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Hof- und Dorfleben

Schöne Kunst mit Gebrauchswert

von , am
23.04.2013

Eine alte Tradition lebt in Eldagsen bei Springe wieder auf. Jürgen Bettner betreibt in der Marktstraße 2 A die Deistertöpferei. Dort fertigt er nach eigenen Entwürfen Edelgeschirr an. Das Grundmaterial dazu bezieht er aus dem Westerwald.

Jürgen Bettner zeigt in seiner Werkstatt eines seiner Kunstwerke, mit einer ganz eigenen Formensprache. © Linck

Töpfer Jürgen Bettner hat vor 30 Jahren in Holland in diesem alten Handwerk angefangen. Mit zwei bis drei Formen stellte er dort in einer Manufaktur Edelgeschirr her. Das war ihm auf Dauer zu wenig, er wollte eigene Kreationen und Gedanken verwirklichen. Der gelernte Fliesenleger probierte sich an Rekonstruktionen und Restaurationen, um dann doch letztendlich wieder bei der Töpferei zu landen.

Seit vier Jahren probiert, mischt und fertigt er im Ofen mit niedrigen Temperaturen nun hier im Calenberger Land seine Arbeiten. Helle Tone werden verarbeitet. "Weiß-creme nennt sich das", erklärt der Künstler. Damit grenzt er sich von der früher hier im sogenannten "Pottland" hergestellten braun-gelben Tonware deutlich ab. Mit der Gebrauchstöpferware, wie sie früher in jedem Haushalt zu finden war, hat seine Produktion nichts zu tun. Bettner stellt Geschirrkollektionen auf hohem Niveau im zeitlosen Design her.

Langer Prozess

Bis zu zwei Wochen werden die rein handwerklich auf der Scheibe hergestellten Objekte an der Luft getrocknet, ehe sie dann den ersten Brand mit 900 Grad bekommen. "Das kristalline Wasser muss aus dem Ton, ehe die Glasur mit exakt 1.170 Grad gebrannt wird", gibt er das Geheimnis seiner besonderen Arbeitsweise preis. 13 Stunden dauert der zweite Brennvorgang.

Die Temperatur muss genau stimmen, denn schon bei 1.180 Grad beginnt das Material zu "Weichporzellan" zu werden. Das ist dann allerdings immer noch wesentlich härter als das üblich bekannte Töpfersteinzeug. Der Ton ist ein Gemisch und enthält 40 Prozent Feinschamott. Seine Produkte sind dadurch backofen- und spülmaschinenfest. "Ich habe", erklärt Jürgen Bettner, "bei meinen Versuchen unzählige Scherben produziert und viel lernen müssen. Ich will jedoch künstlerisch wertvolle Produkte herstellen, die sich ganz deutlich von der Industrieware abheben." Seine Kreationen werden auf speziellen Messen und in Bio-Läden präsentiert.

Im südniedersächsischen Raum sei er gut bekannt, in Fachkreisen ohnehin, bemerkt der Töpfer. Er legt großen Wert darauf, dass seine Kunstwerke auch im Alltag nutzbar sind. Ein Stück Spiritualität sei immer dabei, wenn Kunden kommen, Ware in die Hand nehmen und sich dann zum Kauf entscheiden oder den Betrieb wieder verlassen. "Bei mir kann man noch die Sinne für das Schöne schärfen", sag Jürgen Bettner. Das zeigt sich dem Besucher bei einigen Objekten, wie z.B. Krügen und Teekannen, die eine Verbindung zum japanischen Teezeremoniell erkennen lassen.

Manchmal kommen auch Kunden, die Sonderwünsche haben. Diese lassen sich jedoch nur bedingt umsetzen, denn sie sind meistens mit einem hohem arbeitstechnischen Aufwand und damit weit höheren Kosten als üblich verbunden. Generell finden sich jedoch die Gedankengänge, das handwerkliche Geschick und der hohe Zeitaufwand des Künstlers in nahezu jedem Produkt wieder.

Künstlerischer Anspruch

Das wissen Interessenten zu schätzen, die das Besondere suchen und sich an ein Stück Gebrauchskeramik mit künstlerischem Anspruch erfreuen können. "Wer zu mir kommt, erwartet etwas und ist schon bald mit mir auf einer Wellenlänge. Nur so findet man Freude an diesen Produkten und nimmt sie in der Gewissheit mit, ein individuell gefertigtes Einzelstück von hoher Wertigkeit und großer Qualität bekommen zu haben", sagt Bettner.
Sein Wissen möchte Jürgen Bettner gerne weitergeben. Er will künstlerische Töpferkurse anbieten. Zurzeit kann man ihn unverbindlich besuchen und sich in der kleinen Töpferei umschauen. Allerdings ist das nur per Voranmeldung unter Tel.: 0174-5244589 möglich. Im Rahmen des Honigkuchen- und Senffestes am 26. Mai wird er sich und seine Kunstwerke ebenfalls präsentieren.
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