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Getreide

Besondere Härten durch Gelbrost

von , am
30.07.2014

Die Landessortenversuche und die Grenzen der Intensivierung im Ökoackerbau standen auf dem Themenplan des Öko-Getreidefeldtages in Wiebrechtshausen. Fazit vom zehnten Feldtag.

Zum zehnten Mal trafen sich Ökolandwirte und Berater in Wiebrechtshausen, um Erfahrungen auszutauschen. © Mühlhausen/landpixel

Es war ein kleines Jubiläum, das Landwirte, Berater und die Organisatoren (Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie KWS) auf dem Öko-Getreidefeldtag unlängst auf dem Klostergut Wiebrechtshausen feiern konnten: Seit nunmehr zehn Jahren ist der Betrieb in der Nähe von Northeim einer von fünf Standorten der Landessortenversuche (LSV) Niedersachsen. Und die Sortendemonstration zeigte selten so gut wie in diesem Jahr auf, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten sein können.

Sortenunterschiede

Das Stichwort heißt diese Jahr: Gelbrost. Während die konventionell wirtschaftenden Betriebe diesen in diesem Jahr zur Epidemie gewordenen Pilz mit Fungiziden zu Leibe rücken konnten, waren die Ökobetriebe ihm weitestgehend machtlos ausgeliefert. Auch auf dem Standort Wiebrechtshausen habe der Befall bereits früh, um den 20. März, in der Triticale angefangen, wie Markus Mücke vom Fachbereich Ökolandbau von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichten konnte. Zwei Wochen später habe sich der Befall massiv aufgeschaukelt, Ende Mai war bei einigen Sorten der komplette Blattapparat nicht mehr vorhanden.

Mücke, der gemeinsam mit Bettina Jorek von der KWS SAAT AG durch die Leistungsprüfungen  und Anbauten für die LSV führte, war überrascht von den starken Sortenunterschieden, die sich auch Ende Juni noch den Feldtagsbesuchern zeigten. Die kühl-feuchte Witterung habe zusammen mit der Taubildung zu idealen Bedingungen für den Rost - vermutlich eine aus Frankreich stammende, neue Rasse - geführt. Der Pilz sei sehr aggressiv, die einzige Methode im Ökolandbau sei die Sortenwahl, so Mücke.  Selbst bewährte Sorten, die vorher nie auffällig gewesen seien, habe es "kalt erwischt" mit einem extremen und sehr frühen Befall.

Über die Möglichkeiten der Stickstoffversorgung im Ökogetreideanbau referierte Andreas Titze von der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg Vorpommern. Er ging darauf ein, wie Gärreste und Mikroorganismenpräparate gezielt in Ökobetrieben eingesetzt werden können. Mittlerweile gibt es 25 Öko-Biogasanlagen sowie zahlreiche Öko-Hühnerhalter in Nordostdeutschland, die organischen Dünger abgeben.

Doch der Einsatz von diesen Stickstoffdüngern erfordere viel Fingerspitzengefühl und Standortkenntnis sowie Glück mit der Witterung, da neben der Kultur auch die Begleitvegetation gedüngt werde. Schließlich berichtete Titze auch von stickstoffbindenden Mikroorganismen, die für den Ökolandbau angeboten werden. Mehrjährige Untersuchungen hätten bislang ergeben, dass es bei deren Einsatz nur sehr geringe kostenbereinigte Ertragsvorteile gebe.

Gradwanderung

Die Gradwanderung, die der Ökolandwirt zwischen Ertragsmaximierung und Unkrautreduktion gehen muss, zeigte eindrucksvoll Axel Altenweger, Betriebsleiter des Klostergutes Wiebrechtshausen, auf. Bevor die KWS den Betrieb vor zwölf Jahren pachtete, wurde dieser konventionell bewirtschaftet; Problemunkräuter wie Melde, Distel und Klette waren bereits reichlich vorhanden und die Böden gut mit Nährstoffen versorgt.

Heute werden auf 400 ha (viehlos) bei 65 bis 80 Bodenpunkten Getreide, Kartoffeln, Möhren, Rote Beete und Kleegras angebaut. Während auf den Hangstandorten eine etwas extensivere Mähdruschfruchtfolge gefahren wird, ist die Hackfrucht-Fruchtfolge in den Niederungen eher als intensiv zu bezeichnen. Das Ziel ist, dass bei geringeren Erträgen verglichen mit konventionellen Betrieben über die höheren Erlöse für Ökoprodukte ein ähnlicher Gewinn erwirtschaftet wird. Über eine Kooperation mit einem Wanderschäfer sowie über einen Öko-Hähnchenmäster kommt organischer Dünger in den Betrieb, außerdem werden Kompost, Karbokalk, Gips und Kalivinasse eingesetzt.

Hohe Intensität

Doch die intensive Öko-Wirtschaftsweise (Ertrag: Winterweizen 5 t, Tritcale 7,5 t auf guten Standorten) hat seinen Preis. Da das wenig produktive, aber unkrautmindernde Kleegras nur jedes vierte Jahr in der Fruchtfolge steht, bekommt der Betrieb zunehmend Probleme mit Ungräsern wie dem Ackerfuchsschwanz und vor allem mit der Distel: Je höher die Stickstoffgehalte in den unteren Bodenschichten sind, desto größer sei der Disteldruck.

Mechanische Bekämpfungsversuche (wie mit dem Distelgrubber) hätten versagt. Wirkungsvoll sei laut Altenweger einzig das Aushungern der Distel über reduzierte Stickstoffgaben - was jedoch hohen Erträgen entgegenstünde. Der Betrieb wird seine Fruchtfolgen daher künftig variieren und anpassen, die Hackfrüchte dabei weiterhin intensiv fahren, dort also auch pflügen, grubbern, striegeln, hacken, abflämmen und händisch jäten. Ergänzend dazu wird das Getreide noch intensiver als bisher gestriegelt und gehackt.

Zudem werden künftig trotz niedriger Deckungsbeiträge mehr Sommerungen angebaut werden. Die Frühjahrs-Nmin-Werte sollen durch einen verstärkten Zwischenfruchtanbau gesenkt und vor allem in den Möhrenfruchtfolgen das Kleegras zur wirksamen Unkrautregulierung auch zweijährig stehen bleiben.

"Eine Intensivierung des Anbaus mit höherem Nährstoff-einsatz erfordert auch eine intensivere Unkrautregulierung. Aber eine Intensivierung hat auch ihre Grenzen", so Altenweger abschließend.
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