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Hof- und Dorfleben

Wurstwaren und Suppen sind Renner

von , am
15.10.2013

Hochwertige Fleisch- und Wurstspezialitäten liegen im Hofladen von Familie Meyer. Die Idee zur Hoffleischerei entstand vor 25 Jahren in einer Zwangssituation.

Freuen sich über die große Akzeptanz der Kunden: Jessica Jägeler und Karin Hilscher sowie Björn Meyer (v.l.). © Bischof
Alle Betriebszweige auf dem Hof Meyer in Huntlosen, Landkreis Oldenburg, befinden sich in Familienhand. Friedrich-Wilhelm Meyer kümmert sich um die landwirtschaftlichen Aufgaben. Der Tätigkeitsbereich von Ehefrau Helga und Sohn Björn liegt in der Hoffleischerei mit Hofladen. Nur Schwiegertochter Meike arbeitet auch außer Haus.

Die Idee, eine Hoffleischerei einzurichten, wurde vor 25 Jahren aus einer Not heraus geboren. Friedrich-Wilhelm Meyer war schon damals überzeugt von der guten Fleischqualität seiner Schweine. Doch der Erlös, den die umliegenden Schlachtereien zahlen wollten, stellte ihn nicht zufrieden. "Der Markt war einfach gesättigt", erinnert sich Sohn Björn. Der Versuch, in der Schweinemast zu expandieren, sorgte für Gegenwind bei der Bevölkerung. "Wir sind angefeindet worden", erzählt der staatlich geprüfte Betriebswirt und Fleischermeister. Die Familie zog aus den Erfahrungen Konsequenzen. "Vater hat gesagt, dann mache ich es selbst", erinnert sich der Sohn. 1988 entstanden Hofladen und Fleischerei mit Wurstküche, Räucherei und Pökelraum. Heute gehören auch vier Kühlräume und ein großer Frostraum dazu. "Man muss die Sachen getrennt lagern", erklärt der Fleischermeister.

Pläne gab es damals auch für den Bau einer Hofschlachterei. Doch der Antrag auf Genehmigung wurde negativ beschieden. Der Grund: der Hof liegt im Landschaftsschutzgebiet. "Wir bekamen Auflagen und es wurde immer teurer", erklärt Meyer. "Im Nachhinein muss ich sagen, dass es richtig war. Der Arbeitsaufwand wäre hoch und sehr personalintensiv gewesen."

Drei Jahre dauerte es, bis ein Kundenstamm aufgebaut war. "Ich bin anfangs noch zum Bügeln ins Haus gegangen", berichtet Helga Meyer. "Die ersten Jahre waren schwierig". Heute stehen ständig zwei Verkaufskräfte im Laden. Vier Teilzeitkräfte wurden angestellt, darunter eine ausgebildete Köchin. Außerdem arbeitet ein Fleischergeselle in der Fleischerei.
1995 konnte der Absatz noch erweitert werden. In Oldenburg entstand ein Bauernmarkt. Das Landwirtschaftsamt hatte ein Konzept dafür erarbeitet. Das sah eine Vereinsgründung für Landwirte vor, die den Markt beschicken wollten. Meyer wurde Mitglied und investierte in einen mobilen Verkaufswagen.

Der steht an jedem Freitag von 11 bis 18 Uhr auf dem Rathausplatz in Oldenburg. "In der Stadt gibt es eine andere Käuferschicht" erklärt Björn Meyer, der im Jahr 2000 die Fleischerei übernahm. "Wir mussten unser Angebot der Stadtbevölkerung anpassen." Heute zahlt sich die Investition für ihn aus: "Dadurch, dass wir den Markt haben, haben wir viel mehr Umsatz."

Die Produktpalette der Hoffleischerei umfasst rund 100 Wurstsorten, Schinken und Frischfleisch. Hinzu kommt ein großes Angebot an Fertiggerichten. Zu einem Renner haben sich die Suppen und Eintöpfe entwickelt. Die erste Suppe war eine Erbsensuppe "mit richtig was drin". "Und dann haben wir Suppen verkauft", erinnert sich Helga Meyer. Jetzt kommen in jedem Jahr drei neue dazu.

Das Fleisch stammt von Vieh, das mit Getreide aus eigenem Anbau gefüttert wird: Gerste, Hafer, Roggen, Triticale, Weizen und Mais. Die Tiere aus eigener Aufzucht gehen komplett über die Ladentheke. In der Woche werden zehn Schweine geschlachtet. Die Galloways, wegen der stärkeren Nachfrage, in der Zeit vor Weihnachten. Zugekauft werden noch einige Rinder der Rasse Limousin von der Nachbarin. "E-Färsen oder U-Färsen, gerne mit einer 3-er Fettauflage, das ist superfestes Fleisch", erklärt Björn Meyer, der mit der Fleischqualität eine Nische bedienen will.

Die Tiere werden an eine kleine Schlachterei im 15 km entfernten Wildeshausen geliefert. Dort hat Meyer die Gewähr, dass das Abladen stressfrei verläuft. "Ich bezahle das Doppelte, aber die Qualität ist auch doppelt so gut", ist er sich sicher. Zur Qualitätssicherung gehört auch die Hygiene. Jeden Tag werden die Arbeitsbereiche mehrmals gereinigt, desinfiziert und getrocknet. Damit ist eine Person eine Stunde lang beschäftig. "Die abschließende Reinigung ist Chefsache", sagt Meyer. Das Veterinäramt kommt regelmäßig. "Und die sind sehr zufrieden".
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