Login
Hof- und Dorfleben

Tradition mit neuer individueller Note

von , am
03.12.2013

Spielzeug aus Holz hat eine lange Tradition. Und es ist besondere Kunst, es herzustellen. Die beherrscht das Familienunternehmen Steinbach aus Hohenhameln. Lassen Sie sich überraschen.

Steinbach aus Hohenhameln fertigt Figuren vom traditionellen Nussknacker bis zum modernen Indianer - sie sind nicht nur in den USA gefragte Sammlerobjekte. © Linck
 
 
 
 
 
 

Firmengründer Christian Steinbach kam nach Kriegsende nach Hohenhameln im Landkreis Peine. Seit 1832 hatte die Familie Steinbach in Marienberg/Erzgebirge Räuchermännchen und Holzspielzeug hergestellt. In Hohenhameln fertigte er die ersten Spielzeuge aus alten Wehrmachtsbettgestellen  und Papierbändern an. In einer Zeit, in der es so gut wie nichts gab, war man glücklich, so etwas auf den Gabentisch legen zu können. Nur wenige Exemplare sind davon erhalten geblieben. 1946 begann der Aufbau der Firma in Hohenhameln, heute arbeiten hier rund 100 Mitarbeiter. In Marienberg gibt es seit 1992 ein Zweigwerk mit weiteren 50 Mitarbeitern und Auszubildenden. In dem bekannten Touristenort Seiffen, unweit der Produktionsstätte, befindet sich auch die einzige Holzspielzeugmacher-Schule in Deutschland.

180 Arbeitsschritte


Heute wird die Firma Steinbach wird von den Diplomingenieurinnen Karla und Tochter Karolin sowie Sohn Christian geführt. Steinbach ist bei Liebhabern der Nussknacker Kult. 180 Arbeitsschritte sind nötig, um eine Figur herzustellen. Zumeist wird Buchenholz verwendet. Geschlagen in der Rhön und in heimischen Berggebieten, wo der Baum wenig Bodenfeuchtigkeit bekommt. "Ich selbst fahre in den Wald und suche mit dem Förster die Bäume aus, die ich haben möchte. Wir verwenden vom dicken Brett bis zur Baumrinde fast alles", sagt Karla Steinbach. Die Bohlen lagern lange, pro Zentimeter Stärke ein Jahr, im allseitig luftdurchströmten Depot. So ergibt sich eine Lagerzeit von oft mehr zehn Jahren. Das hilft der Langlebigkeit des Materials auf die Sprünge.

Bei Steinbach wird alles per Hand gedrechselt, gebohrt, verleimt, bemalt und auf einen harten Einsatz, aber auch eine ganz individuelle Note, abgestimmt. Sechs Wochen dauert es, bis ein Teil fertig ist. Alles wird detailgetreu hergestellt, langsam verarbeitet und nach jedem Arbeitsgang wenn nötig über viele Stunden luftgetrocknet. Das hat seinen Preis. Die Figuren sind aber weder im Aussehen noch der Funktion mit den in Asien hergestellten Nussknackern oder Räuchermännchen vergleichbar. Jedes Teil ist ein Unikat, sein Wert sichtbar mit dem Firmen-Logo eingebrannt. Das wissen die Sammler zu schätzen, die heute Hauptkunden bei Steinbach sind. In Deutschland ist nahezu jeder dritte Nussknackerkäufer ein Sammler. Hauptsächlich kommen sie aus den USA, wo alte Figuren bei Auktionen Preise zwischen 3.000 und 10.000 Dollar erzielen. Es gibt sogar einen Fan-Club mit über 1.500 Mitgliedern.

In Hohenhameln werden heute nach alten Vorgaben, aber auch neuen Wünschen, rund 350 verschiedene Figuren aller Größen hergestellt. Die Modellpalette ist weit gestreckt, so gibt es Handwerker, Förster, Könige, Ritter, aber auch moderne Figuren wie Darth Vader, Micky Maus, den Indianerhäuptling "Sitting Bull" und sogar den Papst. Die Fantasie hat auch die Produktion beeinflusst. "Offiziere und gekrönte Häupter werden aber immer wieder gerne gekauft", sagt Karla Steinbach. Sammlerobjekte sind auch die Serien, etwa die mit Motiven aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, die aus Filmszenen und die aus dem Reich der Zauberer.

190 Jahre Erfahrung

Seit 190 Jahren produzieren die Steinbachs Nussknacker und Holzspielzeug, neuerdings auch Schmuckstücke für den Weihnachtsbaum oder ein Adventsgesteck. Die Werte der Figuren steigen von Jahr zu Jahr. In Neuhausen/Erzgebirge gibt es sogar ein Museum in dem rund 5.500 Exemplare ausgestellt sind. Im Werk in Hohenhameln können Sammler auch ihre Stücke signieren lassen und damit deren Wert noch einmal steigern.

Besucher sind in dem Schauraum willkommen. Montags bis freitags von 8 bis 15 Uhr können Interessierte hier sehen, anfassen und staunen. Es gibt hier auch den Verkauf ab Werk. Wer den Weg hierhin machen möchte, sollte sich unter der E-Mail christian@steinbach.com anmelden. Vor Ort kann man dann in das Reich der fantasievollen Holzmodelle eintreten und sich daran erfreuen, wie in Niedersachsen ein Stück weit alte Tradition aus dem Erzgebirge am Leben erhalten wird. 
Auch interessant