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Sonderthemen

Blühstreifen sind attraktiv für Bienen

von , am
06.05.2014

Welche Ursachen hat das so genannte "Bienensterben"? Dazu forschte jetzt das LAVES Bieneninstitut in Celle. Wir haben wichtige Fakten zusammengefasst.

Im Verbundprojekt wurde auch eine Populationsschätzung durchgeführt. © Lüken
 
Seit Jahren wird im Zusammenhang mit dem so genannten "Bienensterben" neben anderen Ursachen auch der Pollen- und Nektarmangel in der Agrarlandschaft thematisiert und ein deutlich besseres Nahrungsangebot in den Städten angenommen. Es wird vermutet, dass der Mangel die Völker auch krankheitsanfälliger werden lässt und zu Völkerverlusten im Winter führt. Die Frage ist jetzt, ob die Situation tatsächlich ist wie vermutet wird und häufig so in den Medien dargestellt wird? Diese Fragestellung bearbeitet das LAVES Bieneninstitut in Celle seit 2011 innerhalb eines von BLE und BMEL finanzierten Verbundprojekts.
Insgesamt drei Versuchsbienenvölkergruppen befinden sich an Standorten im Großraum Celle mit unterschiedlichen Standortfaktoren, insbesondere bezüglich des Nahrungsangebotes (imkerlicher Fachterminus für Nahrungsangebot = Tracht). Die erste Gruppe befindet sich ganzjährig an einem reinen Agrarstandort, die zweite Gruppe wechselt zwischen Agrar- und bevorzugten Blühstandorten und die dritte Gruppe befindet sich an einem Naturstandort mit ausgeprägtem Trachtangebot.

Während der Bienensaison zwischen März und Oktober werden aus allen Versuchsvölkern Proben des eingelagerten Pollens sowie des geschleuderten Honigs genommen und auf die botanische Herkunft sowie auf die Belastung mit Rückständen aus Pflanzenschutzmittelanwendungen untersucht.

Wichtige Fragen

Unterscheiden sich die Gruppen untereinander im Gesundheitszustand, der Volksentwicklung sowie in der Überwinterungsfähigkeit? Welche Pflanzen sind die wesentlichen Pollen- und Nektarlieferanten für die Völker insbesondere an dem Agrarstandort, an dem die vorherrschenden Pflanzen Raps im Frühjahr sowie Getreide, Mais, Spargel und Kartoffel im Sommer/Herbst sind? Werden die Grünstreifen genutzt, die für die Verbesserung der Nahrungsversorgung von Bestäubern an Ackerrändern gesät werden? Wann und aus welchen Kulturen findet ein Eintrag von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in die Völker statt?

An dieser Stelle sollen die Ergebnisse für den Agrarstandort dargestellt werden. Die Volksentwicklung ist zwar bei den Völkern auf dem Naturstandort am besten, aber auch die Völker der anderen beiden Gruppen konnten sich zu überwinterungsfähigen Völkern entwickeln, sodass bisher keine Überwinterungsverluste zu verzeichnen sind. Der Gesundheitszustand der Bienen ist allgemein gut. Die Krankheitserreger, die nachgewiesen wurden, waren in allen Gruppen gleichermaßen vertreten.

Pollenmangel über einen längeren Zeitraum konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden, dafür aber Nektarmangel am Agrarstandort im Sommer 2012. Als Folge des Nektarmangels mussten die Völker auf dem Agrarstand zugefüttert werden. Der eingetragene Nektar wird nicht nur als Winterfutter benötigt, sondern auch als Futter für die Arbeiterinnen und die Brut während der Bienensaison. Außerdem beeinflusst ein kontinuierlicher Nektarfluss die Bruttätigkeit sowie Pollensammeltätigkeit und damit die Entwicklung der Völker positiv.

Erhöhte Belastung

In der Bienennahrung Honig und vor allem Pollen wurden 60 unterschiedliche Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln ermittelt, bis zu 15 verschiedene Wirkstoffe wurden parallel in einem Volk gefunden. Die häufigsten Wirkstoffe sind Fungizide, gefolgt von Herbiziden und Insektiziden. Nur Honig aus der Rapsblüte war geringfügig belastet. Dies deckt sich mit vielen anderen Untersuchungen.

Die Wirkstoffe halten sich besser an dem fettliebenden Pollen, der daher erhebliche Belastung aufweisen kann. Die Konzentrationen von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen liegen im eingelagerten Pollen teilweise um das 100fache höher als in Lebensmitteln erlaubt, insbesondere bei verschiedenen Fungiziden. Dieser Pollen wäre demnach nicht mehr verkehrsfähig für den menschlichen Verzehr.

Die ersten bedeutsamen Pollen- und Nektarlieferanten im Frühjahr sind Weiden, die häufig an Bachläufen oder feuchten Niederungen zu finden sind. Zu diesem Zeitpunkt ist der Eintrag von Pflanzenschutzmittelrückständen noch relativ gering. Später folgen Raps, Rosskastanie, Ahorn, Kern- und Steinobst sowie die nektarlose Eiche.

Während der Rapsblüte werden hohe Konzentrationen an Rapsspritzmitteln wie das Insektizid Thiacloprid aus Biskaya und dem Fungizid Boscalid aus dem Mittel Cantus sowie Cantus Gold eingetragen. Diese Wirkstoffe werden nicht wie die meisten fettlöslichen Pflanzenschutzmittelwirkstoffe nur im Pollen, sondern auch im Honig gefunden, da diese auch wasserlöslich sind.

Nahrungsangebot


Im Versuchsjahr 2013 war das Wetter während der Rapsblüte sehr kalt und regnerisch. Die Bienen haben wahrscheinlich bedingt durch die Witterung zu dieser Zeit statt vom Raps ungewöhnlich viel Nektar und Pollen in Erdbeeren gesammelt. Die Erdbeere ist eine Intensivkultur mit häufigen Pflanzenschutzmittelbehandlungen, was zu hohen Rückstandmengen verschiedener Wirkstoffe im eingelagerten Bienenbrot geführt hat.

Nach der Rapstracht Ende Mai/Anfang Juni beginnt die trachtärmere Zeit. In dieser Zeit ist die Linde sowie der Faulbaum ein wichtiger Pollen- und Nektarlieferant. Blühstreifen wurden von den Bienen genutzt und sind daher nachweislich eine wichtige Bereicherung des Nahrungsangebotes. Die Pflanzen aus Blühstreifen wie Phacelia oder Klee sind sehr gute Pollenlieferanten, scheinen aber nicht genügend Nektar zu liefern.

Auch klassische Ackerrandstreifenpflanzen wie Schafgarbe und Mädesüß werden vielfach genutzt, ebenso Beikräuter (z.B. Melde in Kartoffel). Über den Pollen des Bewuchses von Grünstreifen und Ackerrandstreifen, vermutlich durch Abdrift aus ansonsten eher unattraktiven Kulturen wie beispielsweise Getreide, sowie des Pollens von Beikräutern, die in den behandelten Flächen blühen, findet ein Eintrag von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen statt.

Spargel ist attraktiv

Besonders attraktiv ist die unscheinbare Spargelblüte, deren Blütezeit sich über mehrere Sommermonate hinziehen kann. Der Eintrag von Rückständen aus der Spargelblüte ist enorm, auch hier taucht wieder z.B. das Fungizid Boscalid mit Pyraclostrobin aus dem Präparat Signum auf. Im Spätsommer/Herbst werden neben den Grünstreifen gerne blühende Gründüngerflächen (Senf und Ölrettich) beflogen.

Auffällig ist die Häufigkeit und damit auch Wichtigkeit von Bäumen und Sträuchern mit unterschiedlichen Blütezeitpunkten als Haupttrachtlieferant. Bäume und Sträucher sind in der Landschaft oft vertreten in Form von Straßenalleen oder als Ackergehölze und sollten geschützt werden. Ebenfalls findet durch Blühstreifen und Grünbrachen eine Aufwertung der Agrarlandschaft statt, die die Bienen anziehen.
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