Login
Hof- und Dorfleben

"Zickenkrieg" im Storchennest

von , am
01.04.2014

Die Mitarbeiter des NABU-Artenschutzzentrums Leiferde waren überrascht. Am 15. Februar landete Weißstorch Fridolin auf dem Nest. So früh wie nie zuvor. Kaum war Frida eingeflogen, spielten sich Eifersuchtsszenen ab.

Frieda und Fridolin als der Haussegen noch nicht schief hing. © Neumann
Bärbel Rogoschik, Leiterin NABU-Artenschutzzentrums Leiferde, erkennt Fridolin auf einen Blick. Er besitzt auf der linken Seite an einer bestimmten Stelle eine markante schwarze Feder, die eigentlich weiß sein müsste. "Wir gehen davon aus, dass er in Spanien überwintert", so die Leiterin.  Seit 2008 paart er sich mit Frida in dem Nest auf dem Schornstein. In diesem Jahr war alles anders. Er wandelte auf Freiersfüßen.  
Eine neue Storchenfrau, die auf dem Dachfirst des Zentrums gelandet war, weckte sein Interesse. Nach ein paar Tagen durfte sie sogar auf dem Nest stehen und es kam zur Paarung. Kurze Zeit später traf Frida in Lieferde ein und fand ihre Nebenbuhlerin auf dem Nest. Als Ausweichquartier musste die Beobachtungskamera herhalten. Dort begrüßte sie Fridolin erfreut und paarte sich auch mit ihr.

Frida hatte offensichtlich kein Verständnis für die Nesträuberin. Sie flog heftige Attacken gegen das neue Weibchen. Fridolin hielt sich vornehm bis zum Ende des "Zickenkriegs" zurück. Nach einiger Zeit hatte es Frida geschafft. Mit Kratzern am Schnabel ließ sie sich in dem altvertrauten Nest nieder. Das neue Weibchen hatte die Flucht ergriffen.
Das NABU-Artenschutzzentrum kümmert sich nicht nur um Störche sondern ist auch eine Auffangstation für Wildtiere sowie Exoten, die zum Beispiel per Flugzeug nach Deutschland geschmuggelt werden. "Mit 1976 Tieren und 166 Arten sind wir landesweit das größte Zentrum", betonte NABU Pressesprecher Ulrich Thüre. Sein Verband setzt sich auch politisch für sein Wappentier ein. In der Landschaftspflege müssten ausreichend Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, so dass Landwirte ihre Feuchtwiesen regelmäßig mähten und Nahrungshabitate für Störche erhalten.

"Eine Mahd mit Messerbalken ist unbedingt nötig, damit Amphibien auf froschreichen Wiesen nicht dem Mähwerk zum Opfer fallen", betonte Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann in einer Pressemitteilung. Der NABU Niedersachsen forderte die Landesregierung auf, bei der Neuprogrammierung der Agrarförderprogramme ein Aktionspaket zum artenreichen Grünland zu schnüren.

Für die laufende Storchensaison hoffen die Vogelfreunde auf günstige Bedingungen für den Nachwuchs. "Eine längere, kühle Regenperiode würde die Jungstörche gefährden", sagte Ulrich Thüre. Im vergangenen Jahr lebten knapp 600 Storchenpaare in Niedersachsen und Bremen, rund 900 Jungtiere wurden flügge. In dieser Saison könnte ein neuer Rekord geknackt werden, falls die Bedingungen stimmen.
Auch interessant