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Weidetierhaltung

Niedersachsens Weidetierhalter ohne Ruhe vor dem Wolf

Wolf läuft im Wald
In Deutschland und somit auch in Niedersachsen gibt es immer mehr Wölfe. © pixabay
Sabine Hildebrandt, LAND & Forst ,
am
25.10.2017

Viele Weidetierhalter in Niedersachsen sind angesichts der von Wölfen verursachten Schäden frustriert. So auch Andrea Herold aus Inzmühlen (Kreis Harburg).

150 Wölfe durchstreifen täglich Niedersachsen. Sie fressen Schafe, Kühe und Kälber. Die Weidetierhalter fühlen sich allein gelassen. So geht es auch Schäferin Andrea Herold aus Inzmühlen (Kreis Harburg).

Wenn abends das Telefon klingelt, ist Andrea Herold schon in Alarmstimmung.„Dann kann nur was mit der Herde sein“, sagt die Schäferin. Vor einer Woche war es wieder so weit.

Der Anruf kam gegen 20.30 Uhr aus Wehlen, südlich von Handeloh. „Eure Schafe flitzen unruhig durch den Pferch“, meldete sich ein Nachbar und hatte schon einen Scheinwerfer aufgestellt. 15 Minuten später waren Andrea und Hermann Herold am Gatter.

470 Schafe in Panik vor dem Wolf

So was habe sie noch nie gesehen. Die ganze Herde sauste wie ein Bienenschwarm von einer Ecke zur anderen. Der Zaun drohte zu bersten, so heftig drückten die 470 Schafe dagegen.

Als Auslöser für die Panikreaktion vermutet sie einen Wolf, den der Nachbar auch am Waldrand gesehen hatte. Seit einiger Zeit gibt es in Wehlen ein Rudel mit sieben Welpen.

Schafe schützen Niedersachsens Lüneburger Heide

Die Herolds sind mit ihren Schnucken und Ziegen auf Flächen des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) unterwegs, die sie gepachtet haben. Mit ihrem Verbiss verhindern die vierbeinigen Landschaftspfleger das Auftreiben von Büschen und Bäumen. Sie erhalten den typischen lilafarbenen Blütenteppich.

Umfasste die Herde früher 750 bis 800 Schnucken mit Ziegen, so sind es jetzt noch 420. „So klein war unser Bestand noch nie“, sagt Andrea Herold. „Wir mussten schon 50 Muttertiere dazu kaufen, damit wir die Landschaftspflegeverträge erfüllen können.

29.000 Euro Schaden durch den Wolf in diesem Jahr

Allein in diesem Jahr haben die Herolds nach dem Auftauchen von Wölfen bereits einen Schaden von 29.000 Euro: 15.000 Euro durch Totgeburten von Lämmern und verendeten Muttertieren und 6.000 Euro für den Kauf von Muttertieren, um die notwendige Altersstruktur in der Herde zu erhalten. „Vier Schnucken wurden bisher vom Wolf totgebissen“, bedauert Andrea Herold.

25 Hektar per Zaun vor dem Wolf geschützt

Hinzu kommen die Kosten für Schutzzäune, um die Tiere nachts einzupferchen. 25 Hektar Grünland- und Heideflächen wurden eingezäunt. Dazu musste der Zaun 1,20 Meter über dem Boden und 30 Zentimeter unter der Erdoberfläche installiert werden.

Vom Land Niedersachsen erhalten die Schäfer 80 Prozent der Kosten erstattet - auf 20 Prozent und den kompletten Baukosten bleiben die Tierhalter sitzen.

Eine Übersicht mit den Wolfsvorkommen in Niedersachsen können Sie hier herunterladen...

Lesen Sie in der LAND & Forst 43/17 von dem persönlichen Brief, den Schäferin Andrea Herold an Ministerpräsident Stephan Weil geschrieben hat. Außerdem bieten wir dort Fakten zum Wolf in Niedersachsen und zwei Kommentare der LAND & Forst-Redakteurinnen Vienna Gerstenkorn und Sabine Hildebrandt.

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Mit Material von Christa-Maria Brockmann
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