. Er hat früher bei den Mennoniten, die Plattdeutsch reden, auf dem Bauernhof gearbeitet. Das ist eine besondere Form des Plattdeutsch. Das hat mich schon sehr berührt. Zwei Menschen, die nicht in Norddeutschland geboren sind, sprechen Platt, weil das die einzige Sprache ist, die beide miteinander sprechen können.

Wie lautet Ihr plattdeutsches Lieblingswort?

Bregenklöterig, das bedeutet gehirnklapperig.

Mit dem Shantyprojekt unterwegs

Mit seinem Shantyprojekt „Yared und die Schlickrutscher“ gastiert er am 22. Februar 2017 in Hamburg, am 7. April in Flensburg, am 8. April in Aurich und am 20. April in Bremen. Mehr zu Dibaba auf seiner Facebookseite: facebook.com/OfficialYaredDibaba/info

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