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Familie

Nicht um jeden Preis!

von , am
02.07.2013

Wer "Hunde aus dem Ausland" googelt wird schnell fündig. Bei knapp 570.000 Treffern sollte sich doch der eine, der richtige vierbeinige Hausgenosse finden lassen. Doch Vorsicht ist geboten, denn einige Hunde sind krank.

Streunende Hunde, die sich unkontrolliert vermehren, gehören zum Straßenbild in vielen Ländern. Das weckt in vielen Tierfreunden den Wunsch, ihnen zu helfen. © Sergey Matveev/Bundesverband für Tiergesundheit

Zunehmend finden herrenlose Hunde aus den südlichen und südosteuropäischen Ländern in Deutschland ein neues Zuhause. Das Internet macht es möglich.

Auch Krankheiten mit im Gepäck

Die meisten Angebote stammen aus dem Mittelmeerraum, wo streunende Hunde ein großes Problem darstellen. Nicht selten stehen die Länder dem machtlos gegenüber oder sie greifen zu drastischen Maßnahmen, die unter hiesigen Tierschutzaspekten nicht zu rechtfertigen sind. Doch Vorsicht ist geboten, denn importierte Tiere führen häufig gefährliche Krankheiten mit im Gepäck, am häufigsten Leishmaniose.

Man geht davon aus, dass in den betroffenen europäischen Regionen von insgesamt 15 Millionen Hunden etwa 2,5 Millionen mit diesem Erreger infiziert sind. Mit jedem Importhund steigt also die Gefahr einer Verbreitung in Deutschland.

Tierhalter sind mit dieser Infektion oft überfordert

Schon jetzt leben hier schätzungsweise 20.000 Hunde, die sich mit der Leishmaniose angesteckt haben. Erkrankte Hunde leiden unter Müdigkeit, Haarausfall oder Hautausschlägen. Dabei magern sie stark ab. Später sind auch innere Organe betroffen.

Nicht immer sieht man den Hunden aber an, dass sie sich mit dem Erreger infiziert haben. Die Zeit von der Ansteckung bis zu ersten Symptomen kann bis zu sieben Jahren dauern. Ein Importhund ist somit auch ein potenzielles Gesundheitsrisiko.

Die Krankheit ist nicht heilbar und muss ein Leben lang sehr aufwändig behandelt werden. Ohne Medikamente sterben die Hunde nach Ausbruch der Krankheit meist innerhalb kurzer Zeit.
Die Tragik, die dahinter steht: Die Tierhalter sind mit der Situation oftmals überfordert und so endet die ehrenhafte Rettungsaktion für einen herrenlosen Streuner nicht selten in einem deutschen Tierheim. Für den Hund bedeutet das "lebenslänglich", denn diese Tiere sind kaum noch vermittelbar.

Hunde nur von seriösen Vermittlern

Die Hilfsbereitschaft der Hundefreunde in Deutschland ist groß. Das ruft auch die üblichen "schwarzen Schafe" auf den Plan, die mit der Vermittlung von Hunden die schnelle Mark verdienen wollen.

Es gilt, diesen Geschäftemachern, die unter dem Deckmantel des Tierschutzes agieren, nicht auf den Leim zu gehen, sondern nur mit seriös arbeitenden Organisationen eine Hundevermittlung abzuschließen.

Diese übergeben in der Regel auch nur auf Leishmaniose oder andere "Mittelmeer-Krankheiten" getestete Tiere. Hierfür stehen grundsätzlich folgende Untersuchungen zur Verfügung:
  • Bluttest auf Antikörper gegen den Leishmaniose-Erreger (frühestens sechs bis acht Wochen nach Reise/Import),
  • Untersuchung von Gewebeproben unter dem Mikroskop zum Nachweis des Erregers in den Zellen,
  • molekularbiologische Untersuchung (PCR) von Gewebeproben (z. B. Knochenmark) zum "genetischen" Nachweis des Erregers.
Der Zusatz "geimpft und entwurmt" allein reicht nicht aus. Zwar gibt es eine Impfung gegen die Leishmaniose, die jedoch nicht zum „normalen“ Impfpaket, in dem beispielsweise die Tollwutimpfung enthalten ist, dazu gehört.
Auch wenn diese Tests sehr sicher sind, kann es doch passieren, dass eine Infektion übersehen wird.
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