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Kartoffelanbau

Beizschutz bei Kartoffeln: Furchenbehandlung ist die beste Wahl

Silberschorf-Kartoffeln-Beizung
Jürgen Pickny und Dr. Luitpold Scheid von der LWK Niedersachsen
am
27.02.2018

Die Beizung von Pflanz- und Speisekartoffeln ist wichtig, um Krankheiten vorzubeugen. Warum an der Furchenbehandlung kein Weg vorbei führt, lesen Sie hier.

Zur Bekämpfung von Rhizoctonia solani hat die Furchenbehandlung die klassische Knollenbeizung als Standardmethode abgelöst. Versuche zeigten jetzt, dass sich mit dem Fungizid Ortiva, beim Legen der Kartoffeln auf die Furche gespritzt,

  • neben Rhizoctonia
  • auch der Knollenbefall mit Silberschorf und Colletotrichum bekämpfen lässt.

Hier zunächst eine Kurzfassung der Versuchsergebnisse:

  • Die Furchenbehandlung mit Ortiva ist im Qualitätskartoffelanbau Standard.
  • Der Befall mit Silberschorf, Colletotrichum und Rhizoctonia an der Knolle wird gesenkt.
  • Der Marktwarenertrag steigt deutlich.
  • Nachteilig ist neben der Dränauflage die mangelnde Verträglichkeit von Ortiva.
  • Auflaufverzögerungen bzw. Fehlstellen können leicht mit Pflanzgutbedingten Auflaufproblemen verwechselt werden
  • Zur sicheren Ursachenforschung sollte man Nullparzellen ohne Beizung anlegen.

Was Sie zum Silberschorf an Kartoffeln wissen sollten

  • Der Erreger des Silberschorfs tritt nur an den Knollen auf. Befall lässt sich zur Ernte nicht oder nur als schwach verfärbte Flecken erkennen.
  • Da die Symptome zu diesem frühen Zeitpunkt oft sehr unauffällig sind, werden sie leicht übersehen oder nur nach dem Waschen der Knolle wahrgenommen.
  • Bei später Ernte können bereits beim Einlagern die typischen Silberschorfsymptome auftreten.
  • In der Regel entwickeln sich die Symptome erst während der Lagerung, sodass der Silberschorf eine echte Lagerkrankheit ist.
  • Eine sichere Diagnose ist nur mit einer ausreichenden Vergrößerung möglich. Dann lassen sich dunkle Sporenträger auf den Befallsstellen erkennen.

Wie sich die Colletrichum-Welkekrankheit auf Kartoffeln auswirkt

Auch der Erreger der Colletotrichum-Welkekrankheit (Colletotricum coccodes) verursacht auf der Knollenschale Symptome:

  • Die hell- bis dunkelgrauen, unregelmäßig geformten Flecke sind leicht mit Silberschorf zu verwechseln.
  • Eine sichere Diagnose ist nur mit guter Optik (25-fache Vergrößerung) möglich. Es lassen sich dann dunkle, etwa 0,2 bis 0,5 mm große Punkte erkennen. Diese sklerotienartigen Gebilde sind mit dunklen Borsten besetzt und haben somit ein völlig anderes Aussehen als die Sporenträger des Silberschorfs.
  • Im Gegensatz zum Silberschorf kann Colletotrichum auch das Wurzelsystem zerstören und dadurch die Welke einzelner Triebe oder der gesamten Pflanze verursachen. Im Feld sind dann braun-grüne Stängel zu sehen, an denen die Blätter schlaff herunterhängen und unter Braunfärbung vertrocknen.
  • Später bilden sich die sklerotienartigen Gebilde und ermöglichen im Feld eine sichere Erregeransprache.  

Furchenbehandlung mit Ortiva verbessert Qualität

Kartoffeln-Beizung

    In unseren Versuchen konnten wir mit der Knollenbeizung beim Legen keine bzw. geringe Effekte auf die beiden Erreger erzielen. Durch die Furchenbehandlung mit Ortiva ließ sich dagegen der Knollenbefall mit Colletotrichum und Silberschorf zum Teil deutlich reduzieren (Grafik 1):

    • Dabei erzielten 3 l/ha Ortiva erwartungsgemäß die beste Wirkung. Durch eine Verringerung der Aufwandmenge auf 2 l/ha fiel der Bekämpfungserfolg geringfügig ab.
    • Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Ausbringung von Ortiva in die Furche den Befall mit Silberschorf und Colletotrichum auf der Knolle deutlich reduziert.
    • Die Anwendung von Ortiva trägt zu einer maßgeblichen Qualitätsverbesserung bei und ist ein absolutes Muss, wenn hochwertige Kartoffeln (z.B. Pflanz- und Packware) längere Zeit gelagert werden sollen.

      Neben diesen beiden Erregern kann auch Rhizoctonia solani erhebliche Qualitätseinbußen hervorrufen:

      • Der Pilz beeinflusst die Sortierung negativ. Kommt es z.B. zu Stolonenbefall, werden zahlreiche neue Seitenstolonen gebildet. Hierdurch entstehen viele kleine, oft deformierte Knollen (Grützeknollen).
      • Umgekehrt werden an Pflanzen mit verringerter Stängelzahl wenige große Knollen gebildet, die ebenfalls Missbildungen wie Einschnürungen, Verformungen oder Rauschaligkeit aufweisen können.
      • Insofern führt der Befall mit Rhizoctonia solani neben Ertragseinbußen zu einem erhöhten Anteil an Über- und Untergrößen - Qualitätseinbußen sind die Folge.
      • Erhebliche Qualitätsprobleme verursacht vor allem das „dry-core-Symptom“. Es handelt sich hierbei um Löcher von etwa 3 mm Durchmesser und bis zu 1 cm Tiefe. Im Unterschied zu den Fraßlöchern des Drahtwurms sind beim Rhizoctonia-Befall Epidermisfetzen zu sehen, die am Lochrand leicht überstehen.
      • Diese Symptome werden durch Drahtwurmbefall gefördert. Sie entstehen aber auch, wenn Rhizoctonia solani durch die Lentizellen in die Knollen eindringt. Dies ist bei feuchten Bodenbedingungen besonders gut möglich.
      • Ein Vermarktungsproblem stellen auch die schwarzen pockenähnlichen Sklerotien dar, die auf der Kartoffelschale haften und dem Pilz zur Überdauerung dienen.
      • Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Form der Qualitätsbeeinträchtigung durch Rhizoctonia vielfältig ist. Da der Schaden vor allem in einer Minderung der Qualität besteht, sollte eine Bekämpfung dann erfolgen, wenn Top-Qualitäten wie z.B. im Pflanz- und Speisekartoffelanbau gefordert werden.  

      Furchenbehandlung mit Ortiva besonders wirksam

        Versuchen mit einer Knollenbeizung beim Pflanzen bzw. mit einer Furchenbehandlung zeigten folgende Ergebnisse:

        • Der Sklerotienbefall auf der Knolle ließ sich reduzieren.
        • Im Gegensatz zu Colletotrichum und Silberschorf konnten die herkömmlichen Beizen (Moncut, Monceren Pro) zumindest bei Rhizoctonia ansprechende Wirkungsgrade erzielen.
        • Doch auch bei diesem Erreger war die Furchenbehandlung mit Ortiva den klassischen Beizvarianten überlegen.
        • Insofern ist auch bei Rhizoctonia die Furchenbehandlung mit Ortiva das Bekämpfungsverfahren schlechthin.

          Während bei klassischen Beizverfahren Knollen und Boden besprüht werden, darf bei der Furchenbehandlung ausschließlich der Boden behandelt werden. Die Versuche zeigen, dass die Furchenbehandlung das Standardverfahren für nicht dränierten Flächen darstellt.Folgendes ist zu beachten:

          • Ein Knollenkontakt ist generell zu verhindern. Andernfalls sind deutliche Verträglichkeitsprobleme vorprogrammiert.
          • Um eine direkte Benetzung des Pflanzgutes mit Ortiva zu vermeiden, sind die Düsen am Legegerät entsprechend anzuordnen.
          • Laut Herstellerfirma hat es sich bewährt, ein Drittel der Spritzflüssigkeit vor die Knollenablage in die offene Furche und zwei Drittel der Spritzflüssigkeit hinter der Knollenablage in den Erdstrom zu applizieren.
          • Trotz Beachtung dieser Vorgaben kann es speziell auf leichten, humusarmen Böden zu Auflaufproblemen kommen.
          • Vor diesem Hintergrund empfehlen wir auf den sandigen Böden der Lüneburger Heide maximal 2 l/ha Ortiva (Grafik 2). Auf diese Weise steigt die Verträglichkeit deutlich an, während der Wirkungsabfall, der sich aus der Aufwandmengenreduktion ergibt, relativ gering bleibt.
          • Aus unserer Sicht ist der Einsatz von 2 l/ha Ortiva ein idealer Kompromiss aus Verträglichkeit und Wirkungssicherheit und hat sich deshalb zu einer Standardempfehlung für Qualitätskartoffeln entwickelt.
          • Lediglich bei Sorten mit empfindlichem Auflaufverhalten (z.B. Allians, Belana, Laura oder Regina) empfehlen wir eine Reduzierung der Aufwandmenge auf 1 l/ha Ortiva. Selbst mit dieser geringen Menge fällt die Wirkung immer noch besser aus als mit den herkömmlichen Standardbeizen.
          • Die herkömmliche Beizen wie Moncut, Monceren Pro oder Risolex flüssig haben nur noch auf dränierten Flächen eine Berechtigung, da dort die Furchenbehandlung mit Ortiva nicht erlaubt ist.
          • Zu beachten ist auch, dass Flächen, auf denen eine Furchenbehandlung mit Ortiva erfolgt ist, im Folgejahr nicht mit dem Wirkstoff Azoxystrobin (in Amistar Opti bzw. Zakeo Opti) behandelt werden dürfen. Da 2018 aber noch Credo anstelle von Amistar/Zakeo Opti in der Gerste eingesetzt werden kann, ist diese Auflage in 2018 nicht weiter dramatisch.
          • Erst in 2019 wird es bei der Fruchtfolge Gerste nach Kartoffeln zu Problemen bei der Ramulariabekämpfung in der Gerste kommen, wenn bis dahin kein neues Fungizid mit dem Wirkstoff Chlorthalonil zugelassen wird.
          • Auch in Stärkekartoffeln lohnt sich oft eine Behandlung mit Ortiva, da der Stärkegehalt durch starken Rhizoctoniabefall deutlich sinken kann. Dies hängt letztlich davon ab, ob die äußeren Rahmenbedingungen ein hohes Befallsniveau erwarten lassen.
             

          Welche Faktoren den Befall mit Rhizoctonia beeinflussen

          • Je weiter die Kartoffeln in der Fruchtfolge stehen, desto geringer ist das Befallsrisiko und umgekehrt. Werden die Kartoffeln in einem fünfjährigen Rhythmus angebaut, kann von einem geringen, erfolgt der Anbau dagegen alle drei Jahre auf derselben Fläche, muss von einem hohen Infektionsrisiko ausgegangen werden.
          • Weitere Einflussfaktoren sind die Bodenart, der Humusgehalt und die organische Düngung: So ist das Befallsniveau auf sandigen Böden eher gering. Dagegen tritt die Krankheit auf schweren Böden, die kalt, feucht und wenig durchlüftet sind, bevorzugt auf. Der Befall wird umso stärker, je humusreicher die Ackerkrume (über 4 bis 5 %) ist. Eine Strohdüngung bzw. jegliche Form der organischen Düngung muss daher kritisch gesehen werden.
          • Bei niedrigen Bodentemperaturen wird die Knollenkeimung verzögert. Je länger die weißen Keime im Boden bleiben, desto eher können die Triebspitzen vom Erreger befallen werden. Daher wirken alle Maßnahmen, die einen zügigen Pflanzenauflauf fördern, einer Infektion mit Rhizoctonia entgegen.
          • Besonders wichtig ist die Verwendung von gesundem Pflanzgut, das weitestgehend frei von Pocken bzw. Sklerotien sein sollte. Auf diese Weise lassen sich der Ertrag und die Qualität des Erntegutes nachhaltig steigern.
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