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Gesundheit & Ernährung

Wunder wären wunderbar

von , am
06.03.2013

Jedes Frühjahr überbieten sich Zeitschriften, Bücher, Angebote im Internet mit neuen "Wunderdiäten", die den Kampf mit überflüssigen Pfunden zum Kinderspiel machen sollen. Können diese wirklich helfen?

Auch via Internet kann man heute abnehmen - kostenpflichtige Diätchoaches sollen dabei helfen. © Kersten
Zwischen 30 und 60 Euro. Egal für welches Programm man sich entscheidet: Bevor man mit der Diät beginnt, werden Alter, Gewicht, Größe und beispielsweise die körperliche Beanspruchung im Beruf abgefragt.

Hoher Aufwand

Gestützt auf diese Angaben werden für den Nutzer tägliche Menüpläne mit Einkaufslisten sowie Sportprogramme erstellt. Unterstützt wird der Anwender, indem regelmäßig Kalorienmenge, Bewegungsdauer und Gewicht abgefragt wird. Stiftung Warentest hat 2011 zehn Online-Diätprogramme getestet und kommt zu dem Ergebnis, dass manche Konzepte ziemlich anspruchsvoll sind, sowohl was den Zeitaufwand als auch das Finanzielle betrifft. Auf die bisherigen Essgewohnheiten wird keine Rücksicht genommen. "Viele Anbieter arbeiten mit allgemeinen Ernährungsplänen, begleiten den Nutzer nur sporadisch, der Austausch in Foren ist lahm", so die Bewertung der Tester.

Laut Stiftung Warentest meistert der Diätchoach xx.well.com die praktische Umsetzung mit vielfältigen Menüplänen am besten, geht aber wenig auf den Lebensstil ein. Besser schnitt nur das Programm "eBalance" ab. Insgesamt bescheinigen die Tester den Programmen eBalance, Slimcoach, VidaVida und Weight Watchers ein "stimmiges Konzept", denn sie animieren dazu, Ernährungs- und Lebensstil sowie körperliche Aktivitäten zu analysieren und zu verändern. Wer testen möchte, ob ein "Online-Abnehmen" zu ihm passt: Ebalance, xx.well.com, slimcoach und Weight Wachters online bieten eine Probenutzung an. Lesen Sie die Nutzungsbedingungen vorher aber genau durch - bei manchen Programmen wird die Probezeit stillschweigend in einen Vertrag umgewandelt, wenn Sie nicht rechtzeitig kündigen.

In Zeitungen wird das kommerzielle Abnehmprogramm "Metabolic Balance" als "das erfolgreiche Programm zur ganzheitlichen Stoffwechselstärkung und Gewichtsregulierung" beworben. Grundlage ist ein Computerprogramm, das anhand von 36 Standardparametern aus dem Blut und eines kurzen Fragebogens ein individuelles Ernährungsprogramm zusammenstellt, an das man sich genau halten muss.

Metabolic Balance setzt sich aus vier Phasen zusammen. Die Vorgaben sind streng: So müssen zwischen den Mahlzeiten mindestens fünf Stunden Pause sein, die letzte Mahlzeit muss vor 21 Uhr eingenommen werden, und in der strengen zwei- bis vierwöchigen Umstellungsphase sind maximal 1000 kcal erlaubt - kein Wunder, dass man abnimmt.

Aber der Preis ist satt

Und das Programm hat seinen Preis. Bei zirka 300 bis 400 Euro liegt der Einstiegspreis für das Blutbild und die Erstellung des persönlichen Speiseplans. Längerfristige Beratung und Betreuung kosten extra. Die Kritik von Ernährungsexperten: Es ist nicht nachzuvollziehen, nach welchen Kriterien das Computerprogramm die Ernährungspläne zusammenstellt und einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen den einmalig ermittelten Blutwerten und einer Gewichtsreduktion gibt es gleich gar nicht.

Zwischendurch: nichts

Das klingt zu schön um wahr zu sein: "Abnehmen im Schlaf", so heißt ein Bestseller des Mediziners Dr. Detlev Pape, das viele Anhänger hat. Der Mediziner geht davon aus, dass man um abzunehmen die Insulin-Ausschüttung niedrig halten muss und zwar ganz besonders in der Nacht.

Auf diese Weise können nachts besonders Fettreserven abgebaut werden. Weil Insulin immer dann vermehrt ausgeschüttet wird, wenn Kohlenhydrate gegessen werden, müssen diese folglich vermieden werden - besonders am Abend.

Im Klartext: Die Abendmahlzeit darf nur aus einer Eiweiß-Mahlzeit ohne Kohlenhydrate bestehen, beispielsweise Fleisch mit Salat. Insgesamt sind nur drei Mahlzeiten am Tag erlaubt, Zwischenmahlzeiten gibt es nicht.

Die DGE kritisiert: "Insulin als "Dickmacherhormon" oder "Fettmasthormon" zu verteufeln, ist überzogen." Denn nach wie vor sei die Gewichtsabnahme eine Frage der Energiebilanz, das heißt: Nur wer weniger Kalorien aufnimmt als er verbraucht, nimmt ab.

Positiv ist nach Aussage der DGE, dass diese auch als "Insulintrennkost" bekannten Diäten auf einer vollwertigen Ernährung kombiniert mit Bewegung basieren. Dadurch wird weniger Energie zugeführt und bewusster gelebt, so dass das Abnehmen durchaus funktioniert.
Auf einem ähnlichen Prinzip beruhen die Glyx-Diäten. "Glyx" steht dabei für den glykämischen Index, der angibt wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel steigen lässt. Schlecht sind dabei die Kohlenhydrate, die den Blutzucker schnell in die Höhe treiben wie beispielsweise Zucker und Weißmehl. Gut die, die den Blutzucker nur langsam ansteigen lassen wie Vollkornprodukte oder Gemüse. Obst, Gemüse und Vollkornprodukte kombiniert mit Bewegung bilden deshalb auch die Basis der Glyx-Diät.

Das ist nichts Neues und durchaus positiv zu bewerten. Kritisch ist nach Meinung der DGE aber zu sehen, dass die Kalorien- und Fettzufuhr keine Rolle spielen und die Lebensmittel nur isoliert anhand ihres glykämischen Index bewertet werden - ohne auf ihre Zubereitungsform, ihre Fett- und Ballaststoffgehalt und die Kombination mit anderen Lebensmitteln zu achten. Das führt dann zu dem Ergebnis, dass nährstoffreiche und kalorienarme Kartoffeln beispielsweise einen hohen gykämischen Index haben und deshalb nicht empfehlenswert sind.

Schon daran ist erkennbar, dass diese Diät genau wie andere Diäten auch ihre Schwäche hat und allenfalls eine Anregung sein kann seine Ernährung Schritt für Schritt umzustellen. Auch wenn es noch so schön wäre, eine "Wunderdiät", bei der man ohne das eigene Zutun abnimmt, gibt es nicht.
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