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Familie

Ein Volltreffer für das Dorfleben

von , am
11.06.2014

Welche Rolle spielen Sportvereine für das Leben auf dem Land? LAND & Forst-Autorin Nele Krüger hat zwei Vereine im Landkreis Osnabrück besucht und gelernt, wie wichtig es ist, sich im Ort gegenseitig die Bälle zuzuspielen.

© Nele Krüger
Wenn es in Ankum um das Thema Fußball geht, dann sind alle mit Leidenschaft dabei. Das fängt schon bei den jüngsten Vereinsmitgliedern an. Auf dem Platz trainiert Andreas Kröger, der die Abteilung Jugendfußball des SV Quitt leitet, die F-Jugend. Auch drei Mädchen sind in der Mannschaft.

Heute stehen Koordinationsübungen auf dem Trainingsplan. Dabei passen sich die Sieben- und Achtjährigen den Ball zu und laufen danach in verschiedenen Schrittfolgen rückwärts über Stangen. "Diese Übungen sind enorm wichtig. Früher haben die Kinder mehr draußen getobt und sind auf Bäume geklettert, heute verbringen sie ihre Freizeit eher vor der Spielekonsole", erklärt Kröger, dessen ehrenamtliche Trainertätigkeit vier bis fünf Stunden pro Woche einnimmt. "Aber Koordination lernt man nun mal nicht vor der Playstation."

Zusammenhalt - nicht nur auf dem Platz

Am Spielfeldrand sind die Eltern bei jedem Training dabei und kommen auch zu den Spielen am Wochenende zum Anfeuern mit. "Wir sind schon fast eine kleine Familie geworden, das ist eine coole Runde", freut sich Christian Pötter, der Vater von Alicia. Seine Tochter hat im vergangenen Jahr mit dem Fußball angefangen. Mit dem Sportverein gab es vorher keine Berührungspunkte: "Wir waren eine komplette Nicht-Fußball-Familie." In vielen Familien in Ankum ist die Mitgliedschaft im SV Quitt aber eine Ehrensache: "Ich kenne Leute, die haben noch nie Sport gemacht und sind schon immer Mitglied. Das ist wie beim Schützenverein - da ist man einfach drin, das hat Tradition", meint eine Mutter.

Der Sportverein ist eine gute Möglichkeit, um Anschluss an die Dorfgemeinschaft zu knüpfen. Diese Erfahrung hat Marion Buschermöhle gemacht. Ihre Familie ist aus einem Nachbarort nach Ankum gezogen und hat über den Verein viele neue Bekanntschaften gemacht. Über ihren Sohn Leon, der bei der F2 das Tor hütet, ist Marion Buschermöhle auch selbst auf den Geschmack gekommen und spielt in der Hobby-Damenmannschaft des SV Quitt: "Wir haben eine Mütter-Mannschaft gegründet." Das Mannschaftserlebnis steht schon bei den Kleinsten ganz weit im Vordergrund ihres Hobbys. Das kann auch Annemarie Koldeweihe bestätigen: "Mein Sohn Mats hat erst Tennis gespielt. Das hat er dann aber zugunsten des Fußballs aufgegeben - Mannschaftssport gefällt ihm besser." Der SV Quitt Ankum zieht den Nachwuchs an. Das bestätigt auch Günter Feldmann, erster Vorsitzender des Vereins: "Mit unseren Sportstätten bieten wir eine tolle Infrastruktur. Es kommt immer wieder vor, dass Kinder und Jugendliche von anderen Vereinen zu uns wechseln, weil es ihnen hier besser gefällt." Ausdrücklich lobt er den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Jugendtrainer, ohne die der Vereinsbetrieb nicht möglich wäre.

Die Mitgliederzahl des SV Quitt liegt bei 1.748, die Fußball-Sparte ist dabei die größte. Im Moment haben sie hier keine Nachwuchssorgen: "Wir sind einer der größten Vereine im Landkreis. Beim Fußball sind wir in der Jugend gut bestückt, sodass wir keine Spielgemeinschaften bilden müssen. Wir haben sogar jeweils zwei A- und B-Jugend-Mannschaften, das ist ganz selten geworden." Damit das so bleibt, wird durch Aktionen wie die Jugendsportwoche für den Verein geworben. Der SV Quitt ist stolz auf sein breites Sportangebot - neben Fußball gibt es unter anderem Aerobic, Faustball, Handball und Leichtathletik.

Sportangebote für jedermann

Auch beim VfL Lintorf westlich von Osnabrück setzt man auf ein breit gefächertes Sportangebot. Der Verein mit knapp 1.000 Mitgliedern ist vor allem für seine erfolgreiche Volleyballabteilung bekannt - die erste Herrenmannschaft spielt in der dritten Liga. Neben dem Volleyball gibt es aber noch viele andere Abteilungen wie Fußball, Schwimmen, Fitness oder Boxen. "Unser Vorteil gegenüber privaten Sportangeboten ist, dass wir als Verein alle Aktivitäten quasi zum Selbstkostenpreis anbieten können. Das ist besonders für Familien mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten interessant", erklärt die erste Vorsitzende Sabine Nieragden-Henschen, die selbst schon als Kind Mitglied im Verein war.

In Lintorf soll jeder die Möglichkeit haben, Sport zu machen und sich so in die Dorfgemeinschaft einzufügen. Der VfL ist beim Projekt "Integration durch Sport" vom Deutschen Olympischen Sportbund, dem Bundesministeriums des Inneren und des Bundesamtes, dabei. Dieses Programm richtet sich vor allem an Migranten und Flüchtlinge. Zur konkreten Umsetzung gehörte ein Schwimmkurs für Frauen, der vor allem von muslimischen Migrantinnen genutzt wurde. "Während der Kurszeiten waren keine anderen Gäste im Bad und die Betreuung erfolgte ausschließlich durch weibliche Fachkräfte", erklärt Nieragden-Henschen das Konzept, "dieser Kurs war so beliebt, dass wir ihn in zwei Gruppen angeboten haben. So konnten wir vielen erwachsenen Frauen das Schwimmen beibringen."

Im Dorf und in der Stadt: Immer am Ball bleiben

Haben Sportvereine auf dem Dorf mit anderen Problemen als in der Stadt zu kämpfen? "Viel Arbeit, wenig Geld - sobald man ehrenamtlich strukturiert ist, sind die Probleme gleich", meint die Vorsitzende. Die Einstellung zu den Vereinen hat sich geändert: "Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass man mit dem Kinderturnen anfängt und dann sein Leben lang Mitglied bleibt."

Um den Verein attraktiv zu machen, finden auch in Lintorf regelmäßig Aktionen wie Schnuppertage statt. Außerdem besteht für junge Erwachsene wieder die Möglichkeit, beim VfL ein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport zu absolvieren. Dabei kann in die Trainertätigkeit und in administrative Bereiche des Vereins hineingeschnuppert werden.

Im Landkreis Osnabrück gestalten Vereine - wie der SV Quitt Ankum und der VfL Lintorf - das Dorfleben aktiv mit. Sie sorgen dafür, dass bei Kindern und Erwachsenen keine Langeweile aufkommt. Und wer weiß - vielleicht schaffen eines Tages auch Alicia, Mats oder Leon wie Nationalspieler Per Mertesacker den Sprung von der Dorfmannschaft ins internationale Fußballgeschäft und repräsentieren im Trikot mit dem Adler auf der Brust die gute Jugendarbeit der niedersächsischen Vereine.  
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