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Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude

Umbau: Früher Schweine, heute Bücher

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Wiebke Weishaupt, LAND & Forst
am
08.11.2016

Fernab von Laufkundschaft und in Zeiten des Internets hat Kathrin Wellmann aus Westerholt (Lkr. Oldenburg) eine Buchhandlung eröffnet - und kommt damit gut an.

Lesung im Garten von Kathrin Wellmann

Ein wenig frisch ist es schon an dem Abend, aber es herrscht eine wunderbare Stimmung im liebevoll dekorierten Garten. Kathrin Wellmann, Westerholt, hat zu einer Autorenlesung eingeladen – und die Gäste können in der Pause gleich einen Blick in ihre „Hofbuchhandlung“ werfen.

Vor einem Jahr wurde sie eröffnet und die 36-Jährige sagt heute: „Ich würde es genau so wieder machen.“ Sie lächelt und ergänzt: „Aber eigentlich hatte mein Mann die Idee.“

Aus Liebe zu Büchern

Die besondere Beziehung zu Büchern war bei ihr schon immer da, auch wenn sie zunächst andere berufliche Pläne hatte. Sie wollte Lehrerin werden, arbeitete aber schon während des Studiums in Hannover in einer Buchhandlung. 2011 kauften sie und ihr Mann einen Resthof in Westerholt in der Gemeinde Wardenburg.

Sie bekam eine Stelle als Lehrerin – aber die Liebe zu den Büchern war doch stärker, und so arbeitete sie tageweise in der Buchhandlung „Lese-Zeit“ ihrer Schwiegermutter. Soweit es ihre Zeit erlaubte, denn mittlerweile hatten sie und ihr Mann drei Kinder.

Ein Buchladen im ehemaligen Stall

Als ihre Schwiegermutter in den Ruhestand gehen wollte, überlegten alle gemeinsam, ob Kathrin Wellmann die Buchhandlung weiterbetreiben könnte. „Die wirtschaftlichen Prognosen waren ungünstig.“ Somit war das Ende besiegelt. Es folgte ein Jahr – zwar nicht ohne Bücher –, aber ohne Buchhandlung. „In der Zeit wurde auch unser vierter Junge geboren. Und eines Abends sinnierte mein Mann, den Jüngsten auf dem Arm haltend: Warum machst Du nicht hier im ehemaligen Stall einen Buchladen auf?“

Klar, dass der Gedanke bei Kathrin Wellmann auf fruchtbaren Boden stieß. Das alte Stallgebäude, das bislang als Garage und Abstellraum diente, hatte Charme, war aber sanierungsbedürftig: bröckliges Mauerwerk und Boden, Weinpflanzen, die durchs Dach wuchsen…

Konzept für Umbau und Umnutzung überzeugte

Sie informierte sich bei Beratungseinrichtungen für Existenzgründerinnen und über Fördermöglichkeiten, fragte im Bekanntenkreis nach Meinungen und bekam von allen Seiten positive Signale. „Der ermutigendste Satz stammte vom Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung in Wildeshausen: ,Als ich gehört habe, Hofbuchhandlung, hab ich gedacht, das kann nichts werden. Nachdem ich Ihr Konzept gelesen habe, glaube ich, es wird doch was.‘“

Konzept und Finanzierung standen: Es konnte losgehen. Kräftig mitgeholfen haben ihr Mann, Vater, Schwiegervater, Freunde. Kathrin Wellmann sieht es realistisch: „Ohne die Eigenleistungen wäre der Traum von meiner Buchhandlung nicht bezahlbar gewesen.“

Bau-Blog im Internet

Was sie dabei alles erlebt hat, schrieb sie in einem Bau-Blog im Internet. „Das hat viel Spaß gemacht, es passierte ja auch so viel: von den Bauarbeiten bis zur ersten Bücherlieferung.“ So konnte der Werdegang mitverfolgt werden, bis hin zum Eröffnungstag. „Das war fast wie eine Hochzeitsfeier“, erinnert sie sich. „Viele kamen mit kleinen Geschenken und freuten sich mit uns.“

Bilanz nach einem Jahr

Nach einem Jahr kann Kathrin Wellmann erste Bilanz ziehen und ist zufrieden. „Wir sind kein großes finanzielles Risiko eingegangen. Wenn der Laden überhaupt nicht laufen würde, könnte der Raum als Büro genutzt werden. Für mich ist es ideal, ich habe meine Arbeitsstelle auf dem Hof und dadurch viele Kontakte.“

Und die Kinder im Alter von 9, 7, 4 und 2 Jahren können schnell mal rüber laufen und sich in der Spielecke im Laden Kinderbücher angucken. Unterstützung an einigen Tagen bekommt Kathrin Wellmann von ihrer Schwiegermutter. „Das klappt bei uns hervorragend.“

Mehr zu dem Buchladenprojekt lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 45/2016 auf den Seiten 76 bis 78. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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