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Familie

Wunschbriefe an den Weihnachtsmann

von , am
03.12.2014

"Ich wünsche mir zum Fest..." Der Weihnachtsmann bekommt in der Adventszeit Briefe von Kindern und sogar von Erwachsenen. LAND & Forst-Redakteurin Katja Schukies hat sich im Postamt Himmelsthür umgeschaut.

Besonders schöne Briefe rühren Karlheinz Dünker noch immer. © Schukies

Quer durch die große Halle des Zustellstützpunktes Himmelsthür führt der Weg. Es ist zweckmäßig und nüchtern eingerichtet. Hier gibt es abgetrennte Nischen, in denen die Zusteller ihre Post sortieren, bevor sie sich auf den Weg machen. Kein Mensch ist zu sehen, alle sind um diese Zeit schon unterwegs. Öffnet man dann die Tür zum eigentlichen Weihnachtspostamt, ist man fast in einer anderen Welt. Hier steht ein beleuchteter Weihnachtsbaum, es gibt Vasen mit schönen Weihnachtskugeln, überall stapeln sich bunte Briefe. Vier Frauen beschriften feinsäuberlich Briefumschläge. "Das sind die Engel", sagt Karlheinz Dünker lächelnd. "Wir alle helfen dem Weihnachtsmann."

Nein, wie der Weihnachtsmann aus der Werbung sieht Karlheinz Dünker nicht aus. Schlank und hochgewachsen ist er, statt eines weißen Wallebartes ist er glattrasiert und bevorzugt ein blaues Oberhemd mit Krawatte und gelber Weste anstelle eines wallenden roten Mantels. Er hat schließlich auch früher schon für die Deutsche Post gearbeitet. Doch wenn er über seine Aufgabe als Helfer des Weihnachtsmanns spricht, dann könnte man fast vergessen, mit wem man sich unterhält.

Karlheinz Dünker sitzt an einem großen Schreibtisch, um ihn herum bunte Briefe und Holzstempel mit Weihnachtsmotiven. Seit 1970 hat er die Aufsicht über das Weihnachtspostamt Himmelsthür, einem Stadtteil von Hildesheim. Das gilt als das älteste Weihnachtspostamt der Deutschen Post, seit in den 50er-Jahren die ersten Briefe eintrudelten, die Kinder an den Weihnachtsmann oder das Christkind schrieben. Diese anrührenden Briefe beantworteten die Postler zunächst privat, bevor die Post 1955 den ersten Weihnachtspoststempel entwarf und das Ganze "offiziell" machte. Danach brach eine wahre Brief-Lawine los.

Engel helfen mit

"Im vergangenen Jahr sind bei den deutschen Weihnachtspostämtern rund 680.000 Briefe eingegangen", erklärt dazu Postsprecher Jens-Uwe Hogarth, der für Himmelsthür zuständig ist. Alle werden beantwortet, sofern die Absender lesbar sind. Meistens mit schönen Wohlfahrtsmarken, die auch unter Philatelisten begehrt sind. Was das alles kostet? "Darüber spricht die Post nicht", sagt Hogarth lächelnd. Aber mit Briefmarken, Umschlägen, Personalkosten - denn nicht alle Helfer arbeiten ehrenamtlich - kommt sicherlich einiges zusammen. Nicht zu vergessen die Aktenvernichtung, denn aus Datenschutzgründen müssen die Briefe vernichtet werden, wenn sie beantwortet sind.

Für die Beantwortung der Briefe sind Dünkers "Engel" Ina, Kira, Tasja und Denise zuständig. Sie beschriften die Umschläge sorgfältig per Hand. Damit sie der Brieffülle "Herr" werden, sind ihre Aufgaben aufgeteilt: Helferin Ina ist für die Briefe von Kindergärten und Schulklassen zuständig, Denise beantwortet die internationalen Zuschriften. "Viele Schreiber wünschen sich deutsches Bier, Schnee oder auch schon mal ein Flugticket", sagt sie. Gerade aus dem Ausland erreichen auch viele Briefe von Erwachsenen den Weihnachtsmann. Allen Engeln ist jedoch aufgefallen, dass gerade die Kinder ihre Wünsche sehr konkret beschreiben: Marke und Kleidungsgröße, häufig ist auch ein Foto dabei.

Überhaupt geben sich die Kinder viel Mühe mit ihrer Post: Die meisten Briefe sind handgeschrieben, viele Kinder verzieren ihre Post mit hübschen Bildern, basteln, kleben Fotos von sich ein und schicken dem Weihnachtsmann auch schon mal Freundschaftsbändchen oder selbstgebackene Kekse mit. "Da gerät der Weihnachtsmann immer wieder ins Schwärmen", betont Karlheinz Dünker. Die Freundschaftsbändchen trägt er dann. Die schönsten Briefe steckt er an eine Pinwand. Manchmal schreiben auch Eltern, wenn die Geburt ihrer Kinder kurz bevor steht. "Die wünschen sich einen Brief vom Weihnachtsmann zur Geburt", erklärt Dünker. Diesen Wunsch erfüllt er gern.

In diesem Jahr stehe ganz oben auf der Wunschliste Schnee. Und auch Technik ist gefragt. "Ich bin zwar schon zwölf, aber ich glaube an Dich", steht in dem Brief eines Jungen. Und ein Mädchen wünscht sich einen Hund und würde dafür sogar ihre Spielekonsole hergeben. "Die meisten aber möchten Frieden auf der Welt und Gesundheit für ihre Familie", erzählt Dünker. Er zeigt einen Brief aus der Ukraine, in dem ein Junge sich wünscht, dass auf der Krim endlich Ruhe einkehrt und seine Familie überlebt.

Rührende Wünsche

Und nach all den Jahren gibt es immer wieder Briefe, die ihn besonders rühren. Etwa, wenn ein Kind sich wünscht, dass seine Mama zu Weihnachten wieder gesund wird. Oder wenn eine Frau ihm ihren Ehering schickt, da ihr Mann sie nicht mehr so liebt, wie sie ihn. Diesen Brief und den Ring bewahrt Dünker bis heute in einem Postetui mit der Aufschrift "Weihnachtsmann" auf. "Ich habe zurückgeschrieben, aber nie mehr etwas gehört", bedauert er. Denn diese besonderen Briefe beantwortet er selbst, findet häufig tröstende Worte. Und erhält ab und an auch eine Antwort zurück. Manchmal erst kurz vor dem nächsten Fest, manchmal schon direkt nach Heiligabend.
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