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Familie

Und plötzlich Autorin

von , am
06.11.2013

Zu Besuch bei Schriftstellerin Alexandra Kuitkowski. Sie lebt in einem kleinen Dorf bei Buxtehude im Landkreis Stade. Schon als Kind hat sie immer gern geschrieben. Durch Zufall wurde daraus vor einigen Jahren ein richtiger Beruf.

Buchautorin Alexandra Kuitkowski ist gerne unterwegs - "selbstverständlich mit Laptop und jeder Menge Ideen im Gepäck." © Jülisch
Die meisten Menschen lieben das Watt in seiner ganzen Faszination. Doch es kann auch so manches Geheimnis in sich bergen. Die Erfahrung hat jedenfalls Alexandra Kuitkowski gemacht – zumindest in Gedanken. Verewigt hat sie diese in "Blaufeuer", einem Krimi, der mittlerweile sogar unter dem Titel "Der Tote im Watt" vom ZDF erfolgreich verfilmt worden ist.
 
"Die Idee dazu ist mir wirklich während eines Spaziergangs durch den Schlick gekommen", erinnert sich die junge Schriftstellerin, die schon mehrere Krimis und Jugendbücher verfasst und sie unter dem Namen Alexandra Kui veröffentlicht hat. "Das ist aber kein Künstlername, sondern war mein Kürzel bei der hiesigen Tageszeitung ", erklärt die einstige Journalistin.
 
Dass es nicht beim Schreiben der Lokalnachrichten geblieben ist, war Zufall. "Es gab mal ein sehr wichtiges Ereignis in meinem Leben, das mich dazu gebracht hat, noch stärker über mich und darüber, was ich unbedingt machen will, nachzudenken", deutet die 40-Jährige an. Sie verabschiedete sie sich von der sicheren Redakteursstelle und entschied sich dazu als freiberufliche Autorin zu arbeiten. Zunächst allerdings mit Unterstützung durch weitere journalistische Aufträge.
 
Ideen gab’s genug und geschrieben hatte sie schon immer. "Schon in der Grundschule habe ich mir Geschichten ausgedacht und sie sogar bebildert, das war dann aber doch nicht so mein Ding", sagt Alexandra Kuitkowski schmunzelnd und ist froh darüber, wieder den Weg zum Schreiben fiktiver und kreativer Erzählungen gefunden zu haben. Selbst bei einem Krimi ist es ihr sehr wichtig, sich in jede Person hineindenken zu können, auch in den Mörder. "Jeder Mensch hat seine Abgründe, oft kommen sie im familiären Bereich zum Tragen, werden aber nicht offensichtlich. Und manchmal werden dann eben auch Grenzen überschritten." Doch auch in einem selbst erschaffenen Krimi kann ein Mord jede Menge Mitleid hervorrufen: "Der junge Mann in ,Der Tote im Watt‘ war so sympathisch und bei allen beliebt, dass es mir richtig leid tat, ihn sterben zu lassen."
 
Bereits 1998 hat sie ein Jugendbuch in einem kleinen Verlag veröffentlicht, erst später folgten Krimis wie "Der Nebelfelsen" und "Wiedergänger" – mittlerweile bei den größeren Verlagen. Neben handwerklichem Können und einem Pool von Ideen darf eine gewisse Portion Glück nicht fehlen. So kannte Alexandra Kuitkowski eine Autorin, die sie an eine kleine Literaturagentur vermittelte. Seitdem sind bis heute eine Agentin und in den Verlagen mehrere Lektoren an ihrer Seite – von der Idee bis zur finalen Umsetzung. "Außerdem kümmert sich die Agentur um das ganze Drumherum, beispielsweise Verhandlungen."
 
Sehr wichtig ist Alexandra Kuitkowski, die auch leidenschaftliche Musikerin ist und nach dem Abi unter anderem Soziologie und Biopsychologie studiert hat, dass es sich nicht um reine Selbstverwirklichung, sondern um einen ernstzunehmenden Beruf handelt. Und das kann richtig harte Arbeit sein. "Manchmal ist es wie ein Rausch, und manchmal ist das Schreiben nur anstrengend", berichtet sie. "Je näher allerdings der Abgabetermin rückt, umso schneller geht’s." Dann fließen die Worte auf die Tastatur ihres Macs, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag. "Und das am liebsten an einem Ort, der kuschelig warm ist." Das muss jedoch nicht immer der riesige Sessel vorm Kamin sein, gerne ist sie auch unterwegs – selbstverständlich mit Laptop und jeder Menge Ideen im Gepäck.
 
Nicht zu vergessen: die 100-Seiten-Phobie. "Dann habe ich so viele Fäden in der Hand, dass ich vorsichtig sein muss, um sie wieder zu einem Knäuel zusammenzubekommen."
 
In diesem Sommer hat die Autorin den Mädchenthriller „Falsche Nähe" (cbt) und im Frühjahr den Familienroman "Die Welt ist eine Scheibe" (Hoffmann und Campe) veröffentlicht – erstmals unter ihrem bürgerlichen Namen Alexandra Kuitkowski.
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