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Reportage Direktsaat

Mit Direktsaat durch die Wetterextreme

Gerald Burgdorf
am
08.06.2018

Extreme Wetterereignisse zwangen einen jungen Betriebsleiter aus Göttingen zum Hinterfragen des vorherrschenden Ackerbausystems.

Erosion, Starkniederschläge, Wassermangel, aber auch der steigende Ackerfuchsschwanzdruck ließen Maximilian Henne aus Roringen (LK Göttingen) ab 2011 das System der Direktsaat ausprobieren. Möglich gemacht wird die Direktsaat durch die Sämaschine TandemFlex 300 von auf der Landwehr.

Strohmulchauflage in Direktsaatraps

Die Fruchtfolge wurde umgestellt und durch Ackerbohnen erweitert. Weiterhin steht nach Winterraps konsequent Wintergerste, da diese den Vorfruchtwert noch besser ausnutzt. Wichtig ist jedoch auch die größere Zeitspanne zwischen Gerste und Weizen im Folgejahr. Diese steht den Zwischenfruchtmischungen zur Verfügung, die im Betrieb einen zentralen Schwerpunkt bilden.

Henne setzt in seinem System über das ganze Jahr auf eine möglichst kontinuierliche Bodenbedeckung. So werden auch im Raps bereits Begleitpflanzen etabliert, die neben der Bodenbedeckung auch als Ablenkung für Kohlfliege und Rapserdfloh dienen. Die Zwischenfrüchte werden nach Möglichkeit direkt hinter dem Mähdrescher in die möglichst langen Stoppeln gedrillt. Unproduktive Wasserverluste gilt es zu minimieren.

Winterackerbohne als Sorgenkind

Als Sorgenkind der Fruchtfolge stellt sich zurzeit die Winterackerbohne dar. Dort fehlt aufgrund unzureichender Winterhärte und Standfestigkeit die Ertragssicherheit. Deshalb sind die Bestände nach der späten Aussaat Ende Oktober und den strengen Frösten von bis zu -17 °C in diesem Jahr sehr lückig und stark verunkrautet. Von der Winterform abrücken will Henne aber nicht. Im Frühjahr sind die Flächen oft zu nass und wenn die Bestellung erfolgen kann, fehlt im Anschluss häufig das Wasser. Er erhofft sich von der Züchtung weitere Fortschritte, um in Zukunft gleichmäßigere Bestände zu erreichen.

Mäuse, Schnecken und Co.

Schädlinge, die in diesem System deutlich mehr Aufmerksamkeit vom Betriebsleiter erfordern, sind Mäuse und Schnecken. Aufgrund der großen Mulchauflage und nahezu ständigen Bodenbedeckung muss Henne mehrmals mit der Legeflinte los und die Flächen kontrollieren. Schlecht gehäckseltes oder verteiltes Stroh fördert zusätzlich die Mäuseproblematik. Die Schnecken sitzen oftmals direkt im Saatschlitz, sodass ein gezielter breitflächiger Einsatz oftmals ohne Wirkung verpufft.

Zurzeit wendet Henne Glyphosat auf ca. 30 % der Flächen an, aber vielleicht sind die Alternativen bei einem bevorstehenden Aus gar nicht so weit weg. Ohnehin bezeichnet Henne sein System nicht als vollständig abgeschlossen. Zurück zu Grubber oder gar dem Pflug will er nicht: „Das System ist das Richtige. Wir schonen Ressourcen, bauen Bodenfruchtbarkeit auf und puffern Wetterextreme besser ab.“

Mehr zur Direktsaat, den Lösungsansätzen und alternativen Düngeverfahren auf dem Betrieb Henne lesen Sie in der nächsten Ausgabe der LAND & Forst 24/18.

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