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Hof- und Dorfleben

Wildpferde fuhren nach Berlin

von , am
21.01.2014

Die "Gefährdete Nutztierrasse 2014" präsentiert die Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) bei der Grünen Woche. Die Dülmener Wildpferde bewähren sich bereits seit zehn Jahren beim Naturschutz.

Die Dülmener Wildpferde wurden vor kurzem zur gefährdeten Nutztierrasse 2014 erklärt. © Brockmann
Die Dülmener wurden jüngst zur "Gefährdeten Nutztierrrasse 2014" erklärt. "Wir halten diese robusten Huftiere bereits seit zehn Jahren mit großem Erfolg im Naturschutzgebiet rund um den Wilseder Berg", sagt Dr. Andreas Koopmann, Leiter des VNP-Landschaftspflegehofes am Tütsberg.

Am 18. Januar berichtete der VNP beim Symposium "Erhaltung gefährdeter Pferderassen" in der Tierschauhalle über seine Erfahrungen. Die Wildpferde des VNP bilden inzwischen weltweit die zweitgrößte Herde dieser Art.

Bereits 1316 wurden die Dülmener erstmals schriftlich erwähnt, 1847 waren sie vom Aussterben bedroht. Herzog Alfred von Croy erwies sich damals als ihr Retter. Auf seinen Großgrundbesitz im Merfelder Bruch in der Nähe der Stadt Dülmen (Nordrhein Westfalen) schuf er für die älteste deutsche Kleinpferdrasse ein Reservat. Dieses existiert heute noch und stellt mit 300 Wildpferden weltweit den größten Bestand. Von dort erwarb der VNP im Jahr 2004 sechs Stuten und ein Fohlen. Inzwischen ist die Herde in der Heide auf 30 Tiere, darunter zwei gekörte Hengste, angewachsen.

"Die Dülmener haben sich als Verstärkung der Schnucken bewährt", berichtet Koopmann. "Wir schätzen sie als Landschaftspfleger und erhalten gerne ihre Art." Anlass für den Kauf war damals das Zuwachsen des Radenbachtals zwischen Undeloh und Sudermühlen. "Mehrere Landwirte hatten dort aufgegeben", erinnert sich Koopmann. "Außerdem wünschten wir offene Übergänge zwischen Heide, Wiesen und Wald." Die Dülmener fressen nicht nur das Gras, sondern verbeißen auch die Heide, die dann kräftig wieder austreiben kann. Sie schälen sogar die Rinde der Ebereschen und tragen so dazu bei, dass diese Baumart im vertretbaren Rahmen bleibt.

Willkommen sind aber auch ihre Dunghaufen, die 150 Insektenarten anlocken. Diese wiederum dienen zahlreichen Vogelarten, darunter auch den bedrohten Birkhühnern, Heide- und Feldlerchen sowie dem Ziegenmelker als Nahrung. "Dank der Wildpferde haben wir ein gut funktionierendes Ökosystem, wie es keine Maschinen vollbringen kann".

Die Urlauber mögen die Dülmener ebenfalls, die mit einem Stockmaß von 1,25 bis 1,35 Metern deutlich kleiner als normale Pferde sind. Sie leben auch im Winter draußen. "Nur bei tagelangem hohen Schnee füttern wir zu", informiert Koopmann. "Und zwar genau das, was im Sommer auf ihren Flächen wächst." Im Mai erwartet der VNP vier Fohlen. Mehr sollen es nicht sein, denn mit 30 Pferden ist das Limit erreicht. Die Fohlen werden deshalb nach der Entwöhnung von ihren Müttern im Alter von einem und zwei Jahren verkauft. Abnehmer sind andere Naturschutzeinrichtungen und Privatleute. Denn die Dülmener Pferde eigenen sich auch zum Reiten, Fahren und für die Distanz. Mit ihrem grauen bzw. hellbfalbenem Fell, den großen dunklen Augen und den kräftigen Mähnen erobern sie die Herzen der Menschen.

Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide kann man die Dülmener Wildpferde inzwischen nicht nur im Radenbachtal, sondern auch an der Schmalen Aue und in Wilsede sehen. "Ihnen stehen 200 Hektar zur Verfügung", erklärt Koopmann. "Das ist eine sehr große Fläche. Aus Sicherheitsgründen ist diese allerdings eingezäunt."
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