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Sonderthemen

Alles dreht sich um die Nährstoffe

von , am
12.02.2014

Der Grünlandtag 2014 erfreute sich großen Zuspruchs. Thematischer Mittelpunkt war das Nährstoff-management in Grünlandbetrieben, gewürzt mit einem "Schuss Politik". Nachfolgend eine erste Zusammenfassung.

Preisträger Silagewettbewerb, Auszeichnung in Harsefeld (v.l.n.r.): Petra Both-Schulz, Heinz Cohrs, Malte Matthies, Ottfried Homann, Frank Walter, Banse, Cord Quellhorst, Heiner Lindemann, Otten, Wilfried Lohmann und Arndt Meyer zu Wehdel (Präsident der Landwirtschaftskammer). © Kahnt-Ralle
Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Arndt Meyer zu Wehdel, fand bei der Eröffnung des 62. Grünlandtages vergangene Woche  deutliche Worte: Es sei nicht richtig, prangerte er an, dass alle Landwirte, auch die Grünlandwirte, in Zukunft nur noch 170 kg N aus organischen Wirtschaftsdüngern je Hektar ausbringen dürften, nur weil in den Veredlungs/Biogas-Hochburgen des Weser-Ems-Gebietes Betriebe ihre Baugenehmigung auf der Grundlage der ordnungsgemäßen Gülle/Gärrestverbringung  über z.B. Güllebörsen erhalten hätten, dann aber die Verbringung der organischen Dünger nicht ordnungsgemäß erfüllten. Meyer zu Wehdel: „Wir wollen, dass die Grundlagen der Baugenehmigungen auch eingehalten werden“. Vorher sieht er keine Chance, dass es für Grünlandbetriebe wieder eine Ausnahmeregelung (230-kg-Regelung) geben wird. Hinsichtlich der Nährstoffverteilung dürfe die Landwirtschaft "nicht immer hinter dem Geschehen herlaufen", sondern müsse wieder in eine Position kommen, aus der heraus sie das Geschehen (z.B. Düngeverordnung) mit beeinflussen könnte.

Beim diesjährigen Grünlandtag, der an beiden Standorten Harsefeld und Papenburg für "volles Haus" sorgte, drehten sich die meisten Vorträge um die optimale Nährstoffversorgung und -verteilung.  Dr. Frank Lorenz von der LUFA Nordwest fragte die Landwirte, ob sie folgendes sofort beantworten könnten:
  • Stimmen die Mineralstoffgehalte in der Futterration?
  • Kennen Sie die Nährstoffgehalte Ihrer Gülle?
  • Sind der pH-Wert und die Nährstoffgehalte auf dem Grünland optimal eingestellt?
Einhundert Kühe plus Nachzucht würden in einem Grünlandbetrieb pro Jahr Nährstoffe im Wert von gut 16.000 € ausscheiden, im Futterbaubetrieb ein Drittel weniger, unterstrich Lorenz.  Davon entfallen jeweils gut 7.000 € auf N und K2O sowie 2.000 € auf P2O5. Bislang werde aber nur ein Viertel der 20.000 Grassilageproben bei der LUFA auch auf Mineralstoffe hin untersucht.

Die Schwankungsbreite der Nährstoffgehalte in Gülle (z.B. bei Stickstoff von unter 2 bis über 6 kg/m3, Kali von unter 1 bis 7 kg/m3)  sei bemerkenswert.  Keine gute Grundlage, nur mit Faustzahlen zu kalkulieren, zumal bei Kalium die Faustzahl von 5,5 kg Kalium pro m3 Rindergülle aufgrund aktueller Untersuchungen auf 4,0 kg nach unten korrigiert werden müsse, so Lorenz.  Die Kaliumversorgung der niedersächsischen Grünlandstandorte läge bei 18 % der Moorstandorte, bei 38 % der Sandböden  und sandigen Lehmböden sowie bei 31 % der Marschgrünlandstandorte in den Versorgungsklassen A und B.  Bei der regionalen Verteilung der Kaliumversorgung zeigte Lorenz in Harsefeld und Papenburg auf, dass gerade die Marschböden entlang der Küste eher in den Stufen A und B liegen.  
Kaliverarmung

In den Grassilagen spiegelt sich die Bodenversorgung nicht wieder, hier lägen die Kaliumgehalte in dem gewünschten Rahmen. Trotzdem sprach Lorenz von einer "schleichenden Kaliverarmung" der Böden, vor allem in Futterbaubetrieben,  und davon, dass eine Begrenzung der Güllegaben auf Grünland hier ohne mineralischen Ausgleich weiter negativ wirken könnte.  Bei den pH-Wert-Klassen zeigt sich, dass sich bei Marschgrünland (56 % in Klasse A und B) auch ein gewisser Nachholbedarf andeutet. Bei der Phosphorversorgung liegen insgesamt 30 % der untersuchten Grünlandböden in den Gehaltsklassen A und B.  Auch bei Phosphor machte Lorenz auf eine Absenkung der Faustzahl von 2,0 kg Phosphor je m3 Rindergülle auf 1,7 kg aufmerksam.  Bei hohen Düngerpreisen werden die Güllenährstoffe (vor allem Ammonium-N und organisch gebundener N) immer wertvoller. Aber auch beim Ammonium-N ist die Faustzahl von 50 %-Anteil am Gesamt-N in der Rindergülle auf 40 %-Anteil abgesenkt worden.  Wegen der teils starken Schwankungen der Nährstoffe in Gülle sollten Praktiker der eigenen Gülle durch Nährstoffuntersuchungen mehr Rechnung tragen, rät Lorenz. Während die Schnellbestimmung von Ammonium-N in der Praxis ganz gut funktioniere, könne man das von online-Messungen noch nicht behaupten. Am Schluss appellierte Lorenz an die Praktiker, sich im Jahr ein bis zwei Stunden Zeit zu nehmen, um sich über die eigene Nährstoffsituation (Boden, Gülle, Silage) einen Überblick zu verschaffen.

Gülle aufs Grünland

Wer seine Güllenährstoffe über hochwertige Grasbestände (gute Pflege und Nachsaat!) verwertet, tut viel für die Umwelt (CO2-Fingerabdruck, niedriges NO3-Verlagerungsrisiko) und schont seinen Geldbeutel beim Kauf von Mineraldünger. Darauf machte Gerd Lange, Grünlandreferent der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, aufmerksam. Über einen Zeitraum von neun Monaten (mehrschnittige Futterpflanzen) könne die Gülle auf Grünland letztendlich besser verwertet werden als auf dem Maisacker.

Nachteilig sei der Stickstoffverlust über die Emission von Ammonium-N unter anderem bei der Gülleausbringung. Wie Lange darstellte, können durch das Schleppschuhverfahren die Ammoniakverluste gegenüber der Breitverteilung mehr als halbiert werden. Außerdem sei bei genaueren Ausbringverfahren mit einer besseren Querverteilung und infolgedessen mit höheren Erträgen zu rechnen.   Die Ertragsunterschiede zwischen den Gülleausbringverfahren nehmen zu, wenn die Gülle bei ungünstiger Witterung (trocken-warm) ausgebracht wird. Die Breitverteilung schneidet dann deutlich schlechter ab, als die Exaktverteilung (Schleppschuh, Schlitzverfahren). Um Nährstoffverluste aus der Gülle zu vermeiden, müsse die Ausbringung auch bei passender  Witterung stattfinden und die Gülle gut homogenisiert und damit gut fließfähig sein.

Auf dem Grünlandtag wurden wieder die Preisträger des Silagewettbewerbs geehrt, dazu mehr in einer späteren Ausgabe:
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