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Hof- und Dorfleben

Rimkus hat viele Eisen im Feuer

von , am
26.02.2014

Tonnenschwere Schmiedekunst für die sieben Erdteile: Das ist der "eiserne Plan" des Künstlers Andreas Rimkus. In sieben gigantischen Hammerköpfen wächst jeweils ein Baum. So entsteht nachhaltige Kunst.

Formt Feuer, Erde, Wasser und Luft zu Kunst: Andreas Rimkus aus Springe. © Brinkmann-Thies
Das Generationenkunstwerk steht unter der Schirmherrschaft der Unicef. In Europa, Afrika und Asien haben die bis zu 30 Tonnen schweren Hammerköpfe bereits einen festen Platz gefunden. Der vierte Hammer, bestimmt für Südamerika, liegt derzeit noch auf dem Grundstück des Ideenkünstlers aus Springe (Region Hannover) am Fuße des Deisters. "Es ist ein Kugelhammer und zugleich der größte geschmiedete Fußball der Welt", erklärt Rimkus.

Orientiert hat sich der Springer bei diesem Projekt an den Traditionen der brasilianischen Kupferschmiede. Seine Hoffnung, das monumentale Werk mit einem geschmiedeten Ball an einer Seite pünktlich zur Fußball-WM nach Brasilien zu bringen, lässt sich jedoch womöglich nicht verwirklichen. Zu schwierig scheint es derzeit, mit den Verantwortlichen zu kooperieren.

Als wahre Besuchermagneten erweisen sich indes die drei anderen Monumentalhammer: Im Skulpturen Garten des Kröller-Müller Museums in den Niederlanden steht der eine, ein zweiter findet sich auf dem Campus einer Universität in Peking und der dritte steht in einem kleinen Dorf im afrikanischen Togo. Viel sei durch den eisernen Plan in Bewegung gekommen, berichtet Rimkus.

Auch sein nächstes Projekt hat seinen Ursprung in Afrika. Die Idee wurde geboren nach einem Besuch von Schmieden aus Togo und Burkina Faso im letzten Sommer. "Traditionell fertigen die Schmiede in Burkina Faso auch kunstvolle Schnitzereien", erklärt Rimkus. Im Deister soll nun unter dem Motto "Zukunftsschmiede" noch in diesem Sommer ein Weg von Springe bis zum nördlich gelegenen Wennigsen ausgewiesen und mit drei afrikanischen Figuren, geschnitzt aus Eichenholz des Springer Stadtforstes, bestückt werden. In den kommenden sieben Jahren soll durch den Deister ein bundesweit einmaliger "Kontinentalweg" aus Holz- und Steinskulpturen entstehen. Dadurch sollen auch Touristen auf gelenkten Wegen für Kunst und für Ökologie sensibilisiert werden. Unter dem Namen Kreatop ist dies ein gemeinsames Projekt von Rimkus‘ KulturFeuerstiftung und dem Verein Die Kulturmacher aus Wennigsen.

Der studierte Metallbauer Andreas Rimkus hat aber noch mehr Eisen im Feuer. So ist er seit 2009 mit einem Mobilen Schmiedelabor unterwegs, um Kindern und Jugendlichen die Faszination seines Handwerks nahezubringen. Auch wenn im Spätsommer die afrikanischen Schmiede zu Gast sind, soll es ein gemeinsames pädagogisches Projekt mit der Stadt Ronnenberg geben. Zehn Kinder werden dann in die Kunst des Schmiedens hineinschnuppern, während sich zehn weitere Kinder im Schnitzen üben können.

Rund 10.000 Kinder hat Rimkus mit tatkräftiger Unterstützung von Azubis bereits in seinem Schmiedelabor betreut. "Für das Schmieden braucht man Fantasie", erklärt Rimkus und fügt hinzu: "Mit den vier Elementen Feuer, Erde, Wasser, Luft bist du in der Lage, alles zu erfinden". Wichtig seien Kreativität, Geschick und Geduld.

Familienfreundlich ist ein weiteres Projekt des Ideenkünstlers: das Apfelbaummuseum. Genau 100 Sorten sind vor zwei Jahren sternförmig gepflanzt worden. Die Paten, häufig Familien mit kleinen Kindern, pflegen ihren Baum unter Anleitung von Experten fachgerecht, um schließlich die Ernte einzubringen. Damit nichts die jungen Bäume umhauen kann, haben die Paten je einen Stammhalter für ihren Baum geschmiedet. Viele historische Sorten wie etwa "Minister Hammerstein" oder "Altländer Pfannkuchen" finden sich in diesem nachwachsenden Museum am Fuße des Deisters. Gefördert wird das Apfelbaummuseum vom NABU.

Einem breiten Publikum ist Andreas Rimkus zur EXPO 2000 bekannt geworden. Damals schmiedete er eine trojanische Kuh, angetrieben von einem Zwei-Takt-Motor und "ritt" sie bis in den Deutschen Pavillon. Heute wartet die Kuh aus Eisen in einem Schuppen geduldig auf ihren nächsten Auftritt. "Ich möchte gerne einen gläsernen Kuhstall bauen", sagte Rimkus. Wie und wo weiß er zwar noch nicht. Doch der kreative Springer schmiedet bereits an einem Plan.
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