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Braugerste

Braugerste in der Region Wittingen: Gute Bestände dank Beregnung

Braugerstenrundfahrt
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
10.07.2018

Auf der Braugerstenrundfahrt im Raum Wittingen rieben sich die knapp 60 Teilnehmer die Augen. Trotz der langen Dürre haben die Bauern gute Bestände hingestellt.

Die Braugersten-Rundfahrt im Raum Wittingen in Niedersachsen bot den Teilnehmern in diesem Jahr wieder interessante Einblicke: Die knapp 60 Teilnehmer staunten nicht schlecht. Trotz der langen Dürre bekamen sie gute Bestände zu sehen. Landwirte wie Christian Kasten oder Rainer Koch verrieten, dass sie dies nur mit Hilfe intensiver Beregnung geschafft haben.

Auch sonst haben sie Fingerspitzengefühl bewiesen. Der Umgang mit Wachstumsreglern war in 2018 eine Herausforderung. In vielen Fällen war es besser, ganz darauf zu verzichten.

Aufwendig, aber alternativlos: Hohe Beregnungskosten

Für den hohen Beregnungsaufwand müssen sie natürlich einen hohen Preis zahlen, denn die Beregnungskosten liegen je nach Anlage zwischen 1,50 bis 3,00 €/mm. Insgesamt sind in der Region in der Regel fünf bis sieben Beregnungsgänge mit jeweils 20 bis 25 mm nötig gewesen. Das ist zwar ein immenser Aufwand, doch alternativlos für die Braugerste.

Durchschnittliche Ernte mit Beregnung

Braugerste auf dem Feld

Die Betriebsleiter gingen am Freitag vergangener Woche von einem Ertrag in Höhe von 70 bis 80 dt/ha aus. Und die Qualitäten dürften auch passen.

Die Körner waren auf den besichtigten Schlägen gut ausgebildet, so dass der Vollkornanteil keine Probleme machen dürfte. Auch Lager und Zwiewuchs waren kaum vorhanden, sodass einer Vermarktung als Braugerste nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Ohne Beregnung müssen die Landwirte nach Einschätzung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Niedersächsischen Braugerstenanbaus, Gerhard Rott, wohl mit Minderträgen und einem Ertragsniveau von nur 2 bis 3 dt/ha rechnen.

Gespanntes Warten auf den Erntestart

Jetzt warten alle gespannt auf den Erntestart und die ersten Ertrags- und Qualitätsergebnisse. Denn eins steht schon jetzt fest: Die Bauern werden für ihr Produkt mit rund 20 €/dt einen vernünftigen Preis erhalten, der angemessen über dem Preis der Futtergerste liegt.

Etwas lange Gesichter machen jedoch zurzeit die Landwirte, die im Winter Vorvertragspreise in Höhe von 17 bis 18 €/dt abgeschlossen haben. Der Preis war aus damaliger Sicht gut, aus heutiger Sicht weniger. Dennoch sollte das Instrument Vorvertrag für einen gewissen Ernteanteil zur Risikoabsicherung weiter genutzt werden.

Sommergerstenanbau und Sommerbraugerste profitierten

Insgesamt hat der Sommergerstenanbau von den schlechten Aussaatbedingungen für Wintergetreide im Herbst 2017 profitiert. Er ist von rund 46.000 ha auf etwa 90.000 ha in 2018 angestiegen. Davon könnte auch die Sommerbraugerste profitieren. Zu bedenken ist hierbei aber, dass

  • die neuen Flächen oft keine typischen Braugerstenflächen sind, da die Betriebe nicht alle über eine Beregnung verfügen oder
  • das Stickstoffpotenzial im Boden zu hoch ist.

Daher ist wahrscheinlich, dass der Zuwachs häufig Futtergerste und nicht Braugerstenqualität hat. Die Experten rechnen daher bei der Sommerbraugerste nur mit einer Ausdehnung um etwa 10.000 ha auf rund 40.000 ha.

Wie reagiert der Markt?

Interessant ist, wie der Markt auf die Mindererträge reagiert. Dazu referierte auf der Abschlussbesprechung in der Brauerei Wittingen der Marktexperte der Agravis Raiffeisen AG, Alfred Reisewitz. Er zeigte im Hinblick auf die Getreide-Exportaussichten auf, dass die globale Versorgungssituation und die Ernteerwartungen 2018/19 signifikant anders sind als in den Vorjahren.

Die internationalen Preise spiegeln diese Situation schon wider: Weizen kostet im Durchschnitt 30 USD/t und Gerste 45 USD/t mehr als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt.

EU: Durchschnittliche Getreideernte erwartet

In der EU erwartet Reisewitz eine eher durchschnittliche Getreideernte. Frankreich wird eine sehr gute bis gute Ernte einfahren. Unsicherheiten bestünden aber noch in der Qualität (Fusarium). Für Spanien wird ebenfalls eine gute Ernte erwartet, sodass der Importbedarf dort sinken dürfte. Der in 2018 eingesetzte Bestandsabbau könnte sich in der neuen Saison dann fortsetzen, wenn das Exportziel der EU erreicht wird und inner-europäische Verbrauch hoch bleibt.

  • Bei hohen Sojaschrotpreisen dürfte die Futterweizennachfrage für Mischungen auf dem hohen Vorjahresniveau bleiben.
  • Aus dem Bereich Weizenstärkeindustrie rechnet Reisewitz mit einer steigenden Nachfrage.

Trockenstress kennzeichnet deutsche Getreideernte

Die deutsche Getreideernte ist gekennzeichnet durch den Trockenstress. Die Vorkäufe sind auf Vorjahresniveau, was vor allem dem Preisanstieg an der Matif geschuldet ist, bemerkte Reisewitz. Das Kaufinteresse der inländischen Industrie steige spürbar an, da das Mischfuttergeschäft angesprungen sei.

Auch die Mühlenindustrie sei aktiv geworden. Die bisherigen Ernteergebnisse zeigen seiner Einschätzung nach ein sehr heterogenes Bild in den Qualitäten und sehr enttäuschende Erträge.

Einflussfaktoren für den Braugerstenpreis

  • Entscheidend für den Braugerstenpreis ist laut Reisewitz das Einkaufsverhalten der Industrie. Diese sei aufgrund der schlechten Erträge zurzeit noch in einer Art Schockstarre.
  • Ebenso sei von Bedeutung wie sich die Erträge in den vier größten Gerstenregionen und das Getreidepreisniveau an der Matif und in Chicago entwickeln werden.
  • Auch die Qualitäten in Frankreich, Deutschland und Skandinavien haben einen erheblichen Preiseinfluss.

In Deutschland sind laut Reisewitz etwa 40 bis 45 % der Ernte bereits in Vorverträgen kontrahiert. Für die restliche Ware bestehe noch ein Preispotenzial von -5 bis +15 €/t.

Leere Silos: Malzindustrie braucht neue Ware

"Runter ist wenig realistisch, wahrscheinlicher ist ein Anstieg von 10 bis 15 €/t", prognostizierte der Getreidehändler. Dies wird untermauert durch die Tatsache, dass die Silos der deutschen Malzindustrie leergefegt sind und dringend neue Ware, vor allem für den Export, benötigt wird. Auch die Nachfrage der Brauereien nach frischem Rohstoff ist aufgrund des erhöhten Bierabsatzes in diesem Sommer gestiegen.

Insgesamt keine schlechten Aussichten für die Braugerste. Insofern dürfte auch der Appell an die Bauern, schon jetzt Vorverträge in Höhe von etwa 20 €/t für 2019 abzuschließen, auf fruchtbaren Boden fallen.

Live vom Feld: Ernte 2018

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