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Sonderthemen

Bewegung bei den Nachbaugebühren

von , am
04.06.2014

Die "unendliche Geschichte" um das Für und Wider von Nachbaugebühren. Auf dem diesjährigen Saatguthandelstag auf Burg Warberg gab es lebhafte Diskussionen. Lesen Sie hier wichtige Ergebnisse.

Für Gelbsenf und Ölrettich wird die Versorgungssituation als ausreichend bis knapp eingeschätzt. © Raupert

Zusätzliche Aktualität erhielt die Diskussion durch die jüngsten agrarpolitischen Beschlüsse in Berlin über die praktische Umsetzung der Greening-Vorgaben für Grünland, Zwischenfrüchte und Leguminosen.

Präsident Helmut Gampert, Deutscher Bauernverband, Berlin, sagte, gegenwärtig werde der "Boden" für eine neue Beurteilung der Nachbaugebühren aus Sicht der Landwirtschaft vorbereitet. Es sei wichtig, dass die Landwirtschaft sich darin einig werde, dass alle Nutznießer des züchterischen Fortschrittes auch dazu beitragen müssten, diesen Fortschritt zu finanzieren.

Bisher sei zwar ein Großteil der Betriebe bereit, die Nachbaugebühr zu bezahlen, ein Teil müsse allerdings überzeugt werden und nur relativ wenige Betriebe seien nicht zu überzeugen, dass die Gebühren unabdingbar seien, wenn die Leistungsfähigkeit der Pflanzenzüchtung erhalten werden solle, von der der gesamte Pflanzenbau profitiere.
Gampert ließ keinen Zweifel daran, dass mit der grundsätzlichen "Wende" der Haltung der Bauern zur Nachbaugebühr für Z-Saatgut diejenigen Betriebe, die nicht bereit seien, ihren Beitrag zur Finanzierung des züchterischen Fortschritts zu leisten, auch nicht von Vorteilen der neuen Sortengenerationen profitieren sollten.

Greening-Beschlüsse


Obwohl zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht alle Detailregelungen der Greening-Beschlüsse bekannt waren, gab es in Warberg erste Beurteilungen dazu. Gampert kritisierte, dass der "Wust von Auflagen" nicht weniger geworden sei. Dennoch gebe es einige Details, die man begrüßen müsse. Dazu zählen nach seiner Auffassung auch die Vorgaben für den Bereich Zwischenfrüchte.

Auch andere Diskussionsredner halten die Lösungen für Zwischenfrüchte für praxisnah genug. Sie kämen den Interessen der Veredelungsbetriebe ebenso entgegen, wie Ackerbauern. Die Auswirkungen auf die Zukunft seien jedoch noch nicht klar genug abzuschätzen.

Marktüberblick

Die aktuellen Tendenzen auf ausgewählten Märkten für Leguminosen-Saatgut hatte bereits tags zuvor Hans-Peter Ruopp, Firma Beiselen, Ulm, kommentiert. So sind nach Ruopps Beobachtung im Bereich Kleesaaten tetraploide Rotkleesorten knapp bzw. ausverkauft. Nicht empfohlenes diploides Material sei aber noch vorhanden. In Deutschland gebe es größtenteils aber nur noch Biorotklee. Eine Verbesserung der Situation in diesem Marktbereich sei nur bei guter Ernte 2014 möglich. Weißklee-Saatgut sei dagegen gut verfügbar geblieben. Ab April sei eine spürbare Preiserhöhung durch Nachfrage von Maklern erfolgt. Die weltweite Nachfrage scheine anzuziehen.

Eine deutliche Entspannung habe sich für Alexandrinerklee ergeben. Nach der Knappheit im Jahr 2013 sinken nach Ruopps Angaben die Preise auf ein erträgliches Niveau. Größtenteils sei nur noch zertifiziertes Saatgut am Markt. Für 2014 geht Ruopp von einer Preisstabilität aus. Für Luzerne steige weltweit der Bedarf. Die Vermehrungserträge seien nicht zufriedenstellend. Die Ware bleibe knapp und teuer.

Stabiles Niveau

Der Markt für Gelbsenf-Saatgut aus der Ernte 2013 sei ausreichend bis knapp versorgt. Nematodenresistente Sorten seien gesucht. Der Handel habe sich aufgrund höherer Preise im Kauf zurückgehalten. Ruopp erwartet Preissteigerungen zur neuen Ernte hin. Der Aufwuchs der Vermehrungsflächen für 2014 sei gut. Die Produktionspreise für die neue Ernte lägen über dem Niveau des Vorjahres.

Auch für Ölrettich sei das Preisniveau unverändert stabil. Die Versorgungssituation beurteilt Ruopp knapp bis ausreichend. Der Vermehrungsumfang der Ernte 2014 läge auf Vorjahresniveau.
Die Phacelia-Preise bewegen sich nach Ruopps Beobachtung auf hohem Niveau seitwärts. Auch aus der Ernte 2014 seien keine günstigen Angebote zum Beispiel aus Polen zu erkennen. Die klassischen Produzenten verhielten sich eher vorsichtig.

Ausführlich befasste sich der Experte mit den aktuellen Entwicklungen auf einigen Gräsermärkten. Mit einem Anteil von 43 % an der weltweiten Produktion liege Europa an der Spitze, gefolgt von den USA mit 42 %. Danach liegen nach Ruopps Darstellung Kanada mit 6 %, Argentinien mit 4 % und Neuseeland ebenfalls mit 4 %. Australien produziere 1 % des Angebotes.

Entwicklung Gräsermarkt

In der EU sei der gesamte Gräserverbrauch auf relativ hohem Preisniveau stabil. Hohe Marktpreise für Weizen und Raps der Ernte 2012 hätten eine Abwanderung der Vermehrungsflächen für Gräser vor allem in den Getreidesektor bewirkt.

Die Saatgut-Produktion für Gräser liege bestenfalls auf durchschnittlichem Niveau. Die Bestände seien weiterhin unterdurchschnittlich auf einem Zehnjahrestief. Ein Bestandsaufbau sei frühestens aus der Ernte 2014 oder 2015 möglich. Die Importe seien gering. Die Nachfrage sei in Übersee hoch, bemerkte der Experte.

Für Deutsches Weidelgras habe sich die Situation gegenüber den Vorjahren deutlich entspannt. Die Notierungen lägen jedoch noch über dem langjährigen Durchschnitt. Empfohlene Sorten tendierten fest, aber die Preisspitzen seien gebrochen. Der Markt werde durch preisgünstiges frühes Material kaum gestört. Ein Bestandsaufbau aus der Ernte 2014 sei möglich.
 
Trotz der knappen Versorgung gebe es für Rotschwingel nur eine moderate Preisentwicklung. Die Attraktivität der Produktion gehe zurück. Die Vermehrungserträge lägen auf eher unterdurchschnittlichem Niveau. In Übersee gehe die Vermehrung zurück. Für Knaulgras habe sich zuletzt das Preisniveau nach oben entwickelt. Die Lagerbestände seien geschmolzen, sodass eine ausreichende Versorgung nach gegenwärtiger Einschätzung nicht gewährleistet sei.

Für Wiesenschwingel und Lieschgras gibt es nach Ruopps Aussage keine nennenswerten Bestände. Der Grundbedarf bei Wiesenschwingel könne derzeit nicht gedeckt werden. Die Preise bei Wiesenschwingel tendierten fest bis sehr fest. Auch Lieschgras aus europäischer Vermehrung stehe nicht ausreichend zur Verfügung. Importe erfolgten aus Kanada. Die Marktversorgung sei durch Einfuhren knapp bis ausgeglichen.

Lage bei den Weidelgräser

Mit Einjährigem Weidelgras sei der Markt ausreichend versorgt. Die Preise seien aufgrund fallender Importe stabil. Die Qualität der Sorten spiele eine zunehmende Rolle. Für Welsches Weidelgras lägen die Vermehrungsflächen unter dem fünfjährigen Durchschnitt. Ruopp erwartet, dass die Preise entsprechend anziehen, zumal die Nachfrage vor allem nach guten Qualitäten hoch geblieben sei.
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