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Grünland

Diesen Herbst jetzt richtig nutzen

von , am
01.10.2014

Wer seine Grünlandflächen fit in den Winter schickt, beugt aufwendigen Reparaturen im kommenden Frühjahr vor. Nachfolgend rufen wir in Erinnerung, worauf man besonders achten sollte.

Zurzeit sind die Temperaturen so mild, dass noch genügend Gras aufwächst. Dieses gilt es, durch Weide oder Schnitt zu nutzen und die Flächen danach nicht zu üppig in den Winter zu schicken. © Kahnt-Ralle

Der letzte Winter war durch sehr milde Temperaturen, nur wenige Frosttage sowie einen sehr frühzeitigen Vegetationsbeginn Ende Februar/Anfang März gekennzeichnet. Die Jahreswitterung 2014 begünstigte das Wachstum und die Entwicklung der Grünlandbestände an den meisten Grünlandstandorten in Niedersachsen. Intensiv genutzte Flächen weisen deshalb derzeit kaum Mängel.

In der bevorstehenden Winterperiode könnten aber sehr frost- und schneereiche Witterung das Grünland beeinträchtigen. In jedem Fall gilt es, die Bestände optimal für diesen Herbst und Winter vorzubereiten. Hierfür sind gezielte Pflegemaßnahmen notwendig. Sie bilden eine solide Grundlage für eine hohe Grundfutterleistung im nächsten Jahr und beugen Auswinterungsschäden vor. Neben der Witterung entscheiden vor allem Düngung, Nutzung sowie die Pflege über die Leistungsfähigkeit der Grünlandnarbe.

Narbe kurzhalten

Die wichtigste Bewirtschaftungsmaßnahme vor Herbst und Winter ist das Kurzhalten der Narbe. Damit wird der Grünlandbestand optimal auf den Winter vorbereitet. Die Aufwuchshöhe zum Vegetationsende sollte 5 bis 7 cm nicht überschreiten, da sonst die Gefahr für Auswinterungsschäden im Bestand durch absterbende Blattmasse verstärkt gegeben ist.

Milde Temperaturen im September und Oktober können vielerorts noch zu massereichen Beständen führen. Zu hohe Futterreste und wüchsige Bestände sollten bis Mitte/Ende Oktober, je nach Aufwuchsmenge, gemäht oder gemulcht und bei starker Schwadbildung abgefahren werden. Diese Maßnahme sollte rechtzeitig erfolgen, um dem Grünland vor Winter ausreichend Zeit zum Regenerieren zu geben. Der letzte Schnitt wird oftmals hinausgezögert, da befürchtet wird, dass bei milden Temperaturen bis Vegetationsende zu viel Masse nachwächst.

Viele Grünlandflächen sind dieses Jahr verstärkt von Rost befallen. Das trifft besonders Flächen, deren Nährstoffversorgung unausgewogen ist. Gerade hier ist es ratsam gewesen, den letzten Schnitt frühzeitig zu mähen und den möglichen Nachwuchs vor Winter noch zu mulchen. Die bereits jetzt nicht mehr genutzten Bestände sind ebenfalls durch Mulchen oder Nachmahd kurzzuhalten, damit die Grünlandbestände in einem gleichmäßigen Entwicklungsstand in den Winter gehen und für das kommende Frühjahr eine ausgeglichene Startgrundlage geschaffen wird.

Überständiges Futter

Überständiges Weidefutter und hohe Restaufwüchse verschlechtern nicht nur während der Weideperiode die Weidefutter- und Narbenqualität, sondern sind auch besonders anfällig gegenüber Frost. Ausgewinterte Pflanzenbestandteile ersticken so nach und nach die noch vitale Grasnarbe unter sich. Gleichzeitig bildet das abgestorbene Pflanzenmaterial ein optimales Nährmedium für Pilzkrankheiten wie Fusarien und Schneeschimmelerreger. Auch im Hinblick  auf die Bekämpfung tierischer Schädlinge wie Wühlmäuse und Tipula-Larven stellt eine kurz gehaltene Grünlandnarbe vor Winter eine lohnende Pflegemaßnahme dar.

Nicht nur ein zu hoher Aufwuchs, sondern auch eine zu kurz gehaltene Grünlandnarbe wirkt sich nachteilig auf die Winterfestigkeit aus. Eine Aufwuchshöhe von mindestens 5 cm ist für den Erhalt des Vegetationskegels erforderlich. Wird dieser bei zu tiefem Schnitt oder Verbiss von Weidetieren entfernt, ist die Gefahr der Auswinterung durch mangelnde Reservestoffeinlagerung gegeben. Vor allem frostempfindliche Gräser wie das Deutsche Weidelgras sind auf die Bildung und Einlagerung dieser Reservestoffe aus wasserlöslichen Kohlenhydraten angewiesen, um den Winter gut zu überstehen. Besonders Pferde haltende Betriebe sollten darauf achten, dass die Weideflächen nicht zu stark durch den tiefen Verbiss strapaziert werden.

Geschädigte Narben

Zu nasse Bodenverhältnisse im Herbst führen bei Schnittnutzung oder Beweidung zu nachhaltigen Schäden der Grünlandnarbe, besonders auf schweren Standorten. Diese können im nächsten Frühjahr zu Fehlstellen innerhalb des Bestandes und damit verbunden zur Verschlechterung  der Grasartenzusammensetzung durch unerwünschte Gräser und Kräuter führen. Eine empfohlene intensive Herbstnutzung muss demnach in Abhängigkeit vom Niederschlag flexibel erfolgen. Die Beweidung durch Rinder sollte zur Vermeidung von Trittschäden bei nassen Bodenbedingungen und zur Einleitung der Regenerationsphase des Grünlandes Mitte bis Ende Oktober beendet werden.

Ebenso wie Trittschäden führen Fahrspuren zu Unebenheiten auf dem Grünland und damit zu einer Verschlechterung bei der Flächenbewirtschaftung. Hier muss ein Kompromiss zwischen Mahd und Bodenverhältnissen gefunden und die Wahl des Schnitttermins mit den Gegebenheiten auf der Fläche abgestimmt werden. In jedem Fall lassen sich mit dem richtigen Reifendruck, Reifenprofil und der Reifenbreite Fahrschäden auf der Fläche minimieren.

Der Einsatz der Schleppe ist im Herbst im Allgemeinen nicht erforderlich. Kotfladen werden auf den Flächen zersetzt und Maulwurfshaufen oder Wühlmausschäden stellen nach der letzten Nutzung meist kein Problem mehr dar. Die Einebnung von aufgeworfenen Maulwurfshaufen und starken Bodenunebenheiten kann aber nach Weideabtrieb oder letzter Nutzung sinnvoll sein, wenn diese in großen Mengen in den Beständen auftreten.

Nur bei Düngebedarf

Nur wenn ein Düngebedarf des Pflanzenbestandes gegeben ist, kann eine Gülledüngung mit abschließender Abfuhr im Herbst sinnvoll sein. Die herbstliche Gülledüngung sollte nur in eine leistungsfähige Narbe erfolgen, bei der eine optimale Nährstoffausnutzung möglich ist. Die letzte Gülledüngung im Herbst sollte auf Grünland eine Gabe von 20 bis 30 kg Ammonium-N/ha (in der Regel 10 bis 15 m3/ha) nicht übersteigen. Eine angepasste Herbst-Güllegabe zum optimalen Zeitpunkt sorgt für die Speicherung der Nährstoffe in den Wurzeln und begünstigt damit den Wiederaustrieb im folgenden Frühjahr.

Zusätzlich schützt das in der Gülle enthaltende Kalium den Pflanzenbestand vor Auswinterung und erhöht die Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten. Als positiver Nebeneffekt ist die Verbesserung der Konditionierung des Pflanzenbestandes zu nennen. Die Einhaltung der Sperrfrist für die Gülleausbringung auf Grünland ab dem 15.11. bis zum 31.1. ist ebenso zu beachten wie das Verbot der Ausbringung auf tiefgefrorenen, schneebedeckten oder wassergesättigten Böden.

Beweidetes Grünland wird durch die Nährstoffrückführung der Weidetiere über Kot und Harn versorgt und sollte nicht zusätzlich mit Gülle versorgt werden, um der Gefahr von Nährstoffauswaschungen, insbesondere Stickstoffverlusten, entgegenzuwirken. Mit der herbstlichen Gülledüngung muss folglich verantwortungsbewusst umgegangen werden.

Nach der Düngeverordnung müssen alle Grünlandflächen, die eine Mindestgröße von 1 ha haben, alle sechs Jahre beprobt und auf ihre Nährstoffgehalte hin untersucht werden. Der Abschluss der Vegetationsperiode im Herbst eignet sich sehr gut für die Planung der Grunddüngung für die kommende Wachstumsperiode im Frühjahr. Bei der Bodenprobennahme im Grünland wird eine Beprobung der oberen 10 cm empfohlen. Als Bodenparameter sollten in jedem Fall der pH-Wert, Phosphat (P2O5), Kali (K2O) und Magnesium (Mg) analysiert werden. Bei der Wahl des Probennahmetermins sollten die letzte Düngung und die Beprobung möglichst weit auseinander liegen.

Fazit

Grünland, das fit in den Winter geht, ist eine gute Voraussetzung für eine qualitativ und quantitativ hochwertige Futterproduktion im Folgejahr.

Entsprechende Pflegemaßnahmen am Ende der Vegetationsperiode sorgen für den Erhalt einer guten Narbenqualität und verringern die Auswinterungsgefahr der Grasbestände.
Besonders ist die Grasnarbe vor Winter kurz zu halten. Pflegeschnitte vor Winter sollten rechtzeitig und vor  Frostbeginn erfolgen.
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