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Hof- und Dorfleben

Zarte Bande bei Schlagern geknüpft

von , am
19.02.2013

50 Jahre Göttinger Landjugend - Am 7. März wollen die Landjugendlichen dieses Ereignis in den Rosdorfer Maschhöfen feiern. Was geplant ist, haben wir hier für Euch zusammengefasst.

Ernst Bartens, Gertrud Friedrichs und Heinrich Harriehausen (v.l.) sind Gründungsmitglieder von 1963. © Mühlhausen/landpixel

Zu den Aktiven der ersten Stunde gehörten Ernst Bartens, Gertrud Friedrichs, Dieter Lutze und Heinrich Harriehausen. "Die Weiterbildung für den ländlichen Raum war damals ein großes Thema", erinnert sich Harriehausen, damals Vorsitzender des Vereins. Bereits vor der Gründung gab es regelmäßig Wochenendkurse in der Ländlichen Volkshochschule Mariaspring bei Bovenden, auch das Feiern kam dort nicht zu kurz. Auf den Dörfern der Region gab es einzelne lockere Zusammenschlüsse von Jugendlichen. Mit der Vereinsgründung am 4. März 1963 habe man schließlich allen jungen Menschen einen Verein für ihre Interessen gegeben. Vorausgegangen war in den 50er Jahren bereits die Gründung einer kreisweiten Landjugendgruppe - deren Aktivitäten verliefen sich jedoch schnell.

Die der Göttinger Landjugend nicht. Wöchentlich trafen sich bis zu 30 junge Leute im "Weender Jugendheim", es wurde gesungen und Volkstänze einstudiert. Dazu kam sogar eigens ein vom Landjugendverband Niedersachsen engagierter Tanzlehrer nach Göttingen, erinnert sich Ernst Bartens, damals 20 Jahre alt. Auf keiner Kirmes und keinem Dorffest durften Volkstanzaufführungen der Landjugendlichen fehlen.

Landjugend - das war eine Größe im ländlichen Raum. Nicht nur in Südniedersachsen: "Wir hatten einen regen Austausch mit anderen Landjugendgruppen - aus Jever und Holzminden, aber auch Tschechien und Frankreich", sagt Harriehausen. Der Tanz und die Musik habe damals die jungen Menschen über Sprach- und Landesgrenzen verbunden. So trugen auch die Landjugendlichen in den Nachkriegsjahren ihren Teil zur europäischen Versöhnung bei.

"Höhepunkte waren immer die musischen Treffen, die landesweit stattfanden", erinnert sich Gertrud Friedrichs. 24 Gruppen aus dem damaligen Regierungsbezirk Hildesheim seien 1967 auch nach Göttingen gekommen, um in einem Wettbewerb mit Aufführungen - etwa Sketche, Kabarett, Gesang, Tanz und Jagdhornblasen - gegeneinander anzutreten. Abends wurde dann gefeiert. Freddy Quinn, Harry Belafonte und Elvis standen bei den jungen Leuten hoch im Kurs, auch Schlager wie "Heißer Sand" und "Rote Lippen soll man Küssen". In den späteren 60er Jahren kamen dann die Beatles auf - und mit ihnen ein etwas wilderer Tanzstil. Gemeinsam wurde auch Göttingens erste Disko, die "Walnuß" in der Kurzen Geismarstraße, besucht.

Doch fast alle Landjugendlichen hatten damals auch ihre Pflicht zu erfüllen auf den heimischen landwirtschaftlichen Betrieben. Jedes Dorf hatte damals noch etliche Vollerwerbsbetriebe. "Es war selbstverständlich, dass wir auch nach einer durchgefeierten Nacht am nächsten Tag auf dem Hof mitgearbeitet haben", sagt Bartens.
Die gemeinsame Landjugendzeit war für viele der Mitglieder auch ein Ort des Kennenlernens. Viele lernten ihren Partner fürs Leben auf einer Landjugendfeier kennen. Überhaupt war es selten üblich, dass man mit 18 oder 20 schon einen festen Freund oder Freundin hatte - was nicht heißt, dass man schon mal mit dem anderen Geschlecht angebandelt hatte.

Mit Ende 20 schied man dann gewöhnlich aus der Landjugend aus - häufig bedingt durch Heirat oder die Übernahme des elterlichen Betriebes. Die Bünde wurden lockerer, aber lösten sich nicht: "Wir haben uns nie aus den Augen verloren und bei Veranstaltungen immer wieder gerne an die gemeinsame Zeit zurückgedacht", sagt Harriehausen.
Mit Bedauern haben die Gründungsmitglieder von damals den Abwärtstrend der Göttinger Landjugend in den 90er Jahren verfolgt: Moderne Medien, ein verändertes Freizeitverhalten und der Strukturwandel auf den Dörfern hat dazu beigetragen, dass immer weniger junge Menschen in der Landjugend aktiv waren. Offiziell existiert der Verein zwar noch, aber Aktivitäten finden derzeit nicht statt. Dafür gibt es seit zwei Jahren einen "Arbeitskreis Junger Landwirte", der sich regelmäßig trifft - wenn auch der fachliche Aspekte und nicht das gesellschaftliche dabei im Vordergrund steht.

Frühere Landjugendliche und Interessierte können gerne mitfeiern, nähere Infos bei Heinrich Harriehausen unter 05504/266.
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