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Wird 2013 das teuerste Heizöljahr?

von , am
24.07.2013

Deutschland gehört neben den USA zu den größten Heizölverbrauchern der Welt. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 18 Mio. t Heizöl abgesetzt. Auch für 2013 werden diese Mengen erwartet.

Wer jetzt Öl bestellt, muss sich auf hohe Preise einstellen. © Agravis Raiffeisen AG
Wichtigste Gründe für die deutliche Reduzierung der Absatzmenge, sind der Einsatz effizienterer Ölbrenner, die milderen Winter und der Wechsel zu anderen Heizarten. Bereits seit Jahren hat die staatlich geförderte Einführung von Erdgas und Fernwärme die Nutzung von Ölheizungen auf den zweiten Platz verdrängt. Künftig wird sich dieser Trend weiter verstärken. So liegt der Anteil von Ölheizungen, die in Neubauten installiert werden, mittlerweile bei weniger als 2 %. Gebäudesanierungen unter energetischen Aspekten sowie die Installation neuer Brennwertkessel senken den Ölverbrauch stetig.

Die Ölpreisentwicklung

Die Rohölpreise (Brent) verließen 2004 ihre langfristige Bandbreite von zehn bis 30 Dollar pro Barrel und setzten sich in den vergangenen zwei Jahren - trotz zahlreicher Krisen auf den Finanzmärkten, konjunktureller Schwächen und eines Überangebots aus den USA - bei über 100 Dollar pro Barrel fest.

Im April 2013 gaben die Ölbörsen allerdings kurzfristig nach. Brent handelte in einer Bandbreite von 96,75 und 111,79 Dollar pro Barrel, Gasoil von und 815,50 Dollar pro 100 Tonnen. Zudem konnte sich der Euro stark erholen. Handelte er Anfang April noch mit 1,2746 Euro je Dollar, wurde er zum Ende des Monats mit 1,3202 Euro je Dollar gehandelt. Aufgrund dessen sank der Heizölpreis im Frühling auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2011. Dies führte zur höchsten Heizölnachfrage der vergangenen 14 Monate. Der Absatz von leichtem Heizöl stieg im April 2013 auf mehr als 2 Mio. t - eine Steigerung gegenüber April 2012 von 100 %.

Ein beachtenswerter Aspekt ist zudem der lange und kalte Winter. Einige Heizölkunden taktierten bis zum "letzten Tropfen" und wurden im April zu einem kurzfristigen Nachkauf gezwungen. Konkret hieß das, dass die Heizölpreise im April mit etwa 83 €/100 Liter bei einer Abnahmemenge von 3.000 Liter sechs Euro unter den Preisen aus 2012 lagen. Dieser Preiseffekt wurde einerseits durch den weitaus höheren Verbrauch und andererseits durch den Trend zu kleineren Bestellmengen bei privaten Haushalten mehr als wettgemacht. Insgesamt wurden in der Periode Januar bis April 6,9 Mio. t Heizöl verkauft (2012: 5,6 Mio. t). Der Preisaufschlag für eine 1.000-Liter-Bestellung gegenüber einer 3.000-Liter-Standardorder lag bei durchschnittlich 3 bis 5 %. Durch diesen Effekt kann das Jahr 2013 zum teuersten "Heizjahr" für den deutschen Heizölverbraucher werden. Denn die aktuelle Heizölbevorratung der bundesweiten Haushalte liegt nur bei etwa 55 %. Eine erneute Nachfrage seitens der Verbraucher zum Herbst ist daher unumgänglich.

Das aktuelle Preisniveau befindet sich derzeit wieder knapp unter dem Höchststand von 2013 und liegt derzeit bei 108 Dollar pro Barrel (Brent) und 920 $ pro 100 t (Gasoil). In welche Richtung sich der Ölpreis entwickeln wird, lässt sich nicht verbindlich prognostizieren, da er weiterhin stark durch internationale, politische und finanzpolitische Rahmenbedingungen und Faktoren geprägt sein wird. Hierzu zählt z.B. die Inbetriebnahme von Raffinerien in den USA. Folglich gibt es eine erhöhte Rohölverarbeitung bei gleichbleibender Nachfrage. Die Lagerbestände an Fertigprodukten wie Heizöl, Dieselkraftstoff und Ottokraftstoffen werden somit steigen. Mittelfristig würde dies für fallende Preise am internationalen Markt sprechen.

Was spricht dagegen?

Dagegen sprechen jedoch die Spekulationen an den Börsen. Gelegentliche Streiks an wichtigen Ölpipelines wie in Nigeria oder der Putsch in Ägypten geben Spekulanten Anreize, an den Börsen Long-Positionen einzunehmen, um diese gewinnbringend wieder zu verkaufen. Die Risikoprämien fließen in den Produktpreis mit ein. Weiterhin stehen die Ölbörsen in enger Wechselwirkung mit den Aktien- und Goldkursen. Banken, Hedgefonds und andere Händler an den Börsen legen ihre Gelder seit einigen Jahren verstärkt in den Handel mit Ölfutures ("Papieröl") an.

In Deutschland werden die Preise im Wesentlichen durch internationale Faktoren und die inländische Nachfrage beeinflusst. Weitere Einflüsse können z.B. die Wasserstände der Flüsse sein. Alle Faktoren sorgen für höhere Kosten beim Verbraucher. Trotzdem gilt: Sparen lässt sich immer ab einer Abnahmemenge von 2.500 l Heizöl pro Verbraucher, da dann die Aufschläge nicht mehr zum Tragen kommen.
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