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Abweicher im Herbst selektieren

von , am
22.10.2013

In Niedersachsen sind rund 701 ha Winterraps und Winterrübsen zur Anerkennung für die Ernte 2014 angemeldet. Alle Feldbestände müssen aber bereits im Herbst einmal besichtigt werden.

Hybridraps-Vermehrung im Streifenanbau von Mutter- und Vaterlinie. © Thiel/Preuß
Die Vermehrungen für Winterraps sind derzeit unterschiedlich entwickelt. Manche Bestände sind gleichmäßig und gut entwickelt; vielerorts jedoch zeigen die Bestände ein ungleichmäßiges Bild, oft bedingt durch verzettelten Auflauf.

Die Feldbesichtigung der Winterölfrüchte beginnt ab 29.10.2013. Bei konventionellen Sorten (Liniensorten) sind mindestens zwei Feldbesichtigungen erforderlich, wovon eine im Herbst stattfindet, die zweite folgt dann zur Blüte im Frühjahr. Noch drei weitere Besichtigungen kommen hinzu, wenn es sich um Hybriden handelt: nämlich eine zu Beginn der Blüte, eine zur Vollblüte und eine nach der Blüte zur Kontrolle des Schlegeltermines der Vaterlinie.

Bei den zur Anerkennung angemeldeten Winterölfrüchten zur Ernte 2014 handelt es sich um 679 ha Winterraps und 22 ha Winterrübsen. Der Umfang der hiesigen Vermehrung sagt allerdings nichts über den Anbauumfang aus und zeigt auch keine Trends an, denn gerade bei Winterölfrüchten wird aufgrund der lang anhaltenden, hohen Keimfähigkeit meist die Aussaat aus überjähriger Ware bestritten; zudem sind die Vermehrung und der Markt von Rapssaatgut - anders als z. B. bei Saatgetreide - in höherem Maße grenzüberschreitend.

Worauf ist zu achten?

Der Vermehrungsschlag muss zur eindeutigen Identifizierung beschildert sein; Angaben über Fruchtart, Sorte, Größe und Bezeichnung des Schlages, beantragte Kategorie, Name und Anschrift des Vermehrers sind erforderlich. Bei Fehlen des Schildes erfolgt eine gebührenpflichtige Nachbesichtigung (90 Euro pro Vorhaben).

Bei Winterraps sind zur Vermeidung von Fremdbefruchtung  Mindestabstände zu anderen Rapsschlägen einzuhalten: bei Hybrid-Sorten (männlich sterile Mutterlinie) 500 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 300 m bei Z- Saatgut; bei Linien-Sorten 200 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 100 m bei Z-Saatgut. Die Einhaltung dieser Mindestabstände wird vom Feldbesichtiger ebenso überprüft wie die saubere Abtrennung  zu sonstigen Mähdruschfrüchten.

Hybridvermehrungen sind im Streifen-Anbau angelegt: es wechseln breitere Streifen von Mutterpflanzen mit schmaleren Streifen von Vaterpflanzen; hier muss die Trennreihe zwischen Vater- und Mutterlinie mindestens 80 cm bzw. die doppelte Reihenweite bei Einzelkornsaaten betragen. Gleichermaßen muss dieser Abstand auch zum Vorgewende und ggf. zu einem keilförmig verlaufenden Schlagteil eingehalten sein, damit jegliche Sorten- bzw. Linienvermischungen zur Ernte ausgeschlossen werden können.

Sind nur Teilbereiche der Fläche für die Vermehrung geeignet, muss die Abtrennung des Vermehrungsteiles vor der ersten Besichtigung erfolgen. Hier muss die Abtrennung mindestens 40 cm betragen. Zur Risikoverminderung kann aber der gesamte Schlag zur Vermehrung angemeldet werden; die Abtrennung mit "Zurückziehung" eines Teils der Fläche erfolgt dann im Frühjahr vor der zweiten Besichtigung. Weitere Details zur Anlage der Vermehrungen finden sich in den Rundschreiben bzw. den Richtlinien zur Feldbesichtigung. Erforderliche Nachbesichtigungen sind mit 90 Euro gebührenpflichtig.

Den Herbst nutzen

Der Herbst eignet sich hervorragend, um auftretende Sortenabweicher, die sich zum Beispiel in Bereifung oder Lappung von der vermehrten Sorte unterscheiden, mit geringem Aufwand zu beseitigen. Gleiches gilt auch für Aufschlag mit Rübsen in Raps oder umgekehrt. Diese sind aufgrund ihres Habitus gut erkennbar; bei feuchter Witterung oder Taubildung zeigen die Rapspflanzen abperlendes Wasser in ausgeprägter Form im Gegensatz zu den Rübsen.

Hinsichtlich der Sortenreinheit darf der Feldbesichtiger in seinen Auszählungen im Durchschnitt maximal fünf abweichende Typen bei Vorstufen- bzw. Basis-Vermehrungen und 15 abweichende Typen in Z-Vermehrungen vorfinden, ansonsten gilt der Bestand als ohne Erfolg feldbesichtigt und das Verfahren kann nur nach erfolgreicher Bereinigung und nachfolgender Nachbesichtigung fortgesetzt werden. Gleichzeitig achtet der Feldbesichtiger auf bestimmte Unkräuter oder andere Pflanzenarten, deren Samen sich vom Raps- bzw. Rübsen-Saatgut nur schwer unterscheiden lassen bzw. auf solche, deren Samen sich schwer herausreinigen lassen.

Dazu gehören zum Beispiel Schwarzer Senf, Weißer Senf, Sareptasenf und Ackersenf sowie Ölrettich, Futterkohl, Stoppelrübe und außerdem Klettenlabkraut und kleinsamige Wickenarten wie viersamige Wicke, rauhaarige Wicke, schmalblättrige Wicke. Auch für diese Arten dürfen festgelegte Grenzwerte in den Auszählungen nicht überschritten werden. Wurde die Herbstbesichtigung erfolgreich abgeschlossen, wird mit Beginn der Blüte das Verfahren fortgesetzt. Hier stehen dann erneut die Sortenreinheit und zusätzlich bei Hybridsorten die Überprüfung der Sterilität bzw. Fertilität im Vordergrund.
Zum Erntejahr 2014 wird die Anerkennungsstelle die Feldbestandsprüfung aller Mähdruschfrüchte mit Hilfe von Smartphones durchführen lassen. Die Feldbesichtigungsergebnisse werden per E-Mail versendet. Jeder Verfahrensbeteiligte kann seine Daten auch im Internet-Bereich der Kammer aktuell einsehen und herunterladen.
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