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Grünland

Ackergras ernten, doch beim Grünland noch warten

Gruenland-Reifepruefung
Gerd Lange, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
am
25.04.2019

Das seit Mitte April vorherrschende Wetter bietet ideale Bedingungen für die Grasernte. Wie sich die Bestände in Niedersachsen entwickelt haben.

Das gute Wetter sollte für die Ernte der Feldgrasbestände genutzt werden. Grünland hat aber noch Zeit, wie die Prognosen zeigen.

Am 15. und 16. April wurden erstmals alle 22 Standorte der Grünlandreifeprüfung in Niedersachsen beprobt. Die sechs Ackergrasstandorte und 16 Dauergrünlandbestände profitierten von günstigen Niederschlägen im Zeitraum März bis April. Allerdings lässt die aktuelle Wetterlage bereits wieder Wassermangel für die kommenden Wochen erahnen. Die Vegetation zieht nun viel Feuchtigkeit aus dem Boden und Niederschläge sind dringend notwendig, um ertragreiche Folgeschnitte zu fördern.

Ergebnisse Ackergras

Eine Entwicklung der Ackergrasbestände war bei den sehr kühlen Tagen und Nächten der vergangenen (15. KW) Woche kaum gegeben, die Rohfaserwerte stagnierten unter diesen Bedingungen. Dennoch konnte in den Klimaregionen ein deutlicher Ertragszuwachs festgestellt werden, wodurch die Rohproteingehalte in der Pflanze absinken.

Günstige Wetterlage

Mit Blick auf die aktuell sehr günstige Wetterlage für ein rasches Anwelken und Silieren ohne Sickersaftbildung waren einzelne Bestände in der Region Westliches Niedersachsen mit knapp unter 20 % Rohfaser in der Trockenmasse (TM) und Erträgen von etwa 40 dt TM/ha für den Grassilageschnitt bis Ostern geeignet.
Für die allermeisten Ackergrasbestände war jedoch ein Abwarten bis nach Ostern ratsam, da sich die Wetterlage in den folgenden zehn Tagen kaum ändert.

Frisch gemähtes Ackergras

Die Prognose des DWD zeigt in der aktuellen Woche bis 24. April eine sehr starke Ertragsentwicklung. Die Rohproteingehalte (XP % i.T.) fallen dadurch deutlich ab, obwohl die meisten Bestände erst zum Wochenende 26. bis 28. April die geforderten Rohfasergehalte ab 21% XF i.T. erreichen. Eine in dieser Woche vorgezogene Ernte der noch jungen, aber ertragreichen Ackergrasbestände ist mit Blick auf die günstigen Anwelkbedingungen und zur Schonung der Bodenfeuchtevorräte durchaus anzuraten.

Ergebnisse Grünland

Für das Dauergrünland wurden in der zurückliegenden Woche 16 Standorte beprobt. In den Klimaregionen Nordöstliches Niedersachsen (Region III) wurde nur ein intensiv geführter, weidelgrasreicher Grünlandbestand untersucht. In den weiteren Klimaregionen sind entsprechend der dort größeren Bedeutung von Intensivgrünland jeweils zwei bis fünf Standorte vertreten.

  • In unseren Prognoseflächen konnten sich die Grünlandnarben gut erholen, auch weil regelmäßig Nachsaaten erfolgen. Bei Aufwuchshöhen um 10 bis 20 cm wurden in den vergleichsweise dichten Grünlandnarben am 16. April zwischen 11 bis 21 dt TM/ha ermittelt.
  • Die Reifeentwicklung ist mit Rohfasergehalten von 15,0 bis 16,4 % XF i.T. noch sehr einheitlich. Der Energiegehalt lag Mitte April bei > 7,2 bis 7,5 MJ NEL und kann mit Milchvieh bereits sehr gut für eine Weidemilchproduktion genutzt werden.
  • Entsprechend hoch sind die Rohproteinwerte mit 23,1 bis 25 % XP i.T., wovon ein nicht unwesentlicher Anteil als NPN- Verbindung vorliegen dürfte. Die hohen Rohproteingehalte sollten bei Weidehaltung durch Zufütterung abgepuffert werden.

Der Deutsche Wetterdienst hat für die aktuelle Woche mittlere Tagestemperaturen von 13 bis 15° C bei sonniger Witterung angekündigt. Darauf basiert auch die aktuelle Prognose für Grünland bis zum 24. April. Zur Einordnung der Prognose ist folgendes zu beachten:

Einordnung der Prognose

Bei unseren ersten Probeschnitten ergibt sich aufgrund der geringen Stoppelhöhe bei hohem Blattmasseanteil eine tendenziell eher geringe Schnitthöhe von etwa 4 cm. Die in der Praxis anzustrebende Schnitthöhe liegt in der Regel über diesem Niveau, so dass die hier angegebenen Werte für die aktuelle Woche bei normaler Schnitthöhe (6 bis 8 cm) auch ein paar Tage später als angegeben noch erreicht werden.

Bei täglichen Ertragszuwächsen von 1,2 bis 1,6 dt TM/ha in den Regionen wird nun von einer Zunahme des Rohfasergehaltes um 0,15 bis 0,2 % (XF %i.TM) ausgegangen. Bis 24. April liegen die Rohfasergehalte in den Regionen bei 16,3 bis 17,5 % XF i.T. Trotz der fehlenden Niederschläge wird seitens des DWD eine weiterhin günstige Ertragsentwicklung mit 23,2 bis 32,9 dt TM/ha zum 24. April prognostiziert. Aktuell befinden sich die Grünlandbestände in der Weidereife. Das Silieren von Grünlandbeständen für Milchvieh ist erst im Verlauf der folgenden zwei bis drei Wochen zu erwarten.

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