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Ein Beregnungsprofi durch und durch

von , am
29.05.2013

Wie von Geisterhand gesteuert fährt die rund 300 m breite Linearberegnungsmaschine langsam durch die Hybridgerste. Hans-Wilhelm Haberland aus Vinstedt hat diese Investition gewagt und ist begeistert.

Der Großflächenregner verteilt das Wasser viel genauer als Trommelmaschinen und geht zudem effizienter mit dem Grundwasser um. © Raupert

Als einer der ersten im Landkreis Uelzen hat sich Hans-Wilhelm Haberland aus Vinstedt für den Fortschritt entschieden und im Jahr 2007 eine Linearberegnungsmaschine zugelegt. Auf einem anderen größeren Schlag ist zudem eine Kreisberegnungsmaschine im Einsatz, die das Wasser ebenso gleichmäßig und pflanzenverträglich ausbringt.

"Irgendwann hat mich die Ineffizienz und Windanfälligkeit der Trommelmaschinen so genervt, dass ich mich nach besseren Verfahren umgesehen habe", beschrieb der Technik begeisterte Landwirt seinen damaligen Meinungsumschwung. Bei seiner Entscheidung hat er dann auch nicht lange gefackelt. Auf einer Informationstour durch Frankreich hat ihn das schonende Beregnungsprinzip so überzeugt, dass er sich noch vor Ort eine Maschine gekauft hat.

Haberland leitet im Westkreis Uelzens die "Naturpartner GbR", die sich aus drei selbstständigen Betrieben zusammensetzt. Neben seinem eigenen Betrieb mit 380 ha gehören noch zwei Höfe aus der nahen Umgebung mit 230 ha bzw. 240 ha zu der Gesellschaft. Von den drei Eigentümern wirtschaftet aber nur Hans-Wilhelm Haberland aktiv. Der zweite Betriebsleiter ist für die zum Betrieb gehörende 500-KW-Biogasanlage verantwortlich und der Dritte ist außerlandwirtschaftlich tätig.

Die GbR ist Besitzer aller Maschinen und stellt jede Nutzung in Rechnung. Bei 850 ha LN sind die fünf Zugmaschinen sehr stark ausgelastet. "Bei uns erreicht jeder Schlepper mindestens 1.500 Stunden im Jahr, der große Trecker kommt sogar auf 1.700 Stunden", rechnete der 44-jährige Landwirt vor. Neben dem Betriebsleiter arbeiten auf dem Hof noch fünf weitere Voll-AK und je nach Bedarf vor allem in der Kartoffelsaison drei Saison-AK mit.

Die Beregnung spielt in der Naturpartner GbR eine entscheidende Rolle. Bei den leichten humosen Sandböden und häufigen Vorsommertrockenheiten ist ohne das Zusatzwasser kein gutes wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen. Aus diesem Grund sind die gesamten 850 ha beregnungsfähig.  

Sichere Erträge

Den studierten Landwirt Haberland schreckt das nicht mehr. Er weiß, dass sich der enorme Arbeits- und Zeitaufwand in Form von höheren Erlösen auszahlt. "Zwischen beregnet und unberegnet liegt auf diesem Standort Sein oder Nichtsein", zeigte er die Bedeutung der Technik auf. Seine Zahlen sprechen für sich. So erntet er dank der Beregnung vom Winterweizen im Mittel sagenhafte 10 t/ha, bei Speisekartoffeln kommt er auf 50 bis 60 t/ha, bei Raps auf 4,5 t/ha ("der steht bei mir aber auch nur auf den schwächeren Standorten"!) und bei Zuckerrüben auf stolze 82 t/ha.

"Ohne das Zusatzwasser könnte ich meine Erträge halbieren", zeigte er die Bedeutung der Technik für seinen Betrieb auf. Auch der spezialisierte Kartoffelanbau  mit Kistenlagerung wäre sonst nicht möglich. "Das klappt nur mit gesicherter Wasserversorgung". Da diese Faktoren seit langem bekannt sind, ist das betriebliche Beregnungsnetz seit den 50er-Jahren kontinuierlich ausgebaut worden. "Alle Leitungen sind unterirdisch verlegt und die Pumpen werden kostengünstig mit Strom angetrieben", berichtete Haberland.

Wasser sparen

Sein ganzes Handeln ist darauf ausgerichtet, Wasser zu sparen. Einen Pflug sucht man auf dem Betrieb vergebens, "was angesichts eines Hackfruchtanteils von etwa 75 % auch kein Kunststück ist", bemerkte der Landwirt, der zusammen mit seiner Frau Kristine und den zwei Söhnen Linius und Tamino auf dem idyllisch gelegenen Hof in der 150 Seelen Gemeinde Vinstedt lebt. Wichtig ist auf den zur Dichtlagerung neigenden Sandböden, dass die Struktur regelmäßig aufgebrochen wird. Dabei setzt Haberland auf den Agrisem Grubber, der den Boden mit seinen Zinken unterfährt und anhebt, ohne ihn zu mischen.

Die Lockerung wird auf der gesamten Grubberbreite bis zu einer Tiefe von 45 bis 48 cm durchgeführt, damit der Boden auch die höheren natürlichen Winterniederschläge in Gänze aufnehmen kann. Das zweitwichtigste Gerät ist für Haberland der Horsch Tiger, ein Grubber zur Oberflächenbearbeitung, mit dem die organische Substanz z. B. von den Zwischenfrüchten in einer Tiefe von 10 bis 15 cm eingemischt wird.

Um an das Grundwasser zu gelangen, muss man in der Region etwa 70 m tief bohren. "In dieser Tiefe steht bei uns aufgrund der sehr guten Grundwasserleiter überall Wasser an", freute sich der Beregnungsexperte. Allein in Vinstedt verfügt der Landwirt über vier Brunnen mit einer Gesamtleistung von 540 m3. Während frühere Generationen auf dem Hof noch Beregnungsrohre schleppten, machte er seine ersten Erfahrungen mit den noch heute üblichen Trommelmaschinen, die damals mit zwei bis vier Regenkanonen etwa 80 m Breite bewässern konnten.

Auch wenn dieses System in den letzten Jahrzehnten ständig weiter entwickelt worden ist, sind seiner Meinung nach immer noch viele bekannte Schwächen geblieben. "Diese Regner sind mir im Prinzip viel zu windanfällig", kritisierte Haberland. Darunter leide die gleichmäßige Wasserverteilung. Durch den großen Druck könnten zudem die Blätter der Kulturen beim Aufprall des Wassers Schaden nehmen, zeigte er weitere Schwächen auf. Außerdem stört es ihn, dass immer mindestens 20 bis 25 mm Regen ausgebracht werden müssen, obwohl die Pflanzen manchmal auch mit weniger Wasser auskommen würden.

Aufwand zu hoch

Obwohl genügend Hydranten an den Schlägen zur Verfügung stehen und er die Schlaglängen soweit es ging auf 500 bis 600 m erweitert hatte, um die Beregnungsmaschinen nur einmal in 24 Stunden umstellen zu müssen, war für ihn der Aufwand immer noch zu hoch, berichtete Haberland der LAND & Forst. So schafft man seiner Rechnung nach trotz der guten Voraussetzungen in 22 Stunden bei 600 m Länge und 72 m Arbeitsbreite dennoch nur 4,3 ha in einem Arbeitsgang.

Diese Ineffizienz, verbunden mit dem zu hohen Aufwand, hat ihn vor fünf Jahren dazu veranlasst, den nächsten Schritt zu machen und auf Linear- und Kreisberegnung umzustellen. "Wenn bei uns im Frühjahr der stramme Ostwind über mehrere Tage das knappe Wasser aus dem Boden holt und wir wegen der widrigen Bedingungen nicht beregnen können, ist das nicht mehr zu akzeptieren", erklärte Haberland seinen Sinneswandel.

Hohe Investitionen

Mit der Anschaffung einer Linearberegnungsmaschine, die je nach Ausstattung 70.000 bis 80.000 Euro kostet, hat der Landwirt dieses Problem zumindest auf einem großen Schlag gelöst. Mit dem kombinierten Linearsystem, das auch im Kreis fahren kann, beregnet er eine 57 ha große Parzelle mit einem uneinheitlichen Zuschnitt. Inklusive des Endregners mit 30 m Breite kann die Maschine mit den fünf Türmen 310 m in einem Arbeitsgang mit Wasser versorgen.

Ein großer Vorteil des Systems ist, dass es nur mit 4 bar und nicht wie Trommelmaschinen mit 8 bar Betriebsdruck gefahren werden muss. Zusätzlich hat Haberland auch noch eine etwa 45.000 Euro teure Kreisberegnungsmaschine angeschafft, die bei einem Radius von 260 m und einem schwenkbaren Ausleger von 50 m Länge etwa 32 ha abdeckt. Auf den restlichen Flächen laufen noch Trommelmaschinen.

Die Vorteile der Großflächenberegnungstechnik, die z. B. in den USA und Frankreich seit Jahrzehnten erfolgreich betrieben wird, liegen seiner Aussage nach in den geringeren Betriebskosten und der erheblichen Wassereinsparung in Höhe von 10 bis 15 % gegenüber Trommelmaschinen. Außerdem sei man durch Möglichkeit, die Beregnungsmenge bei beiden effizienteren Maschinen zwischen 2 bis 50 mm zu variieren, viel flexibler. So konnte Haberland die Wassereffizienz deutlich steigern und Erosionsschäden praktisch ausschließen.

"Das Wasser kommt immer dahin, wo es hin soll und es findet auch keine Übersättigung mehr statt", berichtete der Praktiker. Außerdem können wir viel flexibler auf Trockenheitsphasen reagieren und auch bei stärkeren Winden problemlos arbeiten, fügte er hinzu. Ganz wichtig ist für ihn auch, dass er so sparsamer mit dem begrenzt zur Verfügung stehenden Grundwasser umgeht und das Risiko, sein Wasserkontingent zu überziehen, sinkt.

Bessere Qualitäten

Der Kostenvergleich zeigt, dass die Linearmaschinen auf der Fläche nicht teurer, aber auch nicht günstiger sind als die bewährten Trommelmaschinen. Dafür hat die moderne Technik aus pflanzenbaulicher Sicht Vorteile. Dies zahle sich gerade durch bessere Qualitäten im Kartoffel- und Zwiebelanbau aus. Außerdem hat sich die Arbeitsbelastung deutlich reduziert. "Wir sind seit der Anschaffung wesentlich relaxter, weil wir viel weniger umstellen müssen", meinte der Experte zufrieden.

In den nächsten Jahren will Haberland auf zwei anderen 45 ha großen Schlägen ebenfalls neue Kreis- bzw. Linearberegnungstechnik installieren. Auch dies sind wieder große Investitionen. Allein für das neue Linearsystem hat er neue Brunnen gebohrt, die etwa 100.000 Euro verschlungen haben. Unter dem Strich kommen laut Haberland für die gesamte neue Beregnungstechnik rund 500.000 Euro zusammen.

Eine stolze Summe, die sich aber aufgrund der hohen Erträge und guten Produktqualitäten dennoch rechnet. "Ich habe eben meine Freude daran, wenn alles passt und das Wasser gut verteilt wird", zeigte sich der Landwirt mit seinem Schicksal zufrieden, der sich natürlich noch mehr darüber freut, wenn es wie zurzeit auch einmal größere natürliche Niederschlagsmengen gibt.
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