Login
Hof- und Dorfleben

Mit viel Liebe für das rechte Maß

von , am
10.09.2014

Über Nebenstraßen führt der Weg zum alten Fachwerkhaus am Rande der Ortschaft Dohren, Kreis Emsland. Neomi Lammers arbeitet hier als Sattlermeisterin. Die LAND & Forst hat sie in ihrer Werkstatt besucht.

Das Werkstück wird in das Nähross eingespannt, so  sind beide Hände frei. © Bischof

Neomie Lammers war sieben Jahre alt, als sie ein Pony bekam. "Da begann meine Liebe zu Pferden", erzählt die 33-Jährige. Bald entdeckte sie auch das Leder als Werkstoff  für sich. Aus alten Gürteln fertigte sie ihre ersten Kopfzäume an. "Ich war schon immer von Leder fasziniert", sagt Lammers rückblickend. "Über das Leder und die Pferde bin ich dann zu den Sätteln gekommen."

Nach der Schulzeit ging sie in den Westerwald. In einer Sattlerei, wo überwiegend Wanderreitsättel und Westernsättel in Maßarbeit hergestellt wurden, erlernte sie ihr Handwerk. Vor vier Jahren entschloss Lammers sich dazu, die Meisterprüfung abzulegen. Dabei ging es ihr nicht so sehr darum, junge Menschen auszubilden, obwohl sie auch daran gedacht hatte und ab und zu Schulpraktikanten einen Einblick in ihre Arbeit gewährt.  "Doch im Moment  komme ich allein ganz gut zurecht", gibt sie zu verstehen. Was sie aber an dem Abschluss schätzt, ist der Meister als "Titel, der für Qualität spricht".

Reges Interesse an dem Handwerk


Lammers hat in den vergangenen Jahren ein großes Interesse an einem Ausbildungsplatz im Sattlerhandwerk registriert. "Die Jugendlichen vermittle ich dann an Sattlereien, von denen ich weiß, dass sie gut ausbilden", erklärt sie. Für die Nachfrage hat sie gleich mehrere Erklärungen: "Reiten hat sich zu einem Breitensport entwickelt, Sattler ist ein schönes Handwerk in einem gestalterischen Beruf, und Leder ist ein vielseitiges Material." Ausgebildet wird mit drei verschiedenen Schwerpunkten: Reitsport-, Fahrzeugsattlerei sowie Feintäschnerei. "Wenn das Geschick und die Liebe dazu vorhanden sind, rate ich schon dazu, den Beruf zu erlernen."

Jeder Sattel ist ein Unikat

1950 gab es in Deutschland noch über 25.000 Sattlereibetriebe, durch den aufkommenden  Einsatz von Maschinen in der Landwirtschaft kam dann der große Einbruch. Und wie ist die Situation heute? Lammers: "Es ist ein lohnendes Handwerk, das Zukunft hat. Den Reitsport wird es immer  geben und Leder wird sich weiter durchsetzen." 

Die Sattlerin fertigt von Hand Sättel für jede Pferderasse und Disziplin an: Vielseitigkeits-, Dressur-, Western- und Wanderreitsättel. Wobei auch Kundenwünsche wie Verzierungen und Sonderanfertigungen berücksichtigt werden. Zum Angebot gehört außerdem das komplette  Zubehör für Pferd und Hund sowie Handtaschen und Gürtel. Für die Sattlerin sind diese Artikel ein interessantes Nischenprodukt. "Auf dem Markt gibt es nicht so viele individuelle und schöne Handtaschen. Das ist dann auch für  Nichtreiter interessant", erklärt sie.

Wer sie in ihrer Werkstatt besucht und fertige Ware in einer Auslage vermutet, wird enttäuscht. Hier werden nur Auftragsarbeiten ausgeführt. "Jedes Pferd sollte einen passenden Sattel haben, egal welche Rasse", erklärt Lammers. "Es gibt Pferderücken, für die es keinen herkömmlichen Sattel gibt, da hilft nur Maßarbeit." Hat ein Pferd Rückenprobleme, arbeitet sie auch mit einem Physiotherapeuten oder Osteopathen zusammen. Das eigene Gefühl für die Bewegung des Pferdes und den Sattel trainiert sie, wenn sie mehrstündige Ausritte auf ihrer Stute May unternimmt.

Lederstücke mit Geschichte

Neben den Auftragsarbeiten führt Naomi Lammers auch Reparaturen aus. "Alles, was  noch machbar ist und sich lohnt, das mache ich", betont sie. So konnte eine Kundin gerade ihre 40 Jahre alte Handtasche abholen, die einen neuen und anders angebrachten Schulterriemen bekam. "Solche Stücke haben ihre Geschichte."

Sie liebt die Arbeit mit dem Naturstoff Leder und sie weiß natürlich, wie man ihn pflegt. "Weiches Leder sollte man fetten und dickes ruhig auch ölen. Leder hält sehr viel aus, nur Nässe bekommt ihm nicht".
In ihrer Werkstatt wird es von weich bis hart verarbeitet. Es ist pflanzlich gegerbt und kommt immer vom Rind. "Gutes Leder wird im Gebrauch immer schöner", erklärt sie. "Ein Gürtel hält dann 40 bis 50 Jahre."
Und was ihr an ihrem Beruf gut gefällt? Das sei die Mischung aus der Arbeit mit dem Leder und der Zusammenarbeit mit Pferden. Von der ist sie heute noch genauso begeistert  wie in Kindertagen.

Mehr Infos unter: www.sattlerei-lammers.de, www.ausbildung.de, www.berufenet.arbeitsagentur.de
Auch interessant