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Getreide

Bauern müssen sich mehr einmischen

von , am
19.09.2014

Bei der Qualitätsweizentagung ging es in diesem Jahr besonders um die Gelbrost-Kalamität im Getreide. Welche Themen die Fachleute außerdem diskutierten, lesen Sie hier.

Die Gelbrostrasse Warrior hat in anfälligen Weizensorten für erhebliche Ertragseinbrüche gesorgt. © Raupert

Auch wenn in den Sortenversuchen der Kammer bewährte Weizensorten wie JB Asano, Primus, Inspiration oder auch neue Sorten wie Edward und KWS Loft oder Landsknecht ihre höhere Anfälligkeit gegenüber der neuen Gelbrostrasse Warrior mit Ertragsrückgängen bezahlen mussten, heißt das nicht, das auch die Praxis mit diesen Sorten Schiffbruch erlitten haben muss. Hier wird ein anderes, oftmals sehr intensives Spritzprogramm mit Fungiziden gefahren, was Schlimmeres verhindern konnte.

Entscheidend waren in 2014 frühzeitige Kontrollen und Fungizidapplikationen, gerade in den anfälligen Sorten. Wie einzelne Berater mitteilten, wurden oft schon erste Krankheitssymptome ausgehend von den Feldrändern sehr früh im März entdeckt. Wer hier aufmerksam war, und rechtzeitig mit einem wirkungsstarken Fungizid kam, konnte das nachfolgende Krankheitsgeschehen beruhigt verfolgen.

Neue Gelbrostrasse

Wie der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Qualitätsweizenanbau, Andreas Lege, auf der Vortragstagung der AG in Hildesheim betonte, hat in den vergangenen Jahren zehn Jahren ein kompletter Gelbrost-Rassenwechsel stattgefunden. In 2014 hat die Warrior-Rasse zugeschlagen, und dabei dürfte es nicht bleiben. Limagrain-Weizenzüchter Mike Taylor wies darauf hin, dass in angrenzenden Gebieten bereits weitere Rassen (eventuell Sterling) beobachtet wurden. Taylor ist aber zuversichtlich, dieses Problem mit züchterischen Mitteln zu lösen, da es schon heute Sorten gebe wie z.B. Tobak, die gegen alle bekannten Gelbrostrassen resistent seien.

Auch das Bundessortenamt hat laut Lege auf die neue Situation reagiert und Weizensorten hinsichtlich ihrer Anfälligkeit gegenüber der neuen Gelbrostrasse neu klassifiziert. Danach wurde z. B. JB Asano von 5 auf 7 heraufgesetzt, der bisher als hoch anfällig eingestufte Meister dagegen aufgrund der neuen Daten von 8 auf 6 heruntergestuft.
In Niedersachsen haben in 2014 die A- und B-Weizensorten das Feld dominiert. Der A-Bereich lag bei 37,1 % (Vorjahr 45 %), das B-Segment bei 34,3 % (28,6 %) und das C-Segment bei 25,4 %. Bei der Sortenwahl sollte neben dem Ertrag, der Gesundheit und der Qualitätseinstufung auch die Winterfestigkeit beachtet werden, riet Lege. In diesem Merkmal überzeugen z. B. Julius, Opal und Elixer. Weniger gut schneiden hier die Sorten Hermann, Orcas, JB Asano, Meister und Potenzial ab.  

Ährenfusarium war 2014 kein Thema, weil es zur Blüte zu kühl war. Dennoch sollten hier vor allem die Risikofaktoren beachtet werden, die direkt beeinflusst werden können. Dazu zählen insbesondere die Vorfrucht (hohe Gefährdung bei Vorfrucht Mais, geringes Risiko bei Raps), die Bodenbearbeitung (Pflug oder pfluglos) und die Sortenanfälligkeit (als hoch anfällig gilt z. B. Tobak, als gering anfällig Opal und Anapolis). Laut Lege kann das Risiko reduziert werden, wenn die Maisstoppeln nach der Ernte effektiv zerkleinert und eingearbeitet werden.

Zur Aussaat 2014 empfiehlt die Kammer aus dem E-Segment die Sorten Kerubinio und Bernstein. Bei den A-Sorten sollten die Bauern vorzugsweise JB Asano (hohe Intensität fahren), Cubus, Julius oder Linus (extreme Fallzahlschwäche) anbauen. Zur Probe käme auch RGT Reform in Frage. Unter den B-Sorten seien Smaragd (höhere Fusarium Anfälligkeit, Mulan, Rumor und Matrix (Fallzahlschwäche) erste Wahl. Im C-Segment empfahl Lege neben Lear und Elixer auch die neue Sorte Anapolis (weniger winterhart). Zur Probe könnten ferner auch noch die neuen Sorten Landsknecht, Ohio (Fusarium-Schwäche)und Sarmund ausgesät werden. Als Wechselweizen komme KWS Chamsin in Betracht.

Trübe Aussichten

Die Auswirkungen der europäischen Pflanzenschutzgesetzgebung auf den Ackerbau beschrieb in Hildesheim IVA-Geschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler. Er wies darauf hin, dass durch die neue Pflanzenschutzgesetzgebung massive Wirkstoffverluste drohen. Starke Auswirkungen werden hier durch die Anwendung der Cut-off-Kriterien erwartet. So will man die Mittel zukünftig nicht mehr nach Risiko, sondern nur nach ihrer Gefahr einstufen. Danach könnte man auch Kochsalz verbieten, weil es in höherer Dosis gesundheitsschädigend sei. Im Getreidebau hätte die Anwendung dramatische Folgen, weil neun der zehn meistverkauften Produkte wegfielen. Die zweite Baustelle sei die Bienenleitlinie, die mit realitätsfernen Vorgaben die Zulassung neuer oder die Wiederzulassung alter Insektizide praktisch unmöglich mache.

Weitere Probleme drohen, wenn EU-weit die vergleichende Bewertung und Substitution umgesetzt wird. Das würde bedeuten, dass zugelassene Wirkstoffe ersetzt werden, wenn unbedenklichere Wirkstoffe mit gleicher Wirkung zur Verfügung stehen, berichtete Koch-Achelpöhler. Das Kritische an der Situation sei, dass aus der Industrie aufgrund der hohen Kosten und Auflagen nicht mehr so viele neue Wirkstoffe nachgeliefert werden wie von Brüssel gestrichen werden.

Der Druck auf die Landwirte wächst also. Um dieses Szenario abzuwenden, sollten sich alle Anwender und Berater in die öffentliche Diskussion einbringen und aktiv den Nutzen von Pflanzenschutzmitteln betonen.
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