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DBV startet Mitmachaktion im Netz

von , am
20.11.2013

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in Brüssel falsche Weichen für die Zukunft des Ackerbaus in Deutschland und Europa gestellt. Eine Mitmachaktion für die Landwirte im Internet soll helfen.

DBV-Präsident Joachim Rukwied geht voran und unterschreibt als erster die Postkartenaktion "Pflanzen ernähren und schützen". Dem Beispiel sollen die Bauern im Internet folgen. © Raupert
Konkret geht es DBV-Präsident Joachim Rukwied darum, die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln zu sichern und eine standortgerechte Düngung zu erhalten. Auf einer Pressekonferenz auf der Agritechnica wandte sich Rukwied vehement dagegen, dass EU-weit starre Obergrenzen für die Stickstoff-Düngung eingeführt werden. Dadurch werde eine standort- und bedarfsgerechte Düngung grundsätzlich in Frage gestellt.

Laut DBV gibt es Vorschläge für absolute Obergrenzen bei der Düngung und Überlegungen, die Ausbringung von Wirtschaftsdünger erheblich einzuschränken. So soll z. B. die 230 kg N-Regelung für Grünland nicht verlängert werden, stattdessen werde eine einheitliche Obergrenze von nur noch 170 kg N/ha diskutiert.

Deutlicher Widerspruch

Das alles stehe im deutlichen Widerspruch zum Grundsatz der bedarfsgerechten Düngung. Dieses Prinzip und dessen Dokumentation sei in Deutschland Stand der guten fachlichen Praxis. Rukwied befürchtet nach der Einführung solcher starren Regelungen erhebliche Wettbewerbsnachteile für die deutschen Getreidebauern. Insbesondere die Produktion von Qualitätsweizen mit hohen Proteinwerten werde in Deutschland erheblich erschwert.

Ebenso befürchtet der DBV, dass die Vorschläge zur Regionalisierung der Düngeverordnung und die Eröffnung großer Gestaltungsspielräume für die Länder einen Flickenteppich im Düngerecht zur Folge haben. Rukwied hat Sorge, dass das Düngerecht nicht mehr im Sinne der guten fachlichen Praxis, sondern zunehmend der Agrarstrukturpolitik dient.

Der DBV lehnt daher die absoluten Obergrenzen für die N-Düngung grundsätzlich ab, da sie dem Konzept der bedarfsgerechten Düngung widersprechen. Außerdem setzt sich der Verband dafür ein, die 230 kg N/ha-Regelung zu verlängern, sie auch auf Ackerland anzuwenden und auf Gärsubstrate auszudehnen. In diesem Zusammenhang wies Rukwied darauf hin, dass die Vorschläge der Bund-Länder-AG zur Düngeverordnung schon weitreichend seien, eine nochmalige Verschärfung seitens der Kommission sei nicht notwendig.

Kein Verständnis brachte er auch für die Politik der EU auf, die Wirkstoffpalette von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren. Nach Einschätzung des Bauernverbandes darf der Landwirt ohnehin nur Pflanzenschutzmittel anwenden, wenn sie zugelassen sind und keine Gefahren für die Umwelt, Anwender und Verbraucher entstehen. Ferner seien die Anforderungen für die Zulassung der Mittel erst 2009 EU-weit verschärft worden. Diese Standards gelten weltweit als vorbildlich.

Trotzdem würden zurzeit drastische Einschränkungen der Wirkstoffpalette von Pflanzenschutzmitteln drohen: Zugelassene Präparate würden aufgrund einer überzogenen Risikobetrachtung verboten, ohne vorhandene Risikominderungsmaßnahmen zu berücksichtigen. Als Beispiele nannte Rukwied Glyphosat und die Neonicotinoide.
Seiner Aussage nach befindet sich der Wirkstoff Glyphosat gerade in der Re-Registrierung. 2014 soll hierzu die Entscheidung fallen. Für die Landwirtschaft sei dieser Wirkstoff, vor allem in der konservierenden Bodenbearbeitung, von fundamentaler Bedeutung. Sowohl das Bundesamt für Risikobewertung als auch die Bundesregierung würden in der sachgemäßen Anwendung des Herbizids keine Gefährdung der Umwelt und kein Risiko für den Verbraucher sehen. Dennoch sah Rukwied die Gefahr, dass sich die EU von unsicheren Daten verschiedener NGOs (Nichtregierungsorganisationen wie BUND oder Greenpeace) über mögliche Gesundheitsgefahren beeinflussen lassen könnte.

Druck machen

Ferner sei zukünftig für zwei Jahre auch die einmalige Beizung der Rapssaat mit einer geringen Einsatzmenge von Neonicotinoiden nicht mehr möglich, stattdessen müssten nun mehrfach Insektizideinsätze zur Kontrolle des Rapserdflohs in den Kulturen erfolgen. Als Weg in die falsche Richtung bezeichnete er zudem die Pläne, die Bewertungsverfahren für Pflanzenschutzmittel künftig an theoretisch denkbaren Gefahren und nicht mehr auf Basis tatsächlicher Risiken auszurichten. "Das ist weltfremd!", stellte Rukwied klar. In diesem Zusammenhang forderte er die EU auf, sich nicht von gefühlten Risiken und nicht repräsentativen Aussagen einiger NGO leiten zu lassen.

Um den Ackerbau vor weiteren Einschränkungen zu schützen und um die Pläne der EU auf diesem Sektor zu verhindern, hat der Bauernverband auf der Agritechnica die Mitmachaktion "Pflanzen ernähren und schützen" gestartet. Landwirte können sich auf der Internetplattform www.meine-bauernfamilie.de oder per Postkarte direkt an die EU-Kommissare  für Umwelt (Janez Potocnik) und Verbraucherschutz (Tonio Borg) wenden.
Sie werden in dem Aufruf aufgefordert zu verhindern, dass die EU-Kommission Deutschland eine neue Düngeverordnung mit pauschalen Dünge-Obergrenzen aufzwingt und eine bedarfsgerechte Düngung in Frage stellt. Weiterhin sollen sie verhindern, dass die Palette bewährter Pflanzenschutzwirkstoffe durch eine völlig überzogene und rein theoretische Risikodiskussion in Frage gestellt wird.
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