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Familie

Verantwortung motiviert

von , am
09.04.2013

Vereine auf dem Land haben Nachwuchssorgen. Unser Gegenbeispiel zeigt: Die Jugendfeuerwehr Extertal verzeichnet ein historisches Hoch - trotz sinkender Einwohnerzahlen.

Rückkehr vom nächtlichen Einsatz - die "mitdenkende" Feuerwache öffnet die Tore automatisch. © Frevert

Günter Heitkamp, Jugendfeuerwehrwart der Gemeinde Extertal, unweit der niedersächsischen Landesgrenze, ist dort aktiv, wo gleich mehrere Faktoren des demographischen Wandels negativ greifen oder greifen könnten: Mangel an Jugendlichen und die schwindende Bereitschaft zu ehrenamtlichem Einsatz. Erschwerend hinzu kommt, dass Kinder und Jugendliche durch die veränderte schulische Situation als Ganztags-  und G8-Schüler kaum noch freie Zeit am Nachmittag haben. Trotz allem: Die Extertaler Jugendfeuerwehr erlebt derzeit ein historisches Hoch - und das vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde selbst kontinuierlich schrumpft: mit erwarteten 20 Prozent Bevölkerungsrückgang bis zum Jahr 2030.

Dass die Jugendfeuerwehr Extertal so gut dasteht, beweist, dass es auch anders geht. Das Rezept der Extertaler: "Wir sprechen die Jugendlichen dort an, wo sie sind. Die Feuerwehr ist auf dem Weltkindertag vertreten und macht ein Mal im Jahr einen halben Tag Brandschutzerziehung in den beiden Extertaler Grundschulen", erläutert Heitkamp.

Pfiffiger Erfinder

Wie stark sich die jungen Leute in Extertal mit "ihrer" Feuerwehr identifizieren zeigt auch das Beispiel dieses Jungfeuerwehrmannes: Patrik Eikermann, aus Extertal-Almena ist Erfinder, Tüftler und Sunnyboy.

Der Gymnasiast wurde vor fünf Jahren Mitglied der örtlichen Jugendfeuerwehrgruppe, nachdem er deren Arbeit bei einem Feuerwehr-Fest kennenlernt hatte. Eikermann genießt die Kameradschaft und Geselligkeit. Aber er ärgerte sich über die Technik im dörflichen Feuerwehrgerätehaus. Gemeinsam mit vier Freunden machte Patrik sich Gedanken darüber, wie die Abläufe beim eingehenden Alarm optimiert werden können.

Das Ergebnis: die "Smart Fire Station", eine Feuerwache, die mitdenkt. Mit dieser Idee bewarben sich die Schüler beim "Nanoline Contest", einem Bildungswettbewerb, ausgeschrieben von einer weltweit tätigen Firma für Steuerungen. Das Team um den Jungfeuerwehrmann landete beim Endausscheid im Februar 2013 auf dem bundesweit zweiten Platz. Auf der diesjährigen Hannover Messe wurde die "Smart Fire Station" vorgestellt.

Problem und Lösung

Der Kampf mit der Tücke des Objekts beginnt mit dem Eintreffen der alarmierten Feuerwehrleute am Gerätehaus im Dunkeln. Der Bewegungsmelder reagiert sehr langsam. Ist die Tür endlich aufgeschlossen, steht der einsatzwillige Feuerwehrmann nun drinnen, aber im Dunkeln. Lichtschalter im Vorraum suchen, weiter zum Spind, wieder Dunkelheit und so weiter.

Zum Ausrücken die Tore per Kette von Hand hochziehen - die Fahrzeuge fahren raus, Tore von Hand wieder schließen. Bei der Rückkehr vom Einsatz stellen sich dieselben Probleme in umgekehrter Reihenfolge. All diese vielen Handgriffe, regelt nun die von den Schülern erfundene „Smart Fire Station“ automatisch. Bei Alarmeingang wird das Außenlicht eingeschaltet. Nach dem Einsatz lässt eine auf der Rückfahrt abgeschickte SMS an die Steuerung eine Rückkehr-Routine ablaufen: Licht einschalten, Tore öffnen...

Praxiseinsatz geplant

"Eine wirklich tolle Sache" - findet die Wehrleitung, und hält die praktische Umsetzung für völlig problemlos ohne große Investitionen und technischen Aufwand machbar. Begeistert ist auch  Ortsbürgermeister Hans Hoppenberg. "Eine zukunftsweisende Erfindung, die wir in der Praxis einsetzen wollen", verspricht er. "Uns hat die Entwicklung total Spaß gemacht - endlich mal was richtig Praktisches, das nicht im Keller verstaubt, wie die letztes Jahr von uns entwickelte Müsli-Misch-Maschine", sagt Patrik Eikermann lachend.

Für Jugendfeuerwehrleiter Günter Heitkamp ist die "Smart Fire Station" ein Zeichen, dass "der Erfindungsreichtum innerhalb der Feuerwehr bemerkenswert ist und Jugendliche begeistert mitmachen." Jugendfeuerwehren auf dem Land haben gute Perspektiven - wenn die Verantwortlichen es richtig anpacken.
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